Sparkasse am Niederrhein baut Bilanzsumme weiter aus
Das Bankinstitut vergab trotz der Krisen wieder mehr Kredite
Die Sparkasse konnte 2024 sogar wieder mehr Kredite vergeben. Durch den angestiegenen Leitzins infolge der vielfachen Krisen war die Nachfrage nach Krediten in den vergangenen Jahren zunächst zurückgegangen. Das habe sich 2024 wieder geändert, berichtet Bernd Zibell, der sich im Vorstand der Sparkasse am Niederrhein für das Kreditgeschäft verantwortlich zeichnet: „Insbesondere Kredite zur privaten Baufinanzierung sind wegen des nun wieder leicht gesunkenen Zinsniveaus und des interessanten Immobilienmarktes wieder stärker gefragt.“ Dies betreffe allerdings fast ausschließlich das Bestandsimmobiliengeschäft. Neubauten würden sich nach wie vor schwertun, weshalb auch der von der „Ampel“-Regierung einst stark angestrebte (soziale) Wohnungsbau fast nicht existent sei. „Er ist nicht komplett tot“, sagt Zibell, aber das Hauptaugenmerk liege wirklich auf dem Bestand statt auf Neubauten.
Trotzdem stieg im Jahresverlauf 2024 die Nachfrage für Finanzierungen bei der Sparkasse am Niederrhein im Vergleich zum Vorjahr um 21,7 Millionen Euro auf 374,6 Millionen Euro an. Aktuell hat die Sparkasse mehr als drei Milliarden Euro an ihre privaten und gewerblichen Kunden von Moers bis Xanten ausgeliehen. Durch die eigene sorgfältige Beratung und gründliche Prüfung der Kreditvergabe habe die Sparkasse nur wenige Kunden, die ihre Kredite nicht mehr bedienen könnten. Dennoch sei auch der Niederrhein von der aktuellen Situation nicht vollständig verschont geblieben. „Die Zahl der Insolvenzen ist bundesweit hochgegangen. Auch wir sind demnach nicht mehr bei null. Aber es gibt es bei uns immer noch wenig Insolvenzen und wir hoffen, dass es sich auf diesem geringen Niveau stabilisiert“, sagt Zibell. Allerdings sei der Niederrhein von der Wirtschaftskrise der aktuell am stärksten betroffenen Branchen wie der Automobilzulieferindustrie ohnehin nicht betroffen, da es diese Firmen in der Region nicht gebe. „Wir können hier deshalb erstmalig entspannt bleiben, weil wir diese Branchen hier nicht haben“, sagt Giovanni Malaponti, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse am Niederrhein. „Auch die Immobilienkrise ist deshalb schadlos an uns vorübergegangen“, ergänzt Zibell, der die derzeitige Marktlage ohnehin nicht komplett düster bewertet: „Die niedrigen Zinsen, die wir vor ein paar Jahren über Jahre hinweg hatten, war ja auch keine Normalsituation. Es gibt natürlich derzeit wirtschaftlich schwierige Eckdaten, aber man muss auch ganz klar sagen, dass Unsicherheiten zu unserem Wirtschaftsleben einfach dazu gehören.“
Die Sparkasse am Niederrhein hat im abgelaufenen Geschäftsjahr jedoch auch gespürt, dass ihre Kunden in diesen Zeiten ihr Geld deutlich häufiger in sicheren und fest verzinslichen Geldanlagen anlegen wollten. „Insbesondere die Anlagen in unseren gut verzinsten Sparkassenbriefen sorgten für einen starken Anstieg“, berichtet Malaponti. Diese positive Entwicklung habe dafür gesorgt, dass die Kundeneinlagen um rund 170 Millionen Euro auf knapp 3,4 Milliarden Euro gestiegen seien. Der Bestand an Wertpapieranlagen habe sich gegenüber dem Vorjahr zudem um knapp 19 Millionen Euro auf 841 Millionen Euro erhöht. „Immer mehr Kunden haben Interesse, von uns zu Fonds und Wertpapieren beraten zu werden“, sagt Malaponti.
Wie schon in den Vorjahren durfte sich die Sparkasse darüber hinaus über einen deutlichen Zustrom an neuen Kunden freuen. „Allein über den Kontowechselservice kamen über 1.600 Kunden von anderen Kreditinstituten zu uns“, verrät Malaponti. Im Vergleich zum Vorjahr führte die Sparkasse am Niederrhein am Jahresende mit rund 127.700 Konten knapp 1.700 Konten mehr. „Das hat auch mit der Nachfrage und Akzeptanz bei den 18- bis 30-jährigen Kunden in unserem Geschäftsgebiet zu tun“, meint Malaponti. In dieser Altersgruppe liege der Marktanteil der Sparkasse am Niederrhein derzeit bei über 64 Prozent.
Aufgrund des demografischen Wandels setzt die Sparkasse am Niederrhein außerdem verstärkt auf den eigenen Nachwuchs. Über viele Jahre habe das Bankinstitut nur 15 neue Auszubildende eingestellt. Im vergangenen Jahr seien es 22 gewesen. „Das ist unser stärkster Azubi-Jahrgang seit langem“, freut sich Malaponti, der seine Ausbildung bei der Sparkasse in Moers im Jahr 1989 begonnen hatte. Mit der großen Zahl der Neueinstellungen liege die Sparkasse im bundesweiten Trend der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. In allen 23 Geschäftsstellen der Sparkasse in Alpen, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten sowie im Kundenservice-Center fänden Kunden nach wie vor persönliche Ansprechpartner. 560 Mitarbeiter beschäftigt die Sparkasse am Niederrhein derzeit. Dieses Niveau solle ebenso wie das des Geschäftsstellennetzes auch weiter erhalten werden, verspricht Malaponti.
Die Sparkasse am Niederrhein unterstützt zudem weiter ehrenamtliche und karikative Projekte. So erhalten die rund 900 Vereine, Verbände und Organisationen in den sechs Kommunen der Sparkasse wieder Spenden und Stiftungsmittel in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro. „Die tollen Begegnungen und Gespräche mit den Vereinsvertretern bei unseren sechs Ehrenamtsforen von Mai bis November zeigen immer wieder, wie wichtig die Arbeit der Ehrenamtlichen in unserem Geschäftsgebiet ist“, betont Zibell. Mit 3,5 Millionen Euro weist die Sparkasse einen Überschuss auf Vorjahresniveau aus.
Sabrina PetersGiovanni Malaponti (l.) und Bernd Zibell beim jüngsten Treffen der Führungskräfte der Sparkasse am Niederrhein. Foto: Sparkasse am Niederrhein