Schatten und Windschutz
Pappel-Agroforst am Richtersgut bietet Rindern Schutz vor Sonne und Wind
KRANENBURG. 159 Hybrid-Pappeln stehen seit diesem Frühjahr auf einem Teilstück einer großen Weide für die Piemonteser-Rinder am Richtersgut im niederrheinischen Kranenburg. Geplant und gepflanzt wurde der Agroforst mit Hilfe des Agroforst Reallabors der Hochschule Rhein-Waal.
Hintergrund für die Neuanlage des Agroforstsystems mit Pappeln war der Wunsch von Marie-Thres Nissing und Godehard Schnütgen vom Richtersgut, den Rindern schnellstmöglich Schatten und Windschutz zu bieten. Die Pappeln können künftig zudem als Energieholz genutzt werden und sich sinnvoll in den betrieblichen Energiekreislauf einfügen. Denn bereits heute nutzt die Hofgemeinschaft Richtersgut das Schnittgut des Pflegeschnitts, der für die Region typischen Hecken-, Weide und Schwarzerlenbestände, für die betriebseigene Hackschnitzelheizung. Als schnellwachsende, lichtliebende und stockausschlagfähige Pionierbaumart eignet sich die Pappel besonders gut für die Ziele dieser Pflanzung: Auf der Weide geben sie zügig Schatten und brechen den Wind und spenden nach etwa acht Jahren Energieholz.
Bei dem Agroforstsystem handelt es sich um einen sogenannten silvopastoralen Agroforst, bei dem Gehölze mit Tierhaltung kombiniert werden. Bei der Planung sowie für die Pflanzenauswahl und Pflanzung wurden Marie-Thres Nissing und Godehard Schnütgen von Jannis Menne, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Agroforst Reallabor der HSRW, begleitet. Ein wichtiger Partner für den fachlichen Austausch war hier zudem Michael Weitz, Lignovis GmbH. Jannis Menne hat bereits im vergangenen Jahr mit dem Gänsepeter Peter Eßer, einem weiteren Kooperationspartner des Agroforst Reallabors, ein Hybrid-Pappel-System gepflanzt. Auch im projekteigenen Agroforstsystem „Alleen 3“ stehen diese Pappelsorten. Die dort gesammelten Erfahrungen flossen in das neue Agroforstsystem am Richtersgut ein.
Agroforstsysteme werden immer den jeweiligen Randbedingungen und Zielen angepasst. So unterscheiden sich beispielsweise die Pflanzvarianten bei den drei Agroforstsystemen: Beim Gänsepeter wurde mit dem Tiefenmeißel hinter dem Traktor eine Furche auf der Ackerfläche gezogen, in die die Pappeln ohne Baumschutz gesetzt wurden. Ein Einzellochbohrer wurde für die Pflanzung der Pappeln auf der Ackerfläche von Alleen 3 genutzt. Sie wurden zudem mit unterschiedlichen Baumschutzvarianten ausgestattet. Beim Richtersgut wiederum wurden die Pappeln mit einem mitwachsenden Baumschutz auf Dauergrünland gesetzt. Die Pflanzlöcher wurden mit einem Einzellochbohrer vorbereitet.
Die 170 Zentimeter langen Pappelruten der Sorten Bio-Bakan, Bio-Vesten und Bio-Marke wurden in zwei Einzelreihen entlang bestehender Weidezäune in einem Abstand von 1,75 Meter in etwa 60 Zentimeter tiefe Pflanzlöcher gesetzt. Nach der Pflanzung wurde um jede Rute ein Pflanzvlies ausgelegt, dass mit einer circa 50 Zentimeter breiten und zehn Zentimeter starken Hackschnitzelschicht bedeckt wurde. Jannis Menne: „Wir erhoffen uns damit den Unkrautdruck zu reduzieren und den Anwuchs in den ersten Jahren zu fördern.“
Da die Gehölzreihen auf dem Richtersgut auf einer Dauergrünlandfläche angelegt wurden, war vorab zu prüfen, ob hierfür eine Genehmigung zur Umwandlung von Dauergrünland erforderlich ist. Jannis Menne erklärt: „Dauergrünland steht in NRW unter besonderem Schutz. Eine Umwandlung ist daher genehmigungspflichtig.“ Nach Prüfung artenschutzrechtlicher Belange, insbesondere möglicher Bodenbrüter, wurde die Pflanzung unter Beteiligung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve genehmigt. Um den Eingriff ins bestehende Grünland möglichst gering zu halten wurden die Pappelruten im April mithilfe eines Pflanzlochbohrers sowie vieler fleißiger Hände etwa 60 Zentimeter tief in den Boden gebracht werden.
Die bereits gesammelten Erfahrungen beim Gänsepeter zeigen, dass die Pappeln eine hervorragende Wuchsleistung haben. Jannis Menne: „Wir rechnen schon nach nur wenigen Jahren mit guten Schatten- und Windbruchleistungen. Die erste Ernte kann nach etwa sieben bis acht Jahren stattfinden, dann sollten die Pappeln einen Brusthöhendurchmesser von etwa 15 bis 20 Zentimeter haben.“
Bis es so weit ist, rückt eine andere Frage in den Fokus: Wie nah können die beiden neuen Agroforststreifen am Richtersgut durch einen gezielten Weidezaunaufbau beweidet werden, um die Pflegearbeiten der Gehölzstreifen möglichst gering zu halten? Jannis Menne erhofft sich Antworten für ein Thema, dass viele bewegt: Die Pflege von Agroforstsystemen bei gleichzeitigem Baumschutz.
Andrücken der Pappelruten im Pflanzloch. Foto: Tobias Wünscher/HSRW