Trauerbriefkasten in Rees: Der VVV schickt Post in den Himmel
Einweihung und erste Leerung des Briefkastens ermöglichen Trauernden, ihre Gefühle symbolisch in den Himmel zu senden.
REES. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rees (VVV) hat im Mai auf dem kommunalen Friedhof am Westring gemeinsam mit Vertretern der Kirchen einen Trauerbriefkasten eingeweiht. Seitdem können Trauernde dort einen letzten Gruß an einen geliebten Menschen hinterlassen.
Besonders für Kinder kann dieses Angebot eine wertvolle Möglichkeit sein, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken. Zu Allerseelen wurde der „Briefkasten der Erinnerung“ erstmals geleert. Die darin enthaltenen Briefe wurden ungelesen in einer Feuerschale verbrannt. Der aufsteigende Rauch sollte die persönlichen Worte symbolisch in den Himmel tragen.
32 Gäste nahmen an der Zeremonie teil. Michael Arts-Meulenkamp entnahm dem Trauerbriefkasten insgesamt 41 Briefe. „Ich bin überwältigt. Mit einer solchen Resonanz hätte ich nicht gerechnet. Das zeigt, dass wir mit dem Trauerbriefkasten die richtige Idee hatten“, sagte er. Auch bei dieser Zeremonie waren wieder Vertreter der Kirchen dabei: Barbara Bohnen, Personalreferentin der katholischen Kirchengemeinde St. Irmgardis, und die evangelische Pfarrerin Sabina Berner-Pip.
Barbara Bohnen erinnerte daran, dass die Zeremonie auch den Menschen gewidmet sei, „die einen festen Platz in unserem Herzen haben, aber nicht mehr physisch bei uns sind“. Die Lücke, die sie hinterließen, sei oft spürbar und schmerzhaft.
„Das Feuer, das wir entzünden, soll die Worte nicht zerstören, sondern sie vielmehr verwandeln“, sagte Barbara Bohnen. „Der aufsteigende Rauch trägt unsere Liebe, unsere Erinnerungen, unsere Gedanken und unsere stillen Worte direkt zu unseren Verstorbenen. Es ist ein Gruß von Herz zu Herz, der die Grenze zwischen den Welten symbolisch überwindet.“
Sabina Berner-Pip ergänzte: „Auch wenn du gegangen bist, bin ich immer noch bei dir. Mein Herz ist immer noch ganz nahe bei dir. Wo ich auch gehe oder stehe, ich trage dein Bild fest in meinem Herzen.“
Michael Arts-Meulenkamp und Barbara Bohnen setzten die Briefe anschließend in Flammen. Sabina Berner-Pip gab noch einige Weihrauchkörner in das Feuer. Der Feuerschein erhellte den inzwischen dunklen Friedhof und spendete den Anwesenden Wärme. Nach rund 20 Minuten war von den Briefen nur noch etwas Asche übrig.
Die Idee für den Trauerbriefkasten ist von einer japanischen Tradition inspiriert. Dort wurden auf Friedhöfen Telefonzellen eingerichtet, in denen Trauernde in einseitigen Gesprächen ihre Gedanken und Gefühle aussprechen können. In dem Glauben, dass der Wind ihre Worte zu den Verstorbenen trägt, soll ihnen dies bei der Trauerbewältigung helfen. Auch in Deutschland haben verschiedene Initiativen ähnliche Formen der Trauerbegleitung aufgegriffen. Der Trauerbriefkasten bietet dabei eine weitere Möglichkeit, persönliche Gedanken und Gefühle festzuhalten und symbolisch auf den Weg zu einem verstorbenen Menschen zu bringen.
Insgesamt 41 Briefe fanden sich zur ersten Leerung im Trauerbriefkasten. Foto: VVV Foto: VVV
Barbara Bohnen und Michael Arts-Meulenkamp verbrennen die Briefe aus dem Trauerbriefkasten – der aufsteigende Rauch soll die persönlichen Worte symbolisch in den Himmel tragen. Foto: VVV