Zwei Klassen, ein König und ein Schulhung. Robin Mentink (unter den Urkundenhaltern der 3. von links) wurde Lesekönig.NN-Fotos: HF
13. März 2024 · Kranenburg

Regen, Schulhund, Leselaune

An der Christophorus Grundschule in Kranenburg wurde Robin Mentink (Klasse 3a) Lesekönig

KRANENBURG. Anu ist bei bester Laune. Genau das Richtige an einem regentrüben Niederrheinmittwochmorgen. Ach ja: Anu ist der Schulhund der Christophorus Grundschule in Kranenburg. Genau die Sorte Hund, die man am liebsten gleich mitnähme. Aber heute geht es ja ums Lesen. Genauer gesagt: ums Vorlesen.

Noch ist alles ruhig im Vorleserund. Leere Stühle und Bänke für das später anrückende Publikum. Für die Jury stehen Plätzchen und Kaffee auf den Tischen. Und bitte keine Leckerli für Anu. Zu spät ... Jetzt also mal zum Eigentlichen. Sechs Nachwuchs-Lektoren treten an: Robin Mentink, Annie Verhoeven, Nazya Tara Önder, Emil Bernstein („Eine Name wie aus einer Novelle“, bemerkt die Jurykollegin), Alexander Krenzel und Niklas Lippe treten an, den Lesekönig zu ermitteln. Natürlich kanns auch eine Königin werden. Gewinner sind die sechs Kandidaten schon jetzt, denn sie haben es in die „Schulklassen-Endrunde“ (Klasse 3) geschafft.

Jetzt laufen sie ein – zusammen mit ihrem Klassenpublikum, das sich als klasse Publikum erweisen wird: unparteiisch, begeisterungsfähig und -willig, konzentriert und mit „Spass anne Freud“. Nun denn: Let the games begin. Lasst die Spiele beginnen. Eine Vorleser-Reihenfolge ist festgelegt. Die Gladiatoren werden stürmisch begrüßt. So soll es sein. Was jetzt kommt ist reine Nervensache. Robin liest aus Mark-Uwe Klings „Das Klugescheisserchen“ – und wo wir gerade so schön beim Klugsch ... sind: schreibt man das nicht mit ß statt mit ss? Auf dem Buchtitel steht alles in Großbuchstaben. Okay. Bei der Übersetzung ins „Kleingedruckte“ dann der Fehler: Da müsste doch aus dem SS ein ß werden. Schon ist man mitten im Thema. Aber das ist eine andere Geschichte. Annie liest aus Jenni Jennings „Willkommen bei Familie Fies“. Emil – der Junge mit dem Novellennamen – liest wieder aus dem „Kling“. Alexander stellt Rüdiger Bertrams „Bookmän – alles Konfetti“ vor. Und dann wäre da noch der Auszug aus Markus Orths‘ „Crazy Family – Die Hackebarts räumen ab“.

Die sechs Angetretenen sind Vorlesevirtuosen. Da sitzt man und wird zum Kleinigkeitenjäger: Lesetechnik, Textgestaltung und Textverständnis sollen bewertet werden. Mannomann. Da gibt es dann halt ein paar Nuancen. Die Punkte: Einer bis fünf dürfen pro Kategorie vergeben werden. Irgendwie nehmen sie einen alle mit in ihren Text. Irgendwie werden sie alle zum Literaturschaufensterdekorateur und mit jedem gelesenen Satz fällt Spannung ab. Zwischendrin: Immer mal kurz die Jury anschauen. Am Ende: Applaus von den Rängen und Lektorengesichter, die Erleichterung ausstrahlen. Und Stolz. Geschafft. Am schönsten ist es, wenn‘s vorbei ist. Die Juryvorsitzende sagt am Ende, dass man gern noch stundenlang weiter zuhören würde. „Aber jetzt brauchen wir ein bisschen Ruhe, um uns mit der Bewertung zu befassen.“ Die Ränge leeren sich. Raus geht‘s – auf den Schulhof. Auch Helden wollen spielen. Anu geht mit. Während der Vorträge lag Anu bravstens aus dem Boden. Die meiste Zeit jedenfalls. Perfektes Zuhören auf vier Pfoten.

Nach zehn Minuten kann die Vorsitzende („Ich bin die Sigrun von der Buchhandlung Hintzen“) mit der Schreibarbeit beginnen. Natürlich bekommen die sechs Helden eine Urkunde. Wie schon geschrieben: Gewinner sind sie alle schon jetzt. Aber der Wettbewerbsgedanke schwebt über allem. Zu vergeben wären: ein erster, zweiter und dritter Preis.

Zunächst kommen die Ränge vier bis sechs: Nazya Tara Önder, Annie Verhoeven (Ladies first) und Niklas Lippe. Dann steigt die Spannung: „Auf dem dritten Platz ist der Emil“, sagt die Sigrun. Emil kommt nach vorn. „Auf dem zweiten Platz haben wir den Alexander.“ Applaus, Applaus. „Und dann könnt ihr euch ja denken, wer gewonnen hat. Genau – der Robin.“ Der Robin kommt nach vorn und wenn man sieht, wie stolz er ist, müsste man ihn fast schon Oskar nennen. Die Sechs strahlen um die Wette. Da braucht es die Sonne nicht. „Und jetzt machen wir noch ein Foto von euch allen. Das kommt dann in die Zeitung“, sagt die Sigrun. Wird gemacht. „Alle mal jubeln.“ Klick macht die Kamera. „Das habe ich schon besser erlebt“, sagt der Fotograf. Jubeln, die Zweite. Beim dritten Mal ist der Knipser zufrieden. „Geht doch.“ (Am Ende wird’s dann doch das Bild ohne Jubel, aber mit Hund. Glückwunsch noch mal. An alle. Wir sehen uns im nächsten Jahr. Heiner Frost
Von wegen Leseratte.Anu ist Schulhund – der Literatur gegenüber aufgeschlossen.

Von wegen Leseratte.Anu ist Schulhund – der Literatur gegenüber aufgeschlossen. Foto: Heiner Frost

Zwei Klassen, ein König und ein Schulhung. Robin Mentink (unter den Urkundenhaltern der 3. von links) wurde Lesekönig.NN-Fotos: HF