Rees: Mehr als 60 Gigabyte Geschichte fürs Stadtarchiv
Heimathistoriker Norbert Behrendt hat digitale Sammlungen übergeben
„Das ist ein wertvolles Stück Heimat-Geschichte, mit der wir weiterarbeiten und die wir als Grundlage für kommende Generationen nutzen können. Wir sind Herrn Behrendt sehr dankbar, für diese wertvollen Daten“, beschreibt Bürgermeister Sebastian Hense den digitalen Nachlass – der erste in dieser Form überhaupt für die Stadt. „Bisher haben wir historische Dokumentationen in dieser Größenordnung für das Stadtarchiv nur in analoger Form, also auf Papier, bekommen“, erläutert Reeser Stadtarchivarin Tina Oostendorp. Die zeitaufwendige Digitalisierung falle in diesem Falle logischerweise weg.
Auf dem USB-Stick sind Geschichten aus Millingen und den Dörfern in der Hetter von Bauern, Handwerkern, Handelsleuten sowie aus dem Kriegsalltag. Darüber hinaus hat er für den Heimatverein Millingen-Empel historische Erkundungstouren zusammengestellt. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Rees hat Behrendt die wichtigen, aus persönlichem Erleben geschriebenen Kriegstagebücher und Feldpostbriefe vom Millinger Rektor Quirmbach und seinem Sohn bearbeitet, kommentiert und als Buch veröffentlicht.
Dieses breit gefächerte Wissen und weitere Erforschungen zu Millingen im Mittelalter und der frühen Neuzeit hat Behrendt recherchiert, aufgearbeitet und abgespeichert. Damit dieses vielfältige Wissen nicht verloren geht, hat er es schon jetzt dem Stadtarchiv Rees vermacht. Behrendt sagt dazu: „Ich habe viele Erkenntnisse, Hinweise und Spuren zur Millinger Heimatgeschichte gesammelt. So haben künftige Heimatforscher eine Grundlage für weitere interessante Geschichtserkundigungen.“ Die gilt es jetzt weiter zu bearbeiten. Darum kümmert sich Stadtarchivarin Tina Oostendorp: „Mit diesem Nachlass können wir einen weiteren Bereich der Stadtgeschichte im Reeser Archiv verwahren.“
Norbert Behrendt (Jahrgang 1935) hat selbst eine bewegende Geschichte hinter sich. Geboren wurde er in Groß Zirkwitz im damaligen Danzig-Westpreußen. Sein Vater starb in russischer Kriegsgefangenschaft. Als Deutsche kam seine Mutter in den Nachkriegsjahren unter russisch-polnischer Verwaltung ins Gefängnis und Norbert Behrendt sowie seine Geschwister bei Pflegeeltern unter. Nach sieben Monaten gelang der Mutter die Flucht aus der Gefangenschaft. Mit gefälschten Papieren und den Kindern zog sie nach Ostwestfalen in West-Deutschland. Hier startete Behrendt seine Ausbildung als Gießer. Sein beruflicher Weg führte ihn bis zum Gesamtbetriebsleiter der Gießerei der Isselburger Hütte und in seine jetzige Heimat in Millingen am Niederrhein.
Kleiner Stick mit wertvollem Inhalt der Heimathistorie: (v.li.) Tina Oostendorp, Gudrun Schröder-Jordan mit ihrem Vater und Heimatforscher Norbert Behrendt sowie Sebastian Hense. Foto: Stadt Rees