Igelfreunde Alpen bilden aus: Eine Spürnase für den Igelschutz
Havaneser Fanny wird zum Suchhund ausgebildet, um Igel vor Mäharbeiten zu retten
ALPEN. Noch befindet sich Fanny in der Ausbildung. In kurzen, aber regelmäßigen Trainingseinheiten lernt sie derzeit, Igel mit ihrer Nase aufzuspüren. Damit soll sie künftig vielen Igeln das Leben retten, die unter anderem beim Rasenmähen oder Roden von Wiesen oft verletzt werden. Vor dem Einsatz etwa eines Rasenmähers soll Fanny nämlich eine größere Rasenfläche nach Igeln, die sich dort versteckt haben könnten, absuchen. „Das Prinzip gibt‘s schon länger. Ich habe es bei einer Igel-Pflegestelle in Cuxhaven gesehen und mir alles dazu in einem Online-Meeting angehört“, berichtet Bianca Ritter-Kowalczik vom Verein Igelfreunde Alpen NRW, der als anerkannte Igel-Pflegestelle schon seit Langem Igel wieder gesund pflegt. Nun bildet Ritter-Kowalczik Vereinshund Fanny – ein dreijähriger Havaneser – zum Igel-Suchhund aus, damit viele Igel gar nicht erst verletzt werden.
Dazu nutzt Ritter-Kowalczik ihre langjährige Erfahrung im Mantrailing, also der gezielten Personensuche durch Hunde. „Da habe ich mich bereits intensiv mit der Zielobjektsuche beschäftigt“, sagt Ritter-Kowalczik. Mithilfe eines individuellen Geruchs eines Menschen anhand einer Probe (zum Beispiel eines Kleidungsstücks) könnten speziell ausgebildete Hunde nämlich den Geruch verfolgen und einen vermissten Menschen aufsuchen. Das sei möglich, da Hunde über ein hochspezialisiertes Riechorgan mit etwa 125 bis 300 Millionen Riechzellen verfügen würden, das Gerüche 10.000- bis 100.000-mal besser wahrnehmen könne als der Mensch. Diese Eigenschaft möchten sich nun auch die Igelfreunde Alpen NRW zunutze machen, um Igel zu schützen.
„Der Igel wurde mittlerweile auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion als potenziell gefährdet eingestuft“, sagt Ritter-Kowalczik. Die Bestände würden stark zurückgehen. Hauptursachen seien der Lebensraumverlust durch eine intensive Landwirtschaft und den Straßenverkehr, aber auch Mähroboter, die Igel beim Rasenmähen nicht erkennen, oder andere Rasenmäher. „Nach einer Rodungsaktion auf einer verwilderten Wiese in Dortmund wurden im März etwa 30 tote Igel gefunden“, sagt Ritter-Kowalczik. Wäre die Wiese zuvor nach Igeln intensiv abgesucht worden, hätte dies vermutlich verhindert werden können, meint Ritter-Kowalczik.
Vor etwa dreieinhalb Wochen hat Ritter-Kowalczik mit der Ausbildung von Fanny zum Igel-Suchhund begonnen. „Da ich sie nicht überfordern möchte, üben wir nur bis zu zehn Minuten am Stück. Es ist ganz wichtig, dass man die Hunde durch zu intensives Training nicht überfordert“, sagt Ritter-Kowalczik. Fanny bringe jedoch gute Voraussetzungen mit. „Sie ist jetzt seit einem Dreivierteljahr bei uns und ich habe vorher schon gemerkt, dass sie sehr gerne riecht und etwas mit ihrer Nase macht“, sagt Ritter-Kowalczik. Das sei auch wichtig, damit ein Hund überhaupt zu einem Suchhund ausgebildet werden könne.
Anders als beim Mantrailing gehe es bei der Igel-Suche jedoch nicht um die Suche nach einem bestimmten, ganz individuellen Geruch, sondern eher nach einem allgemeinen Igel-Geruch. „Das ist dann vergleichbar etwa mit Lawinenhunden, die ja auch allgemein nach Menschen und nicht nach einer bestimmten Person suchen“, sagt Ritter-Kowalczik. Die Igel-Retterin hat deshalb verschiedene Igel-Gerüche extrahiert. „Durch die Igel-Pflegestelle habe ich ja verschiedene Igel hier. Von den Handtüchern, auf denen die Igel liegen, habe ich Geruchsproben genommen, sodass ich mit Fanny trainieren kann, ohne dass die Igel gestört werden“, sagt Ritter-Kowalczik.
Aktuell stünden noch die verschiedenen Gerüche im Fokus. Bald solle es aber auch darum gehen, dass Fanny nur auf Kommando nach Igeln sucht und nicht etwa bei jedem Gassigehen. „Sie soll wirklich nur bei Einsätzen nach Igeln suchen“, betont Ritter-Kowalczik, die hofft, dass sich ab dem Spätsommer, wenn Fanny ausgebildet sein wird, zum Beispiel Landwirte, Kommunen oder andere Grundstücksbesitzer bei den Igelfreunden Alpen NRW melden, bevor sie mit Mäharbeiten auf einer großen Wiese beginnen. „Es geht dabei nicht um kleine Gärten, die man selbst absuchen und überblicken kann, sondern um größere Flächen. Da ist ein Suchhund mit seinem Riechorgan um einiges schneller und effektiver“, betont Ritter-Kowalczik. Da Igel sich gerne etwa unter Laub oder in dichtem Gras verstecken würden, würden sie beim Rasenmähen häufig übersehen werden. „Ich hatte in diesem Jahr bereits einem Igel mit Schnittverletzungen in der Pflegestelle“, sagt Ritter-Kowalczik. Glücklicherweise habe sie diesen Igel wieder aufpäppeln können. Sie hoffe jedoch, dass mit der Suchhund-Aktion bald auch präventiv Igeln geholfen werden kann.
Fanny auf der Suche im eigenen Garten. NN-Foto: Theo Leie
Fanny hat einen Igel gefunden – allerdings ist dieser Igel nur ein Dummy. NN-Foto: Theo Leie
Bianca Ritter-Kowalczik trainiert mit der angehenden Suchhündin Fanny im eigenen Garten. NN-Foto: Theo Leie