Rente dem „Härtegrad der Arbeit“ anpassen: Nur 210 Bauarbeiter im Kreis Kleve sind über 63
Heimische Bundestagsabgeordnete sollen „Renten-Rückgrat“ zeigen
KREIS KLEVE. Wenn der Job längst zu hart und die Rente noch zu weit weg ist: Von den rund 3.730 Bauarbeitern im Kreis Kleve sind nach aktuellen Angaben der Arbeitsagentur gerade einmal rund 210 Beschäftigte älter als 63 Jahre. „Ob Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer: Sie machen harte körperliche Arbeit. Und das bei Wind und Wetter – bei Hitze und Frost“, sagt Karina Pfau, Vorsitzende der IG BAU Duisburg-Niederrhein, und sieht dabei eine kritische Altersgrenze: „Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, so Karina Pfau.
Für die IG BAU Duisburg-Niederrhein ist klar: „Es schafft kaum einer, auf dem Bau bis 67 zu arbeiten. Wenn es demnächst dann noch länger gehen soll: keine Chance“, so Karina Pfau. Die Gewerkschafterin kritisiert damit die Pläne der Rentenkommission, die die Bundesregierung umsetzen will. „Was dabei fehlt, ist die Flexi-Rente. Also die Chance auf vernünftige Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand für alle Branchen, in denen Beschäftigte durch ihren Job gesundheitlich einfach früher am Ende sind. Eine faire Rente muss unbedingt dem ‚Härtegrad der Arbeit‘, die geleistet wird, angepasst werden“, sagt Karina Pfau und fordert für die Betroffenen einen „Expresszugang in den regulären Ruhestand“. Das gelte für die Baubranche, aber auch für die Land- und Forstwirtschaft, die Gebäudereinigung, den Garten- und Landschaftsbau. An die heimischen Bundestagsabgeordneten im Kreis Kleve und der Region appelliert die IG BAU Duisburg-Niederrhein, „Renten-Rückgrat“ zu zeigen und die Pläne der Bundesregierung „dringend zu korrigieren“. Andernfalls würden viele Berufe, in denen hart gearbeitet werde, mehr und mehr an Attraktivität verlieren.
Ein weiterer Kritikpunkt der Gewerkschaft: Das Abschaffen der Rente mit 63. „Das wäre gerade für viele Baby-Boomer ein Schlag ins Gesicht. Es macht ihnen nämlich einen dicken Strich durch ihre Lebensplanung“, sagt Karina Pfau. Betroffen davon seien viele: Im Kreis Kleve gibt es 52.700 Baby-Boomer, die in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen werden, so die IG BAU Duisburg-Niederrhein. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts. Die Chefin der IG BAU Duisburg-Niederrhein warnt, die geburtenstarken Jahrgänge nicht zu enttäuschen: „Immerhin haben viele Boomer ihre Beitragsjahre für die Rente voll. Sie haben 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und damit eine enorm lange Zeit ihres Lebens gearbeitet. Ihnen jetzt – gewissermaßen kurz vor knapp – die Rente mit 63 vor der Nase wegzuschnappen, das geht nicht. Das kostet politisches Vertrauen – und Vertrauen in den Staat“, ist Karina Pfau überzeugt. Im Fokus der Kritik der IG BAU Duisburg-Niederrhein steht auch das Rentenniveau. Dabei gehe es um einen weiteren wichtigen Punkt von den 33 Vorschlägen, den die Rentenkommission vorgelegt hat: Es fehle eine garantierte Haltelinie beim Rentenniveau. Hierauf baue vor allem die kommende Rentner-Generation: „Der Staat darf den Baby-Boomern ab 2031 kein Absenken des Rentenniveaus unter 48 Prozent zumuten. Auch hier muss die Rentenpolitik Verantwortung zeigen: Rente ist politische Vertrauenssache“, so Karina Pfau.
Die Bundesregierung müsse dringend klarstellen, dass es keinen Einbruch beim Rentenniveau gebe – auch nicht beim Übergang zur kapitalgedeckten Zusatzrente. „Grundsätzlich muss das Rentenniveau dann schnell wieder auf mindestens 53 Prozent kommen“, sagt IG BAU-Bezirkschefin Karina Pfau. Auch hierfür sollen sich, so die Forderung der IG BAU Duisburg-Niederrhein, die heimischen Bundestagsabgeordneten in ihren Fraktionen in Berlin jetzt stark machen.
Auf Dauer nicht zu machen: Das Schleppen von Säcken. Gerade Ältere stoßen bei schwerer körperlicher Arbeit wie auf dem Bau an ihre Grenzen. Foto: IG BAU/Alireza Khalili