Laura Zwar (l.) und Cornelia Wagner (r.) stellen den Jahresbericht der FBS Impuls vor. NN-Foto: CDS
31. Juli 2025 · Niederrhein

Seit 25 Jahren unverzichtbar

Frauenberatungsstelle Impuls blickt auf 2024 zurück – Beratungsbedarf ist erneut gestiegen

KREIS KLEVE. Auf ihr 25-jähriges Bestehen blickt die Frauenberatungsstelle Impuls in diesem Jahr zurück; gefeiert wird das am Gründungsdatum, dem 5. Dezember, in der Wasserburg Rindern. „Die Planungen laufen schon, aber allzu viel wollen wir noch nicht verraten“, machen Laura Zwar und Cornelia Wagner vom Impuls-Team neugierig. Auf jeden Fall werde es eine Ausstellung mit Kunstobjekten, unter anderem von Frauen, die beraten wurden, geben.

Dass auch nach 25 Jahren keineswegs auf die Arbeit der FBS Impuls, die für den ganzen Kreis Kleve zuständig ist, verzichtet werden kann, belegen die Zahlen aus dem Jahresbericht für 2024. 595 Beratungen sind da verzeichnet, 578 waren es 2023 – die Tendenz also steigend. Kleve, Goch und Emmerich führen die Tabelle der Kommunen an, hier gab es die meisten Beratungsfälle. Am häufigsten vertreten ist die Altersgruppe zwischen 26 und 40 Jahren. Beraten darf die FBS Impuls Klientinnen übrigens ab 16 Jahren, bei Präventionskursen ab 14 Jahren.

Häusliche Gewalt

„Häusliche Gewalt ist nach wie vor das große Thema unserer Arbeit“, berichtet Cornelia Wagner, „die Polizei meldet uns ihre Einsätze und wir melden uns dann proaktiv bei den Frauen zurück.“ Wenn eine Beratung gewünscht wird, geht die Arbeit der FBS weiter. Arbeit, die mit gerade einmal zwei Stellen bewältigt wird: 1,5 für allgemeine Beratung und 0,5 für die Beratung bei sexualisierter Gewalt.

Frauen, die nach einer Beratung endlich den Entschluss zur Trennung gefasst hätten, würden dann oft von gesellschaftlichen und ökonomischen Zwängen ausgebremst, wissen die Beraterinnen: „Es fehlen einfach bezahlbare Wohnungen“, so Cornelia Wagner, „welcher Vermieter gibt einer Mutter mit drei Kindern die Wohnung, wenn sie nicht weiß, wo das Geld für die Miete herkommen soll?“ Eng verbunden mit häuslicher Gewalt ist die sexualisierte Gewalt. „Der Ton in Beziehungen ist rauer geworden, Eskalationsstufen werden schneller erreicht“, hat Cornelia Wagner im Laufe der Zeit beobachtet. Und: Moderne Technik und soziale Medien machten die Überwachung der Frauen immer einfacher: „Wir haben es mehrfach erlebt, dass Klientinnen bei der Beratung ihre Handys in einen anderen Raum gelegt haben“, erzählt sie. Denn der Partner habe plötzlich Dinge gewusst, die ihm nicht erzählt worden waren – sprich er habe mitgehört, so die Befürchtung.

Anonyme Spurensicherung

Im Zusammenhang mit Gewalt- und/oder Sexualstraftaten wurde Anfang 2024 die Möglichkeit der Anonymen Spurensicherung (ASS) geschaffen. Dies hat die FBS Impuls gemeinsam mit dem St. Antonius-Hospital Kleve und der Kreispolizeibehörde umgesetzt. Die bei der Untersuchung gesicherten Spuren werden zehn Jahre aufbewahrt und geben Betroffenen die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten, auch wenn die Tat schon länger zurückliegt. Ein Flyer informiert über die Spurensicherung, die erst einmal nur im Klever Krankenhaus angeboten wird. „Die Umsetzung hat etwas gedauert“, so Cornelia Wagner, „denn die Mitarbeiter mussten dafür geschult werden.“ In Beratungen und Präventionskursen machen sie und die Kolleginnen darauf aufmerksam, wie wichtig diese Beweise sind, gerade wenn es dann doch noch zu einer Gerichtsverhandlung kommt.

Essstörungen

Weiterhin präsent in der Beratungsarbeit ist das Thema Essstörung, hier gab es in 2024 insgesamt 32 Beratungsfälle. „Die Anzahl der Beratungen ist geringer, aber die Frauen kommen dafür länger zu uns“, erzählt Laura Zwar. Der Mangel an geeigneten Therapie-Plätzen mache sich mehr als deutlich bemerkbar: „Wir müssen viel auffangen, weil es zu wenig Plätze gibt.“ Denn oft seien die Frauen noch zu gesund für einen stationären Aufenthalt, aber gleichzeitig zu krank, um „nur“ beraten zu werden. „Fehlender bezahlbarer Wohnraum und fehlende Therapieplätze machen unsere Arbeit sehr schwer“, fasst es Cornelia Wagner zusammen.

Präventation

In 2024 hat die FBS Impuls 144 Stunden Präventionsarbeit geleistet. Unter anderem Selbstsicherheitstrainings und das Programm „Say yes to yourself“ sind Bestandteile. Letzteres soll die Wahrnehmung der eigenen Körpersignale und das Setzen von Grenzen stärken. „Junge Frauen lernen, sich nicht zum Opfer machen zu lassen“, betont Cornelia Wagner. In den Präventions-Fokus gerückt ist zudem der Bereich der digitalen Gewalt. Und immer wieder ein großes Thema sind KO-Tropfen. „Impuls“ bietet Kurse für Schulen und Jugendeinrichtungen an, um über die Gefahren dieser chemischen Substanzen aufzuklären.

Aktionen

Mit Aktionen am Weltfrauentag im März (Verteilen von „Auszeit“-Tütchen) oder am Tag gegen Gewalt an Frauen im November (Verteilen von „Mutmach“-Tütchen) macht die FBS Impuls in der Öffentlichkeit auf ihre Arbeit aufmerksam. Aktuell ist jetzt im August die Veranstaltung „Heldinnen des Alltags“ auf der Wasserburg geplant. Hier werden Frauen mit ihren Kindern drei Tage lang umsorgt: Es gibt ein Programm mit Tanzworkshop, Achtsamkeits-Spaziergängen und vielem mehr – das alles kostenlos für die Teilnehmerinnen. Für ihre Arbeit ist die FBS Impuls nach wie vor auf Spenden angewiesen, auch wenn sie seit 2023 finanziell durch den Kreis Kleve unterstützt wird. Wer helfen möchte, der findet dazu weitere Informationen auf der Homepage.

Kontakt: Die Hauptaufgabe der FBS Impuls mit Sitz in Goch, Voßstraße 28, Telefon 02823/ 419171, E-Mail info@fb-impuls.de, ist die psycho-soziale Beratung von Frauen und Mädchen ab 16 Jahren sowie die Gewaltprävention ab 14 Jahren. 14-tägig finden Beratungsangebote in Emmerich, Geldern und Kleve statt. Weitere Informationen gibt es online unter www.fb-impuls.de

Laura Zwar (l.) und Cornelia Wagner (r.) stellen den Jahresbericht der FBS Impuls vor. NN-Foto: CDS