"Seifenkistenrennen am Eltenberg, Fahrer in action mit 55 km/h Geschwindigkeit, aufgenommen von Gerhard Seybert"
26. Juni 2026 · Emmerich

Renn-Action am Eltenberg

11. Auflage des Eltener Seifenkistenspektakel steigt am 3. und 4. Juli. Udo Wittenhorst vom Orga-Team im Interview.

ELTEN. Nach einem Jahr Pause geht es am Eltenberg wieder rund – oder vielmehr bergab. Denn am Freitag, 3., und Samstag, 4. Juli, findet das 11. Eltener Seifenkistenspektakel statt, veranstaltet vom THW Emmerich und Freunden. Dabei gehen die Piloten in ihren Rennkisten auf der Lindenallee auf Zeiten- und letztlich Podiumsplätze-Jagd. Im Vorfeld spricht Udo Wittenhorst vom Orga-Team im NN-Interview unter anderem über die „Auszeit“ im vergangenen Jahr, über das anstehende Event und seinen besonderen Charakter.

Herr Wittenhorst, das Seifenkistenspektakel in Elten feiert nach einjähriger Pause sein „Comeback“. Weshalb kam es zu dieser Auszeit?

Udo Wittenhorst: Das Technische Hilfswerk Emmerich als Ausrichter war aufgrund verschiedener Übungen und anderer Sachverhalte an den Wochenenden, an denen das Seifenkistenrennen hätte stattfinden können, stark eingebunden. Wären sie dann zum Einsatz gerufen worden, hätte die Veranstaltung in Elten nicht mehr funktioniert. Aus diesem Grund mussten wir schmerzlich das Seifenkistenrennen absagen. Es hat uns sehr leidgetan, denn wir wissen: Wenn da keine Kontinuität drinbleibt und zwei Jahre lang eine Seifenkiste in der Garage im Weg steht, sagt der eine oder andere: Okay, ich tue sie weg, ich verkaufe oder verschrotte sie.

Geht das tatsächlich so schnell?

Wittenhorst: Wir merken es gerade schon – die Leute sind weniger euphorisch. Nicht nach dem Motto: Jetzt haben wir ein Jahr mehr Zeit, um eine Seifenkiste zu bauen. Vielmehr ist das Gegenteil eingetreten, die Leute haben gesagt: Letztes Jahr war nicht, und wir wussten ja auch nicht, ob es überhaupt weitergeht. Deshalb sind wir derzeit bei den Anmeldezahlen noch unter denen der vergangenen Jahre. Wir wissen aber auch, dass kurz vorher noch einmal eine Dynamik reinkommt und viele sagen: Wir haben uns noch gar nicht angemeldet, wir machen aber mit. Deshalb sind wir guter Hoffnung, dass wir zum Rennen wieder ein stabiles Teilnehmerfeld haben.

„Wir können auch Seifenkisten vermitteln“

Und wer keine Seifenkiste hat oder sie mittlerweile abgegeben hat?

Wittenhorst: Dann kann man sich gerne bei uns melden. Wir haben grundsätzlich die Möglichkeit zu vermitteln. Außerdem bekommt man bei eBay Kleinanzeigen wunderbare Seifenkisten, die schon fertig sind, für überschaubares Geld. Wer also nicht die Möglichkeit hat, eine Kiste selbst zu bauen, aber trotzdem mitfahren möchten, sollte sich auf den gängigen Plattformen einfach mal schlau machen oder uns als Orga-Team ansprechen. Wir haben auch die Möglichkeit, eine Kiste zu verleihen.

"Robuste Seifenkiste beim Elten-Rennen, schnell in Aktion auf der Strecke"

Schneller, aber auch robust müssen die Seifenkisten für das Rennen in Elten sein. Foto: Gerhard Seybert

Bei Teilnehmern ist die Euphorie – noch – gedämpft. Wie sieht es denn auf Seiten der Veranstalter aus?

Wittenhorst: Natürlich hat uns im vergangenen Jahr etwas gefehlt, als wir das Seifenkistenspektakel schweren Herzens absagen mussten. Von daher: Ja, die Euphorie bei uns als Veranstalter ist groß. Für uns ist es einfach ein tolles Event, an dem wir auch selbst Spaß haben. Es ist ja nicht nur Arbeit, sondern wir finden es auch gesellig, wenn man am Berg ist und mit den Leuten spricht. Es ist mittlerweile eine richtige Community geworden, die sich einmal im Jahr trifft. Denn wir haben auch Seifenkistenrennen-Fahrer, die von auswärts kommen. Zum Beispiel eine niederländische Truppe, die jedes Jahr nach Elten kommt, die man aber auch nur dort trifft. Es läuft total harmonisch und freundschaftlich ab, es gab noch nie Ärger – das ist einfach wunderbar.

Freitagabend am Eltenberg ist immer „ein Erlebnis“

Hat sich der Freitag mit Freiem Training, Elten-Pokal und After-Race-Party im Laufe der Jahre zum Haupttag entwickelt?

Wittenhorst: Das kann man auf jeden Fall so sagen. Selbst wenn man kein Seifenkistenrennen-Begeisterter ist, aber Musikliebhaber, kann man bei gutem Wetter am englischen Hügel ins Rheintal schauen, bei guter Musik Leute treffen und gemeinsam feiern. Mit „Blinded Ways“ und „Sirjana“ haben wir zwei tolle Live-Bands, die in der Region bekannt sind. Der Freitag ist ein Event, zu dem viele Leute kommen und sagen: Mensch, da treffe ich den und den mal wieder. Bei einem kühlen Bier, schönem Wetter, guter Musik und etwas zu essen am Hang den Abend genießen, das ist schon ein Erlebnis.

