Schonende Verfahren bringen mehr Lebensqualität
Xantens Hospital informiert im Kastell über künstliche Hüften und Kniegelenke
Gerade bei der Hüfte sind die Zeiten vorbei, in denen Patienten lange ausfallen. „Die allermeisten künstlichen Hüften setzen wir heute minimalinvasiv ein. Für den Patienten hat das den Vorteil, dass wir keine Muskulatur und Sehnen verletzen und er somit sehr schnell wieder mobil und schmerzfrei ist“, erklärt Nosseir. Gleich am nächsten Tag nach der Operation könnten die Patienten wieder laufen und das Bein völlig belasten. Eine Gehhilfe sei nur zur absoluten Sicherheit notwendig. Die herkömmliche OP-Variante werde im Hüft-Bereich daher nur noch bei Patienten angewendet, bei denen eine bereits operierte Hüfte ausgetauscht werden müsse.
Anders sieht das beim künstlichen Kniegelenk aus. Hier operiert das fünfköpfige Ärzte-Team der Endoprothetik des Sankt Josef-Hospitals in Xanten ausschließlich mit der herkömmlichen OP-Variante. „Da haben wir einfach eine bessere Übersicht. Ein künstliches Kniegelenk ist schließlich etwas komplexer als eine künstliche Hüfte, bei der man nur einen Hüftkopf und eine Hüftpfanne hat“, erläutert Nosseir. Trotzdem könne auch nach der Operation eines künstlichen Kniegelenks schnell wieder eine Mobilität hergestellt werden. „Am Tag nach der OP beginnen unsere Physiotherapeuten direkt mit der Mobilisierung“, sagt Nosseir. An den fünf- bis achttägigen Krankenhausaufenthalt schließt sich dann in beiden Fällen direkt eine dreiwöchige Reha an – wahlweise stationär oder ambulant.
Mit den Implantaten ist in den meisten Fällen wieder ein normales Leben möglich. Auch Sport – egal ob Laufen, Tennis oder Golf – stellt in den allermeisten Fällen kein Problem dar. „Ich habe sogar schon Patienten gehabt, die danach wieder einen Marathon gelaufen sind. Das Einzige, was zu bedenken ist, ist, dass das Gelenk – je mehr es belastet wird – schneller verschleißen kann“, sagt Nosseir. Sein Team setzt mittlerweile je 300 künstliche Hüft- beziehungsweise Kniegelenke jährlich ein. Drei bis sechs Operationen sind es pro Tag. „Unsere jüngste Patientin war 29 mit zwei künstlichen Hüften, der Älteste 95“, sagt Nosseir.
Der häufigste Grund, warum künstliche Hüft- und Kniegelenke notwendig seien, sei eine über viele Jahre starke Belastung durch körperliche Arbeit oder (Leistungs-)Sport. „Viele Fußballer brauchen etwa recht früh ein künstliches Knie“, weiß Nosseir. Nicht bei jedem auftretenden Schmerz sei aber direkt ein Austausch notwendig. „Manchmal hilft auch schon eine konservative Therapie mit Sport und Physiotherapie“, sagt Nosseir. Heutzutage kämen Patienten allerdings sehr schnell zu einem Vorgespräch zum Arzt. „Viele haben Angst, dass sie zu spät kommen und die Erkrankung sonst zu weit fortgeschritten ist für eine Operation“, sagt Nosseir, der den frühen Gang zum Arzt zwar befürwortet, eine zu voreilige OP jedoch nicht. „Man muss wirklich den Einzelfall betrachten. Generell kann eine Operation aber die Lebensqualität erheblich verbessern, wenn sie unumgänglich ist“, meint Nosseir. Bei den heutigen schonenden Methoden bräuchten Patienten auch keine Angst vor einem solchen Routineeingriff zu haben.
Sabrina PetersDr. Olaf Nosseir ist Chefarzt der Abteilung Chirurgie am Sankt Josef-Hospital in Xanten. Foto: Olaf Ostermann