Sommerakademie im APX: Lernen am historischen Originalschauplatz
„Grabung live“ bietet heute einen Blick in die diesjährige Sommerakademie
XANTEN. Für Anne Bastiaans (24) ist es nicht die erste Ausgrabung. „Ich habe schon mal an einer Ausgrabung in den Niederlanden, wo ich auch studiere, teilgenommen. Aber diese Ausgrabung hier ist viel spannender. Hier gibt es so viele Funde, etwa aus Keramik oder Tierknochen. Jeden Tag findet man etwas Neues“, berichtet die 24-Jährige stolz. Bastiaans ist eine von insgesamt 15 Studenten, die am ersten Teil der mittlerweile 37. Internationalen Archäologischen Sommerakademie Xanten im Archäologischen Park Xanten (APX) teilnehmen. Die zweite – ebenfalls dreiwöchige – Kampagne startet am 25. August mit 15 anderen Studenten.
Die renommierte und mittlerweile etablierte Sommerakademie bietet Archäologie-Studenten die Möglichkeit, ihre zum Teil sogar allerersten Ausgrabungserfahrungen zu machen. „Wir achten bei den Bewerbern bewusst darauf, dass sie bislang wenig bis gar keine Grabungserfahrungen haben, damit das Gefälle nicht so groß ist und alle Teilnehmer ungefähr auf einem Niveau sind“, sagt Grabungsleiter Florian Birkner, der die diesjährige Sommerakademie leitet. Das einzigartige Angebot war auch in diesem Jahr wieder sehr begehrt. Über 100 Studenten aus den verschiedenen archäologischen Fachrichtungen hatten sich für die 37. Ausgabe beworben; nur insgesamt 30 Studenten erhielten die Zusage. Der überwiegende Anteil kommt zwar aus Deutschland, in diesem Jahr sind aber auch die Niederlande, Österreich, die Schweiz, Frankreich und sogar Griechenland vertreten.
Auf dem Gelände der Römerstadt Colonia Ulpia Traiana, die vor 2.000 Jahren etwa 10.000 Einwohner umfasste, lernen die Studierenden in jeweils drei Wochen alle Facetten des Grabungshandwerks kennen. Die verschiedenen Aspekte des Grabungshandwerks reichen dabei vom Freilegen der Überreste von Wohnhäusern des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus – und körperlich anstrengenden Erdarbeiten – über das Anfertigen wissenschaftlicher Zeichnungen bis hin zum Führen des wissenschaftlichen Grabungstagebuchs. Neben dem Grabungsleiter bringen zahlreiche Experten aus den archäologischen Nachbardisziplinen dem wissenschaftlichen Nachwuchs darüber hinaus die Arbeitsfelder der modernen Archäologie näher. Die Themenfelder sind dabei vielfältig und reichen von Bodenbestimmung über Archäozoologie bis hin zur Restaurierung. Auch der Museumsbetrieb kommt nicht zu kurz: In Form von Führungen und Vorträgen erhalten die Studenten Einblicke in den Arbeitsalltag in einem Museum und seine Vermittlungsarbeit.
Die angehenden Archäologen arbeiten dabei tagsüber nicht nur mit direktem Blick auf die römischen Handwerkerhäuser und den malerischen Hafentempel, sondern schlafen nachts auch in der originalgetreu nachgebauten römischen Herberge – allerdings mit etwas mehr Komfort, als es zur Römerzeit der Fall war.
Wo sich heute im APX die Ausgrabungsflächen befinden, fand vor 2.000 Jahren das städtische Leben statt: Römische Kinder spielten auf den Straßen und Handwerker gingen in ihren Werkstätten ihrer Arbeit nach. „Da an dieser Stelle früher eine Stadt war, findet man hier vor allem Keramik oder tierische Knochen, besonders von Rindern, da die Römer hier zu 90 Prozent Rinder aßen. Es sind aber auch schon mal Überreste von einem Schwein oder Fisch dabei“, sagt Birkner. Auch Münzen seien in der Vergangenheit schon öfter gefunden worden.
Für die Studenten geht es jedoch nicht nur um spektakuläre Funde. „Hier findet man einfach total viel, und das ist sehr spannend. Ich interessiere mich sehr dafür und für Geschichte und Archäologie im Allgemeinen, weil es hilft, die Vergangenheit besser zu verstehen“, sagt Teilnehmerin Maja Gaß (20) aus Hamburg. Ein genauer Blick auf die Funde sei dabei immer sehr wichtig. „Ein Ziegel, den wir hier in dieser Woche gefunden haben, ist zum Beispiel interessant, weil er einen Stempel beinhaltet“, verrät Bastiaans. Der Fund werde daher nicht nur dokumentiert, sondern auch weiter untersucht. Wer den angehenden Archäologen selbst über die Schulter schauen möchte, kann dies bei „Grabung live“ am morgigen Samstag, 9. August, von 11 bis 17 Uhr an der Grabung neben der römischen Herberge tun. Dort darf dann auch mal ein Blick in die Fundkisten geworfen werden. Finanziert wird diese einmalige Mischung aus Theorie und Praxis von der Regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Sabrina Peters
Anne Bastiaans (l.) und Maja Gaß haben bei der Sommerakademie schon viele Funde ausgegraben. NN-Foto: Theo Leie Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten
Erik Rüssel bei der Erfassung von Funden. NN-Foto: Theo Leie Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten
Eine Fundkiste. NN-Foto: Theo Leie Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten
Die Studenten sammeln derzeit im APX ihre ersten Ausgrabungserfahrungen. NN-Foto: Theo Leie