"Seifenkistenrennen in Elten mit begeisterten Zuschauern"

Augen auf beim Seifenkistenspektakel in Elten. Foto: Gerhard Seybert

Sportlich steht am Freitag der Elten-Pokal im Mittelpunkt. Wird er in verschiedene Klassen ausgetragen, ähnlich wie der Großen Preis von Elten am Samstag?

Wittenhorst: Nein. Diese Veranstaltung ist quasi ein Freies Training, ein Warm-up. Jeder kann so oft fahren, wie er will. Wir prüfen auch unsere Zeitnahme-Technik, nehmen dabei einfach nur die Zeiten. Wir werden sie auch nicht veröffentlichen, sondern halten sie intern, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Wichtiger ist für die Teilnehmer, ein Gefühl für die Strecke zu bekommen. Wir sprechen ja auch von Endgeschwindigkeiten von 50 bis 55 km/h im Ziel. Und es gibt am Freitag noch die TÜV-Abnahme, die ebenfalls sehr wichtig ist. Jeder Teilnehmer erhält dabei eine TÜV-Plakette, so dass wir auf jeden Fall die Gewissheit haben, dass die Kiste technisch einwandfrei ist und sicher den Berg runterkommt.

Samstag beim Großen Preis wird dann in verschiedenen Klassen gefahren.

Wittenhorst: Genau – da haben wir einmal den Ladies-Cup, den Junior-Cup und das Hauptrennen. Die schnellsten Acht aus allen drei Klassen machen dann noch untereinander den Highspeed-Cup aus. Und am allerwichtigsten ist natürlich der Kreativpreis: Das THW kreiert einen eigenen Pokal für die kreativste Kiste. Zudem schauen sich die Jungs vom THW, die – wie ich ihnen einfach mal unterstelle – hohen technischen Sachverstand besitzen, die selbstgebauten Kisten an und vergeben noch einen Technikpreis.

Kurven, Kopfsteinpflaster und die Suche nach der Balance

Stichwort Technik: Die hat sich beim Eltener Seifenkistenspektakel ständig weiterentwickelt.

Wittenhorst: Das stimmt. Um beispielsweise Zeiten und Bilder in Echtzeit auf die Bildschirme im Start- und Zielbereich zu bringen, müssen ganze Netzwerke eingerichtet werden. Zum Glück haben wir haben ja die Spezialisten beim THW. Früher haben wir mit Stoppuhren gearbeitet. Inzwischen geht das mit Lichtschranken, und wir berücksichtigen auch, dass die äußere Bahn durch die Kurve etwas länger ist – dafür kommt der Zieleinlauf etwas früher.

"Teams im Fahrerlager bei Kistenrennen, arbeiten an Fahrzeugen, tauschen sich aus und holen TÜV-Plakette ab"

Im Fahrerlager tauschen sich die Teams aus, schrauben an ihren Kisten und holen sich die TÜV-Plakette ab. Foto: Gerhard Seybert

Was macht aus Ihrer Sicht den Reiz der Veranstaltung in Elten aus?

Wittenhorst: Die meisten Seifenkistenrennen haben einfach eine gerade asphaltierte Strecke, die man runterfährt. Bei uns geht es in Kurven über Kopfsteinpflaster die Lindenallee runter. Dadurch würden Hightech-Kisten, die bei anderen Seifenkistenrennen gewinnen, in Elten wahrscheinlich nicht gewinnen, weil sie viel zu filigran sind. Mit ihren dünnen, hart aufgepumpten Reifen können sie mit dem Kopfsteinpflaster gar nicht umgehen. Bei uns muss man eine gewisse Balance finden, dass die Kisten schnell, aber auch robust sind.

Wie sehr bewegt das Spektakel ganz Elten?

Wittenhorst: Wir werden sehr unterstützt. Viele Vereine, Schützenzüge, auch die IWE helfen mit. Unser Ortsvorsteher Guido Heuvelmann hat mich beispielsweise schon angerufen und gesagt, dass er sich an die Kasse setzt. Diese gute Verzweigung ist absolut „Elten-like“.

Was ist Ihr größter Wunsch für das Seifenkistenspektakel?

Wittenhorst: Vor allen Dingen, dass alle Teilnehmer wieder sicher und gesund im Ziel ankommen.

Das Programm beim 11. Eltener Seifenkistenspektakel

Freitag, 3. Juli: ab 16 Uhr TÜV-Abnahme, ab 18 Uhr Freies Training und Elten-Pokal, ab 20 Uhr After-Race-Party mit Live-Musik von „Blinded Ways“ und „Sirjana“

Samstag, 4. Juli: ab 10 Uhr TÜV-Abnahme, 10.30 Uhr Fahrerparade, im Anschluss Großer Preis von Elten, inklusive Highspeed-Cup

An beiden Tagen: Fahrerlager, Pit-Stop, Bobby-Car-Racing, Grill-/Getränkestand, Kuchentheke

Weitere Infos, Reglement und Anmeldung: www.seifenkistenspektakel.de

Mit bis zu 55 km/h rasen die Seifenkistenpiloten den Eltenberg hinab. NN-Foto: Gerhard Seybert