Theaterzukunft in Sichtweite
Bis zum Jahresende will der Macher des XOX-Theaters die Regie abgeben
KLEVE. Wenn Wolfgang Paterok von seinem „Hobby“ spricht, ahnt man längst, dass sich hinter dieser Untertreibung ein ganzes Leben in Stellung bringt.
Ein zweiter Begriff, den Paterok ins Spiel bringt, lautet „Fanatismus“. Eigentlich nutzt Paterok nicht Substantiv – er sagt, dass man schon fanatisch sein muss, um sich mit dem und auf das Theater einzulassen. Und dann sagt er noch: „Du musst verrückt sein.“
Da hat einer – mehr als 20 Jahre ist es her – einen Traum zur Wirklichkeit werden lassen. Wie simpel das klingt. Der Traum: Regie führen. Und wie es dann so ist: Mit der Regie allein ist es am Ende nicht getan, wenn aus dem Nichts Theater entstehen soll. Wolfgang Paterok – vielleicht kann man das sagen – ist das XOX-Theater in Kleve. Natürlich ist wie beim Dirigieren: Ohne Orchester keine Musik. Ohne Schauspieler kein Theater. Paterok – die Lunte, an der sich alles entzündet. Und da ist es wieder - dieses Wort: „Für mich ist das immer ein Hobby gewesen“, sagt Paterok und man denkt: „Mach halblang.“ Paterok wird in Kürze 82. Er hat Krebs. „Ich weiß nicht, ob ich durchkomme“, sagt er. Aber: Wir sitzen nicht hier, um über die Krankheit zu sprechen, die auch zum Abschied werden kann. Es geht um einen anderen Abschied: „Ich habe schon mit 70 angefangen, über eine Nachfolge nachzudenken“, sagt Paterok. Irgendwann tauchte ein Nachfolger auf. Michael Schläger hieß er und sollte den Regisseur Paterok beerben. Schläger starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Das muss 2017 gewesen sein“, sagt Paterok. Die Nachfolgefrage musste erneut gestellt werden.
„Ich habe das auch offen kommuniziert – habe bei den letzten Vorstellungen im Theater dem Publikum immer wieder erklärt, was Sache ist.“ Die Reaktion bei allen, die vom möglichen Ende des XOX-Theaters erfuhren: „Das kann ja wohl nicht wahr sein.“ Paterok: „Wir haben hier ein gut eingespieltes Team von 15 Leuten, die alle bereit sind, einen Teil der Verantwortung zu tragen, aber niemand traut sich die künstlerische Leitung zu.“
Paterok ist bereit abzugeben, „aber ich möchte nicht, dass jemand all das hier übernimmt und nachher etwas ganz anderes daraus macht.“ Man spürt: Da ist jemand mit einem Anspruch. „Wir arbeiten hier semiprofessionell.“ Das XOX-Theater sei keine Laienspieltruppe. Und wenn Ensembles ein Gastspiel beim XOX machen möchten, „dann sollen das Profis sein“.
Nachdem es lange eher düster aussah, sieht Paterok nun einen Silberstreifen am Horizont. „Es hat sich tatsächlich jemand gemelder, der sich vorstellen kann, hier einzusteigen“, sagt Paterok und seine Mine hellt sich auf. „Wir haben schon gesprochen und ich habe den Eindruck: Das könnte was werden.“ Der Mann heißt Ludger Terlinden, kommt aus Alpen und ist einschlägig vorbelastet: Theaterarbeit.
„Wir müssen noch weitere Gespräche führen, aber es sieht wirklich gut aus“, sagt Paterok. Ob er sich denn komplett zurückziehen könne, frage ich ihn. „Ich denke, das ich das kann.“ Auf Anfrage stehe er aber weiterhin zur Verfügung. „Vielleicht könnte ich noch das eine oder andere Mal Regie führen“, sagt er. Der alte Traum also: Einfach nur Regie führen.
Ein paar Tage nach unserem Gespräch schickt Paterok eine Nachricht: „Hallo Herr Frost, gute Nachricht! Das Theater hat eine realistische Zukunftsperspektive. In einem mehrstündigen Termin mit Ludger Terlinden sind alle wesentlichen Fragen einvernehmlich erörtert und geklärt worden. Ludger Terlinden wird schnellstmöglich ein Regieprojekt in Angriff nehmen und damit als Regisseur aktives Mitglied der Theaterleitung werden. Ich werde in einem gleitenden Übergang Schritt für Schritt meine Aufgaben m Theater an ihn übergeben mit dem Ziel, möglichst bis Ende des Jahres von allen operativen Aufgaben entbunden zu sein und mich nur noch bei Gelegenheit als Regisseur einzubringen. Viele Grüße Wolfgang Paterok“ Na denn: Die Zukunft kann kommen.
Das Ende einer Ära: Wolfgang Paterok hat einen Nachfolger gefunden. Zum Jahresende soll Schluss sein mit dem „Hobby“. NN-Foto: Rüdiger Dehnen