Theater im Fluss Team mit Shakespeare-Büste: Janna Körner, Lena Frost, Janis Krebbers, Yannis van Soest.
30. Mai 2026 · Kleve

Theater im Fluss: Wenn die Mitte brennt

Kulturelle Arbeit mit Kindern ist unverzichtbar

KLEVE. Die Überlebensmathematik könnte so aussehen: 30 Menschen, denen das kulturelle Arbeiten mit Kinder Jugendlichen etwas bedeuten, würden je 1.000 Euro spenden. Oder 60 Menschen mit je 500 Euro. Und so weiter. Wichtige wäre, dass unter dem Spendenstrich am Ende 30.000 Euro zu verbuchen wären. Der Reihe nach ...

Da sitzen vier aus dem (erweiterten) Leitungsteam vom „Theater im Fluss“ und haben die Presse eingeladen. Die Sache ist ernst. Man könnte schreiben, dass es um Geld geht, aber das wäre zu kurz gegriffen, denn es geht um Zukunft. Da wäre die Zukunft der Jugendkunstschule mit dem Namen „Theater im Fluss“ (TiF) und damit verbunden eine kollektive Zukunft, bei der es um den Fortbestand des kulturellen Denkens geht. Zu groß gedacht? Zu groß geht nicht.

1.500 Kinder

Viele mögen das TiF als Theater-Spielstätte kennen. Ja – das stimmt, aber es macht nur einen kleinen Teil der Aktivitäten des Vereins aus. Lena Frost, seit dem letzten Sommer Geschäftsführerin, hat Zahlen aufgeschrieben. Über 1.500 Kinder nahmen allein im vergangenen Jahr an Angeboten teil. Zahl der pädagogischen Kontaktstunden: 2.500.

Es fehlen 30.000 Euro

Ja – das TiF erhält Unterstützung. Die Stadt Kleve ist mit jährlich 43.000 Euro dabei. Klingt gut, relativiert sich aber, wenn man weiß, dass die monatlichen Fixkosten bei rund 11.000 Euro liegen. Dazu gehören Miete und Personalkosten. „Unser Konto ist noch bis zur Jahresmitte im Plus“, sagt Lena Frost. Es fehlen: 30.000 Euro. Wenn die nicht reinkommen, setzt sich eine Spirale in Gang: „Zunächst einmal würden wir unsere kostenlosen Angebote streichen müssen.“ Nur mal für den Hinterkopf: Das Wort „kostenlos“ bezieht sich auf die Teilnehmer der Angebote und nicht auf die Dozierenden. Zu den regelmäßig Dozierenden (das sind 12) kommen sieben bis zehn Gastdozierende.

"Logo des Vereins mit blauem Hintergrund und stilisiertem Adler, Vereinsname in weißer Schrift"

Das Logo des Vereins.

Derzeit gibt es beim TiF allein 13 wöchentlich stattfindende Theatergruppen: acht für Kinder und Jugendliche, dazu kommen drei Erwachsenenensembles und eine inklusive, generationsübergreifende Gruppe sowie kostenlose Ferienworkshops (je drei Kurse in den Oster-, Sommer- und Herbstferien).

All das steht auf dem Spiel, denn – zumindest manche dürften das wissen – Kulturarbeit ist nicht kostendeckend zu leisten. Schon gar nicht, wenn es auch um kostenlose Angebote geht. Lena Frost: „Natürlich stellen wir auch Förderanträge, aber die sind projektbezogen.“ Was gebraucht wird, sind finanzielle Mittel, nicht projektgebundene Mittel.

Dass beim TiF weit mehr geboten wird als Theater, wissen möglicherweise nicht viele. Yannis van Soest vom Vorstand: „Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist in der Regel schwer darstellbar, da wir uns in einem geschützten Bereich bewegen. Da machst du nicht mal eben ein Foto, das dann in der Presse veröffentlicht werden kann.“

Click & Swipe

Kürzlich führte das Theater im Fluss mit „Click & Swipe“ im Auftrag des Kinderschutzbundes ein Theaterstück auf, bei dem es für alle 5. Klassen in Kleve um das Thema Medienkompetenz ging. Janis Krebbers, künstlerisch pädagogischer Leiter: „Da geht es ja nicht nur um die Aufführung. Wir haben das Stück auch selbst konzipiert und im Anschluss an die Aufführungen mit den Kinder gesprochen.“ Zehn Aufführungen gab es allein in diesem Jahr. Prädikat: besonders wertvoll.

All das steht jetzt zur Disposition und man mag sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn die Angebote des Vereins künftig nicht mehr stattfinden könnten. Das Theater im Fluss hat (nicht nur) im Quartier Oberstadt eine wichtige Funktion. Lena Frost: „Wenn wir die kostenlosen Angebote streichen müsste, würde ja wieder einmal dort etwas wegfallen, wo sich Familien Angebote wie unsere nicht leisten können.“

Spenden, Sponsoring, Fördermitgliedschaften

Was also ist zu tun? Janna Körner, Verwaltungsleiterin beim TiF: „Der Idealfall wäre natürlich, dass wir Menschen finden, die uns mit einer größeren Spende unterstützen würden, weil sie unsere Arbeit für wichtig halten. Aber auch Fördermitgliedschaften könnten helfen.“ Wer für das TiF spenden möchte, kann das unter folgendem Link tun: www.betterplace.org/p179435. Und dann wären auch Sponsoren hilfreich. Was, bitte schön, ist der Unterschied zwischen Sponsoring und einer Spende? Lena Frost: „Um es mal ganz einfach zu sagen: Für eine Spenden gibt es am Ende, falls gewünscht, eine Quittung. Beim Sponsoring geht es um Leistung und Gegenleistung. Ein Sponsor unterstützt uns und erscheint – nur als Beispiel – namentlich auf unserer Internetseite oder wird im Programmheft oder auf Plakaten erwähnt. Da sind noch ganz viele andere Möglichkeiten denkbar und wir sind gerade dabei, diesbezügliche Modelle zu entwickeln.“

Fest steht: Es brennt. Und zwar in der Mitte. Fest steht: Die Sache ist wirklich ernst. Und fest steht eigentlich auch: Es wird Menschen geben, die es sich leisten könnenwollen, kulturelle Arbeit zu unterstützen. Eine Mail an lena.frost@theaterimfluss.de wäre ein toller Anfang. Die Rettungsmathematik hat viele mögliche Formeln.

Und Shakespeare schaut zu ... Vier vom Theater im Fluss (v. l.): Janna Körner (Verwaltungsleitung), Lena Frost (Geschäftsführung), Janis Krebbers (künstlerisch-pädagogische Leitung) und Yannis van Soest (Vorstand). NN-Foto: HF