Punk für Jedermann
Das „Punk meets People“-Festival geht am 3. und 4. Mai in die nächste Runde / NN verlosen 3 x 2 Tickets
Von Anfang an dabei ist Stefan Börgers. Mit zum damaligen Zeitpunkt rund zehnjähriger Banderfahrung entschloss er sich 2008 dazu, in seiner Heimat Haldern für mehr Konzerte zu sorgen. „Die Idee war, auf dem Land ein Netzwerk zu schaffen, über das man sich unterstützen kann und mehr Möglichkeiten hat, live zu spielen.“ Ziel sei gewesen, für andere junge Menschen Anreize zu schaffen, Musik zu spielen.
Mit einigen Bands im Schlepptau war der Anfang schnell gemacht. Mehr noch: In den Jahren darauf wuchs das Netzwerk immer weiter an. Erst die Coronapandemie zwang zu einem Halt. „Hierdurch hat sich in der Branche viel verändert“, sagt Börgers auch mit Blick auf Festivals. Vor allem die gestiegenen Kosten hätten vielen von ihnen den Stecker gezogen.
Mit Liebe zum Festival
Anders beim PMP-Festival, das 2022 sogar erst an den Start ging. Dass es in dieser schweren Zeit überhaupt Wurzeln schlagen konnte, dürfte zu einem bedeutenden Teil an seinem Konzept liegen: „Die Geschichte lebt von ihrem ‚Do it yourself‘-Faktor. Er ist das Herzstück unseres Vereins.“ Von der Technik über die Bühne – „damals noch mit Paletten gebaut“ – bis zur Gastronomie: All das geschieht auf Basis von Ehrenamtlichkeit und dem Spaß an der Sache, aber immer mit Blick auf die „Work-Life-Balance“ und damit die Zufriedenheit der vielen Helfer. Schließlich sollen auch sie etwas von ihrem Festival haben: Für ihre Hilfe bekommen sie freien Eintritt und Getränke gestellt.
Börgers ist überzeugt: „Geht man zum Bierstand, merkt man, ob der Mitarbeiter einem das Bier verkauft, weil er Geld dafür bekommt oder ob er es für die Sache tut.“ Die Liebe zum Festival schlage sich auch in der herzlichen Atmosphäre hinter der Bühne nieder. „Die Bands wissen das zu schätzen“, erzählt er.
60 Köpfe umspannt das Team derzeit, davon sind 22 auch Mitglieder bei PMP – seit 2020 eingetragener Verein. Einige der Helfer bringen einen (semi)professionellen Hintergrund und entsprechendes Know-How mit: Mit so viel tatkräftiger Hilfe im Rücken gelinge es laut Stefan Börgers, immer wieder Neues umzusetzen. Und sei es nur ein attraktiveres Gelände, indem etwa die Stände neue Schilder spendiert bekommen. Auf diese Weise sei damals aber auch der Schritt hin zu einer größeren Bühne möglich gewesen. Dieses Jahr soll die „PMP-Cashcard“ dazustoßen, mit der sich auf Wunsch bargeldlos bezahlen lassen wird.
Das letzte Mal Heideplatz
Am Freitag und Samstag, 3. und 4. Mai, findet das Festival zum dritten und vermutlich letzten Mal am Heideplatz statt. Wohin es 2025 gehen wird, das lasst er allerdings noch offen. Knackpunkt sei laut Stefan Börgers das Wetter, ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Festivals: Das sei zwar bislang immer gut gewesen, aber das Glück halte auch nicht ewig an, ist er sich sicher. Angesichts der jetzigen Größenordnung sagt er: „Wenn da nicht alles zusammenpasst, dann wird eine Wiederholung schwer.“ Dem Team sei es zudem wichtig, den Besuchern das gewohnte Erlebnis weiterhin zu einem günstigen Kurs anzubieten.
Das Lineup präsentiert sich gewohnt vielversprechend: Wie man es aus den Vorjahren kennt, geben sich wieder lokale Bands und etablierte Gruppen die Gitarre in die Hand, Newcomer treffen auf alte Hasen. Auch mit diesem Ansatz möchte man dem Hobby Musik neue Impulse verleihen und Anreize schaffen. In diesem Sinne hatte sich den „Tagen der Musik“ in Rees letztes Jahr auch ein Bandcontest angeschlossen – eine Zusammenarbeit von PMP und der Stadt Rees. Das hallt auch 2024 noch nach, denn der zweite Gewinner darf sich dieses Jahr auf seinen ersten Festival-Auftritt freuen.
Passend zum Konzept des Festivals ist der Eintritt am Festival-Freitag frei: Dann können alle, die Lust haben, ganz unverbindlich vorbeischauen. Weil es auf dem Dorf natürlich nicht nur Punk-Fans gibt, sondern von der Jugend bis zum Fußballtrainer weitaus mehr Gruppen vertreten sind, legt man beim PMP-Festival Wert auf eine große Bandbreite an Stilrichtungen und Bands: Angefangen beim Punk geht es über Rock und Ska bis hin zu Stoner. „Das Festival soll zwar der Szene entsprechen, aber nicht nur etwas für die Insider sein. Fast alle Sachen sind tanzbar und eingängig“, erläutert Stefan Börgers. Von Vorteil sei es, dass die heutige Jugend viel offener sei als früher. „Sie schaut in alle Musikrichtungen“, ist er überzeugt. Auch das Haldern Pop lobt er für seine Vorarbeit bei der Offenheit aller Altersgruppen gegenüber Musik.
15 Bands bestätigt
Insgesamt 15 Bands sind für Mai bestätigt. Viele davon kommen aus der Region, aber keinesfalls ausschließlich. Auch Gäste aus Städten wie Hamburg oder Ländern wie England, Italien oder der italienischen Schweiz werden am Niederrhein erwartet. Freuen darf man sich unter anderem auf Faintest Idea, Skassapunka, Angry Youth Elite und Captain Asshole. Selbst an die kleinen Musikfans ist gedacht: Jonny Karacho sorgt für den altersgerechten Zugang zum Festival. Einer der Headliner wird „Engst“ aus Berlin sein, für Börgers ein „großer Glücksgriff“. Der zweite Headliner bleibt allerdings noch ein Geheimnis, das erst am 1. Mai gelüftet wird.
Zwar steht der Spaß klar im Vordergrund, in Haldern ist man punk-typisch aber auch ein bisschen politisch: Dabei gehe es vor allem darum, antifaschistische Gedanken weiterzutragen. „Solche Themen sind gerade in der aktuellen Zeit wichtig“, erklärt Börgers.
Wer Lust hat, sich im Vorfeld ein Bild zu machen oder einfach nur die Zeit bis zum Festival überbrücken möchte, kann sich schon jetzt ein wenig „warmhören“: mit der PMP-Playlist auf Spotify. Auch wer sich als Band für das Festival in 2025 oder das PMP-Weihnachtskonzert bewerben möchte, kann das bereits per E-Mail tun. Alle Infos und Tickets für 30 Euro gibt es unter pmp-shows.de oder festival.pmp-shows.de. Der Vorverkauf findet noch bis Sonntag, 28. April, statt. Danach sind Ticketkäufe noch an der Abendkasse möglich. Thomas Langer
Bei PMP treffen etablierte Gruppen und lokale Bands aufeinander. Foto: PMP
Ermöglicht wird das Festival durch das Engagement der Vereinsmitglieder und freiwilligen Helfer. Fotos: PMP/Daniel Jenke