Storchen-Winterlager in Till-Moyland?
„Till und Tilla“ scheinen scheinen keinen Anlass zu haben, ihren Artgenossen gen Süden zu folgen
TILL-MOYLAND. Mit gemischten Gefühlen, aber auch voller Interesse und mit etwas Stolz beobachten die Till-Moyländer Dorfbewohner seit geraumer Zeit, dass sich ein Storchenpaar hartnäckig weigert, „ihr“ Dorf zugunsten der gewohnheitsmäßig alljährlichen Überwinterung in den südlichen Gefilden von Spanien bis Afrika zu verlassen. Untrügliche Hinweise dafür, dass es sich hierbei um das Storchenpaar „Till und Tilla“ handelt, die seit vielen Jahren stets ab Ende Februar/Anfang März zu ihrem Nest am Till-Moyländer „Lindenhof“ zurückkehren, um hier zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen, sind ihre stets gleichen Verhaltensweisen bei der Nahrungssuche, die sie regelmäßig selbst bis in die nahegelegenen Gärten ihres Domizils führen. Im Gegensatz zu ihren zahlreichen Artgenossen scheinen sie keinen Anlass zu haben, diesen gen Süden zu folgen, bieten ihnen doch die zunehmend gemäßigteren niederrheinischen Winter ein durchaus ausgewogenes Nahrungsangebot, solange keine geschlossene Schneedecke liegt oder kein strenger, anhaltender Frost herrscht. Störche können durchaus mit den hiesigen Wintertemperaturen klarkommen (ausgenommen Eisregen), schützt sie doch ihr Federkleid vor einem zu starken Wärmeverlust. Sie können ihre Wärme wesentlich besser speichern als kleine Singvögel wie Meisen, Rotkehlchen oder Zaunkönig; denn die überwintern schließlich ja auch hier! Negativ auswirken kann sich lediglich das Nahrungsspektrum, doch wie alle „Winter“-Störche, so ernähren sich „Till und Tilla“ in dieser Jahreszeit vorwiegend von Mäusen, Maulwürfen, Regenwürmern, Schnecken aller Art und auch von Fischen. Störche fliehen nämlich nicht vor der Kälte, sondern von der möglichen Nahrungsknappheit bei für sie ungünstigen Witterungsverhältnissen; für den Fall der Fälle ist daher auch Beifüttern durchaus erlaubt. Gleiches Recht für Singvögel und Störche! Dass die beiden dennoch „Einzelfälle“ sind, macht sie als Winter-Fotomotiv durchaus interessant und attraktiv, zählen sie doch weiterhin zu den eher selten anzutreffenden Wintergästen. Bleibt zu hoffen, dass sich der kommende Winter von der storchenfreundlichen Seite zeigt und diesen ausreichend Nahrung sowie Anreize bietet, wieder die Ersten „vor Ort“ zu sein, wenn es gilt, „ihr“ Nest zu besetzen und nötigenfalls zu verteidigen.
Die beiden „Einzelfälle“ machen sich als Winter-Fotomotiv gut, zählen sie doch weiterhin zu den eher selten anzutreffenden Wintergästen. Fotos: Andreas Wolff