Die achte Klasse der Freien Realschule mit Urkunden für ihr Engagement. Außerdem Klassenlehrerin Veronika Brückner und Lodewijk van den Biggelaar. Foto: J.Kurschatke
12. Dezember 2023 · Wachtendonk

Schüler veranstalten Modenschau für Senioren

Freie Realschule Weitsicht und das Seniorenheim Haus Hagenland in Wachtendonk bringen Generationen zusammen

WACHTENDONK. „Du willst Zukunft? Geh mit Weitsicht“, ist das Motto der Freien Realschule aus Wachtendonk. Dabei spielt das Thema Achtsamkeit eine wichtige Rolle. Nicht nur in Bezug auf das eigene Wohlbefinden, sondern auch im Umgang mit älteren Menschen. Die Schüler der achten Klasse haben sich daher in den letzten Wochen auf verschiedenste Weise mit dem Älterwerden beschäftigt und veranstalteten viele Aktionen für und mit Senioren. Dieses Mal kamen sie zu einer Modenschau im Seniorenheim Haus Hagenland zusammen.

Es ist Montag Nachmittag. Die Jungen und Mädchen der achten Klasse der Freien Realschule Wachtendonk machen sich bereit für ihren Auftritt. Mädchen schminken sich, Jungs hüllen sich in eine Wolke von Deo – gleich soll es losgehen. Einige Bewohner des Hauses Hagenland sitzen bereits in ihrem Aufenthaltsraum und warten gespannt. Zweimal im Jahr lässt das Seniorenheim die Modenschau gemeinsam mit seinem Kooperationspartner – dem Mode-Mobil – stattfinden. Lodewijk van den Biggelaar ist Vertriebspartner für den Großraum Krefeld und Umgebung und versorgt die Senioren jeden Sommer und Winter mit neuen Kollektionen. „Der Vorteil am Mode-Mobil ist, dass wir den Senioren die Chance geben sich ihre Kleidung selbst zu kaufen. Viele sind nicht mehr dazu in der Lage eigenständig in die Stadt zu fahren. Hier können sie sich die Sachen in Ruhe aussuchen und in einem geschützten Raum anprobieren“, wie van den Biggelaar erläutert.

Normalerweise sind es dann auch die Heimbewohner, die als Modelle die neuen Modetrends vorführen, dieses Mal übernehmen diese Aufgabe die Realschüler. Erst auf den zweiten Blick fällt auf: Die Zielgruppen stimmen hier nicht ganz über ein, dem coolen Look schadet das aber nicht. Die Mädchen und Jungs tragen lässige Pullover, Schals und Cardigans in Blau und Rottönen oder leger in Schwarz sowie Hemden mit subtilem Karo-Muster.

Oberteile werden ein letztes Mal in die richtige Position gezupft, die Haare noch einmal ordentlich gekämmt. Dann ist es so weit. In Paaren laufen die Schüler selbstbewusst den „Laufsteg“ entlang. Die Senioren empfangen sie mit Wohlwollen und betrachten die zusammengestellten Outfits. Bewohnerin Katharina Buscher freut sich über die Modenschau der Schüler und zieht ein Fazit: „Es freut mich, dass die Schüler heute hier sind. Man kümmert sich gut um uns und gestaltet unsere Freizeit. So wird es nicht langweilig.“

Die Schüler betrachten ihr ungewohntes Äußeres zunächst sehr skeptisch, die Reaktionen der Älteren, stimmen sie aber positiv: „Es ist schön, dass wir den alten Menschen ein Lachen ins Gesicht zaubern können und ihnen eine Freude machen“, berichten Ashley, Maren und Linda. Jan und Jannic ergänzen: „Es macht uns glücklich, ein Teil dieser Modenschau zu sein. Vor allem, weil wir damit Abwechslung in das Seniorenheim bringen.“

Und es ist auch nicht das erste Mal, dass die Jugendlichen in den Kontakt mit älteren Menschen treten, wie Klassenlehrerin Veronika Brückner erzählt: „Wir haben uns im Unterricht intensiv darauf vorbereitet, in die Begegnung zu gehen. Dazu haben die Schüler zum Beispiel ein Rollstuhltraining absolviert und es kam ein Sozialarbeiter des Seniorenheims in die Schule, um den Kindern auch den Umgang mit Demenzpatienten zu vermitteln.“

Begleitet wurden die Senioren von den Schülern dann zum Beispiel zu den Martinszügen in Wachtendonk. Des Weiteren fanden zwei Malaktionen statt, bei der die Kinder gemeinsam mit an Demenz erkrankten Bewohnern Bilder malten, „Unser Ziel ist es, die Schüler mit Tabuthemen vertraut zu machen. Tod, Demenz, das Altern, darüber spricht niemand gern. Aber es ist ein Bestandteil des Lebens. Wie gehe ich mit erkrankten Menschen um? Und vor allem, wie gehe ich damit um, dass jemand, den ich vor Kurzem noch gesehen habe, nicht mehr weiß, wer ich bin? All das lernen sie“, erläutert Brückner weiter.

Für die Jugendlichen ist dies eine Erfahrung, mit der sie erst lernen mussten umzugehen. „Wir hatten vorher nicht wirklich Berührungspunkte mit dem Thema Demenz. Man kennt es vom Erzählen, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so extreme Auswirkungen hat“, beschreibt Schülerin Maren. Sie und ihre Klassenkameraden würden weitere solcher Projekte begrüßen, sagen sie. Heimleiterin Sarah Chassent hat dazu ebenfalls eine positive Meinung: ,,Man merkt den Respekt, den die Schüler im Umgang mit den Bewohnern haben, und die Freude der Älteren. Es ist schön, dass sich die Jugendlichen interessieren und dass diese Zusammenarbeit existiert.“

Jacqueline Kurschatke

Die achte Klasse der Freien Realschule mit Urkunden für ihr Engagement. Außerdem Klassenlehrerin Veronika Brückner und Lodewijk van den Biggelaar. Foto: J.Kurschatke