„Schnapsidee“ hilft Menschen
Aloys Werner startete in den 1980er Jahren seine Hilfsaktion in Südwest-Afrika, wo er Wasser- und Stromversorgungsanlagen baute
Am Anfang sei Werner in Deutschland allerdings sehr belächelt worden. Schwester Dominika, die bei ihm zuhause in Birten an einem denkwürdigen Tag am Tisch saß, berichtete ihm von der Situation auf der Missionsstation Dornfeld bei Gobabis, wo sie arbeitete und vor 40 Jahren 850 Kinder während der Schulzeit lebten. „Sie mussten dort mit allem versorgt werden: Schlafräume, Nahrung, Kleidung, Beschäftigung und Hygiene. Heißes Wasser für Küche und Wäscherei, geschweige denn für Duschen, gab es dort damals aber nicht“, erinnert sich Werner, „also sagte ich: man müsste da herunterfahren und mit Sonnenkollektoren eine Warmwasseraufbereitungsanlage bauen“. Die „Schnapsidee“, wie Werner sie bis heute nennt, war geboren.
Aller Skepsis von außen zum Trotz plante Werner zwei Jahre lang die Umsetzung seines Vorhabens. „Etliche Briefe und Telefonate gingen zwischen Birten und Dornfeld hin und her mit Fragen: Wie sind die räumlichen Gegebenheiten vor Ort? Wie sind die Missionsgebäude angelegt? Wo ist der beste Standort für die Anlage? Die Himmelsrichtung, der Sonneneinfallswinkel, die notwendige Leistung der Brunnen, die Stromversorgung: Das alles musste in die Vorüberlegungen miteinfließen“, erklärt Werner, der auf alle Fragen eine Antwort erhielt.
Ein Startkapital von privaten Spendern von 8.000 DM sowie Materialspenden von Firmen bildeten schließlich die Ausgangsbasis. „15.000 DM wagten wir bei unserer Anfangsplanung nicht zu überschreiten. Das entsprach etwa der Anlage von zehn Sonnenkollektoren, die in ungefähr drei Tagen 4.000 Liter heißes Wasser bereitstellen sollten“, erläutert Werner. Im Dezember 1985 wurde das Projekt schließlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Pfarrgemeinde Birten und alle Birtener Vereine sprachen sich einhellig für eine Förderung aus.
Es setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. „Wir bekamen Überweisungen aus Anlass von Gold- und Silberhochzeiten, sowie Geburtstagen, von Beerdigungen, ferner Tütchen-Aktionen zu Weihnachten, Sternsingeraktionen der katholischen Grundschule, Arbeitseinsätzen der Pfadfinder oder Liederabende des Kirchenchores“, erinnert sich der heute 92-Jährige. Allmählich wuchs das Konto auf 50.000 DM an. „Damit konnten wir unsere Anlage verdreifachen, und zwar auf 30 Sonnenkollektoren, die 5.000 Liter Wasser in ein bis zwei Tagen erwärmen. Neben Küche und Wäscherei konnten nun auch Duschräume angeschlossen werden, sodass auch für die Kinder die hygienischen Verhältnisse verbessert wurden“, sagt Werner.
Alle Materialien wurden in Birten schließlich von elf Mitgliedern des inzwischen ins Leben gerufene Einsatzteams bereits containergerecht sortiert und verpackt. Am 16. Mai 1986 wurden die rund vier Tonnen schweren Materialien in einer dreistündigen Aktion in den Container verladen. Von Bremen aus startete der Container seine Seereise nach Walfisch Bay (Namibia), von wo aus er mithilfe eines LKW über Windhoek die 600 Kilometer bis Dornfeld transportiert werden konnte.
Erste Reise – erste Hilfe
Am 26. Juli 1986 flog Aloys Werner das erste Mal selbst nach Südwestafrika. Der viele Jahre lang selbstständige Heizung- und Wasserinstallateur sowie Elektromeister baute in jenem Jahr in Dornfeld die erste Wasser- und Stromversorgungsanlage. Weitere folgten in den 40 Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in Aminuis, Döbra, Tses, Keetmanshoop, Bethlehem und Epokyro. Jede Anlage konnte größentechnisch theoretisch die Stadt Xanten versorgen. „Wir haben immer jeweils etwa 5.000 Meter Wasserversorgungsleitungen und 10.000 bis 12.000 Meter Stromleitungen verlegt“, sagt Werner. Wenn er die eine Anlage fertig hatte, sei immer bereits die nächste Region auf ihn zugekommen, dort ebenfalls so etwas zu erschaffen. „Warmes, sauberes Wasser und Strom sind dort eben nicht selbstverständlich“, sagt Werner. Besonders die Kinder, die er auf seinen insgesamt 66 Reisen nach Westafrika, die immer zwischen drei Wochen und drei Monaten dauerten, seien ihm ganz besonders ans Herz gewachsen. „Wie sie sich gefreut haben, lässt einen nicht kalt. Sie haben sogar mit mir gesungen“, berichtet Werner.
Seit etwa fünf Jahren kann Aloys Werner nicht mehr die Reisestrapazen ins etwa 12.000 Kilometer entfernte Westafrika auf sich nehmen. „Meine Beine machen das leider nicht mehr mit“, sagt Werner. Das zu akzeptieren falle ihm schwer. „Ich würde am liebsten noch viele Jahre weitermachen. Es gäbe noch so viel zu tun“, sagt Werner. Doch ganz zur Ruhe gesetzt hat sich der 92-Jährige immer noch nicht. Per WhatsApp hält er weiterhin Kontakt nach Westafrika. „Wenn dort mal etwas an der Anlage kaputtgeht, lasse ich mir Bilder oder Videos schicken und gebe von Birten aus Anweisungen, wie sie wieder repariert werden kann. Ich kenne da ja alles und mein Kopf spielt ja zum Glück immer noch gut mit“, sagt Werner. Solange dies der Fall sei, möchte er auch aus 12.000 Kilometer Entfernung weiterhin ein guter Ratgeber sein.
Mehr über Aloys Werner und sein Hilfsprojekt gibt es online unter www.aloys-werner-schnapsidee.de. Sabrina Peters
Aloys Werner mit einem Jungen bei einem seiner Besuche in Südwest-Afrika. Fotos (2): privat
Aloys Werner zuhause vor seinem Laptop, in dem er alle Erinnerungen aufbewahrt. NN-Foto: SP
Aloys Werner verlegte Kilometerlange Leitungen, um für fließend Wasser und Strom zu sorgen.