Songwriter Seán Feeny veröffentlicht vierte Single
Mit Musikvideo: „Tír Mór“ thematisiert Chance, Notwendigkeit und Trennung
KEVELAER. Der in Kevelaer geborene irische Singer-Songwriter Seán Feeny hat vor kurzem seine neue Single „Tír Mór“ veröffentlicht. Der Song ist die vierte Auskopplung aus seinem Debütalbum Galactic Tides – einer atmosphärischen Folk-Pop-Reflexion über Emigration, Erinnerung und den leisen Herzschmerz des Weggehens.
Der Titel des Songs, die irische Bezeichnung „Tír Mór“ für das „große Land“ beziehungsweise das Festland, entstand aus einer Beobachtung auf Árainn Mhór (Arranmore Island), einer Insel vor der Küste Donegals. Während eines Besuchs auf der Heimatinsel seiner Frau hörte Feeny, wie jemand, der zur Arbeit aufs Festland aufbrechen wollte, dieses ganz selbstverständlich als „Tír Mór“ bezeichnete. Dieser alltägliche Ausdruck berührte ihn tief – und wurde zur Metapher.
Für Generationen von Inselbewohnern – und für unzählige irische Familien – steht das Tír Mór für Chance, Notwendigkeit und Trennung zugleich. Es ist der Ort, zu dem Menschen für Arbeit und Zukunft aufbrechen – oft um den Preis der Distanz zu Heimat, Herkunft und Gemeinschaft.
„Tír Mór“ fängt diese Spannung mit eindringlichen Bildern von Gezeiten, Booten, unbeantworteten Briefen und dem Schmerz einer über Generationen weitergegebenen Abreise ein. Der Refrain wirkt zugleich wie Klage und Konfrontation.
Aufbauend auf den Themen seines Albums Galactic Tides – Migration, Herkunft und Zugehörigkeit – setzt Feeny seine sehr persönliche und zugleich universelle Erzählweise fort.
Während frühere Singles wie „1969“ die Widerstandskraft seiner Familie reflektierten und „Western Roads“ die Erfahrungen der irischen Diaspora würdigten, richtet „Tír Mór“ den Blick auf die emotionale Kraft, die Menschen überhaupt erst dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen.
Seán Feeny sagt dazu: „Ich erinnere mich, wie jemand sagte, er fahre zur Arbeit ins Tír Mór. Dieser Moment hat mich innehalten lassen. Es war nicht nur ein Ort – es fühlte sich wie eine Kraft an. Für viele Menschen, besonders auf Inseln, wird das Festland zu etwas Größerem als Geografie. Es steht für Chancen, aber auch für Abwesenheit. Dieser Song handelt von diesem Sog – davon, wie sich Geschichte wiederholt und wie Söhne und Töchter denselben Gezeiten folgen wie ihre Väter zuvor.“
Musikalisch verbindet „Tír Mór“ Feenys warmes Folk-Storytelling mit cineastischen Klangflächen und atmosphärischen Arrangements, die den emotionalen Rhythmus des Meeres widerspiegeln. Die wiederkehrenden Bilder von Rudern, tosenden Wellen und bröckelnden Mauern spiegeln den inneren Konflikt zwischen Bleiben und Aufbrechen – zwischen Widerstand und Resignation.
Musikvideo mit langjährigen Begleitern
Für das Musikvideo arbeitete Feeny erneut mit seinem langjährigen kreativen Partner, dem Donegal-Filmemacher Charlie Joe Doherty, zusammen. Produziert wurde die Single von Feenys Freund und langjährigem Kollaborateur Orri McBrearty, mit Laura McFadden am Cello.
Dieses Mal reiste das Team nach Toraigh (Tory Island) – eine weitere raue und geschichtsträchtige Insel vor der Küste Donegals – um die visuelle Atmosphäre des Songs einzufangen.
Gedreht vor gewaltigen Atlantikhimmeln, verwitterten Steinlandschaften und unruhiger See spiegelt das Video die Themen des Songs wider: Isolation, Ausdauer und das Echo vergangener Generationen. Die Landschaft wird selbst zu einer Figur – zugleich wunderschön und unerbittlich, verwurzelnd und vergänglich.
Feeny erklärt: „Wir wollten das Gefühl einfangen, am Rand von etwas zu stehen – physisch und emotional. Toraigh vermittelt genau dieses Gefühl. Es ist kraftvoll und ausgesetzt. Dort merkt man, wie klein man ist, aber auch, wie stark man mit denen verbunden ist, die vor einem dort standen.“
Über das gesamte Album Galactic Tides hinweg erkundet Feeny unsichtbare Kräfte – Trauer, Liebe, Herkunft und Erinnerung –, die Leben über Ozeane und Generationen hinweg prägen.
„Tír Mór“ bildet dabei den emotionalen Kern dieser Reise und stellt zentrale Fragen. Mit Zeilen wie „Will our sons and daughters get to soon return“ schlägt der Song eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft und lässt Raum für Sehnsucht ebenso wie für Hoffnung.
In Donegal verwurzelt und doch weit darüber hinaus verständlich, spricht „Tír Mór“ zu allen, die ihre Heimat aus Arbeit, Notwendigkeit oder aus Gründen verlassen haben, die sich kaum benennen lassen – und zu denen, die dieses Echo noch lange nach ihrer Ankunft spüren.
Mehr zum Künstler unter www.seanfeeny.com.
Seán Feeny hat seine vierte Single „Tír Mór“ veröffentlicht. Foto: Charlie Joe Doherty