Schafe im Wolfspelz
65 Kinder und 24 Erwachsene aus Griethausen waren auf Ameland
GRIETHAUSEN. Auf der niederländischen Nordseeinsel Ameland tummeln sich eine ganze Reihe von teils außergewöhnlichen, teils durchaus dort zu vermutenden Tiere. Zu den Ersteren zählen sicherlich so klangvolle Namen wie Rohrweihen, Säbelschnabler oder der im Watt lebende Bäumchenröhrenwurm. Ganz offensichtlich hingegen kann der faunainteressierte Besucher Pferde, Rehe und natürlich die typischen Schafe an, auf und um den Deichen beobachten. Seit 1968 bevölkert jedoch eine weitere, für diese Region äußerst exotische Art das friedliche Eiland: der Zug-Wolf. Wie seine bekannteren Namenscousinen, die Zugvögel, reist er jeden Sommer mit einem stattlichen Rudel Jungtiere vom beschaulichen Griethausen am Niederrhein die rund 230 Kilometer gen Norden, um 14 Tage bei allerlei Action und in harmonischer Gemeinschaft den Alltag zu vergessen.
In freier Wildbahn trifft man ihn dort am häufigsten im östlichsten Dörfchen, Buren an. Kleinere Rudel wurden allerdings auch schon im nicht weit entfernten Hauptdorf Amelands, in Nes gesichtet. Zu den übrigen zwei Dörfern (Ballum und Hollum), die weiter westlich liegen, zieht es ihn nur selten. Seinen Wolfsbau, unter Fachleuten auch Kienstrahoeve genannt, hat er in all den Jahren nicht verlassen und fühlt sich dort pudelwohl (bekanntlich stammt der Haushund vom Wolf ab, somit sei dieses Wortspiel erlaubt).
Vom 23. Juli bis 6. August fuhren 65 Kinder und 24 Erwachsene aus Griethausen und Umgebung somit zum bereits 58. Mal in ihre zweite Heimat. Bereits vier Monate zuvor hatte sich das Team während eines Vorbereitungswochenendes auf dem Fingerhutshof in Wissel ein grobes Programm sowie einen Speiseplan zusammengestellt. Ob und in welcher Form die einzelnen Programmpunkte auch tatsächlich umgesetzt werden können, hängt von mehreren Faktoren ab. Allen voran vom Wetter. Dieses sollte sich jedoch als überaus Action- kompatibel herauskristallisieren, sodass die Outdoor- Aktivitäten wie erdacht über die Bühne gehen konnten. Zwei der vielen Höhepunkte waren der Mottotag „Dschungel-Camp“, bei dem die Kinder in verschiedenen Spielen am Lager und am Wasserspielplatz „De Vleyen“ Sterne für ihre Mannschaft sammeln konnten. Besonders die Geschmacksprüfung mit nicht ganz alltäglichen Lebensmittelkombinationen sorgte für ausgiebige Schenkelklopfer. Das Zweite war der Besuch des Kletterparks, in dem nicht nur Höhenangst überwunden, sondern auch Ausdauer und Geschicklichkeit auf die Probe gestellt wurden. Parallel konnten sich die Teilnehmenden am Stand-up-Paddling auf dem gegenüberliegenden See probieren. Bei strahlendem Sonnenschein eine feucht-fröhliche Angelegenheit. Weitere Aktionen in der Natur: Kutterfahrt, Strandgänge, Freibadbesuch, Waldspiele, Spiele- Rallyes, Völkerball, Fußball und 1, 2, oder 3 XXL.
Wo es ein draußen gibt, da ist ein drinnen nicht weit. Und da der Kienstrahoeve über einen äußerst geräumigen Aufenthaltsraum (gleichzeitig auch Mensa) verfügt, wurden auch dort wieder etliche Programmpunkte zur ausgelassenen Freude aller Beteiligten abgehalten: ein Kinoabend, eine Schwarzlicht-Disco, ein Single-Abend, ein Casino-Abend, ein Bingo-Nachmittag, zwei Silent Disco-Abende und ein Gottesdienst unter der Leitung von Christel Winkels, Pastoralreferentin der Katholischen Pfarrgemeinde St. Willibrord Kleve. Außerdem durfte die viel umjubelte Schwimm-Disco im ortseigenen Hallenbad nicht fehlen. An dieser Stelle ist ein großes Dankeschön an alle Sponsoren passend, ohne die viele der genannten Highlights nur schwer oder nicht zu realisieren wären.
Die 14 Tage vergingen, wie so oft in einem Ferienlager, wie im berühmten Fluge. Für die Kinder waren es unvergessliche Erlebnisse und unvergleichliche Erfahrungen, die Kinder nur in großer Gemeinschaft, in Zutrauen in ihr eigenständiges Handeln und in gegenseitiger Kooperation erfahren können. Davon konnte sich auch der Bürgermeister der Stadt Kleve, Markus Dahmen, überzeugen, der sich einen Besuch des Rudels nicht nehmen ließ. Für das Team um Leitwolf Sascha Merling gingen zwei durchaus herausfordernde und auch anstrengende Wochen zu Ende. Urlaub ist es nur bedingt. Die Vorbereitungen für das kommende Jahr haben bereits begonnen.
Und eines ist gewiss: Leuchtende Kinderaugen zeugen nicht nur von hervorragender Arbeit aller Beteiligten und sind der einzig wahre Lohn, sondern strahlen auch für alle sichtbar: diese wilden Tiere sind glücklich, handzahm und nur friedliebende Schafe im Wolfspelz.
Lagerleitung und Team waren mit 65 Kindern unterwegs. Foto: Amelandlager Griethausen