Premiere der „Energie Expo“ in Rees: „So praxisnah wie möglich“
Neues Messeformat der Stadt Rees feiert Premiere am 12. Mai – Klimaschutzmanagerin Christine Klanten im NN-Interview
REES. Energetisch sanieren, die Heizung modernisieren, Fördergelder beantragen – und dabei auf kompetente Fachbetriebe aus der Region setzen: Die Stadt Rees richtet am Dienstag, 12. Mai, von 16 bis 19 Uhr im Bürgerhaus Rees erstmals die Reeser „Energie Expo“ aus. Die neue Messe soll Fachfirmen und Eigentümer für den Klimaschutz zusammenbringen. Im Vorfeld spricht die Reeser Klimaschutzmanagerin Christine Klanten im NN-Interview über die Entstehung und die Ziele der „Energie Expo“ sowie das Thema Klimaschutz und Energiewende in Rees.
Frau Klanten, wie ist die Idee zur Reeser „Energie Expo“ entstanden?
Christine Klanten: Sie ist im Rahmen der Wärmeplanung entstanden. Als Verwaltung ist uns klar, dass das Thema eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung auslöst und Fragen aufwirft wie: Was passiert jetzt? Kann ich meine Heizung noch weiter betreiben? Wie geht es weiter? Wir haben schon im vergangenen Jahr einige Beratungsangebote angeboten, Vorträge und auch eine kostenlose Energieberatung. In diesem Jahr wollen wir ein neues Konzept ausprobieren. Die Idee zur Messe haben unsere Wirtschaftsförderin Sandra Kimm-Hammacher und ich zusammen entwickelt, um die interessierten Menschen in der Bevölkerung mit den lokalen Handwerksbetrieben zusammenzubringen. Auf der einen Seite möchten wir lokalen Handwerksbetrieben die Möglichkeit geben, sich und ihre Dienste vorzustellen, auf der anderen Seite den Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit bieten, sich zu informieren. Wir sind sicher, dass beide Seiten davon profitieren.
Wie ist Ihre Erwartungshaltung an diese Messe? Gehen Sie davon aus, dass sie großen Anklang finden wird?
Klanten: Unsere Hoffnung ist es, dass die Leute daran interessiert sind und wir viele Besucher begrüßen dürfen, so dass Aussteller und Gäste ihren Mehrwert daraus ziehen können und sagen: Das war so toll, das machen wir noch mal.
„Alle sind zur Reeser ‚Energie Expo‘ willkommen“
Zielgruppe der Reeser „Energie Expo“ ist also nicht das Fachpublikum?
Klanten: Nein, gar nicht, es kann jeder kommen. Alle, die sich einfach nur mal informieren möchten, die vielleicht konkrete Pläne haben oder einfach mal gucken möchten, wie das Angebot ist, sind willkommen.
Geht es eher um Informationsvermittlung, oder gibt es auch praktische Beispiele seitens der Aussteller?
Klanten: Die Messe ist so praxisnah wie möglich gestaltet. Es soll nicht nur eine Veranstaltung sein, wo einer vorne steht und einen Vortrag hält. Die Besucher sollen sich auch konkret etwas anschauen können. Einige Aussteller planen, Ausstellungsstücke vorzubereiten. Wir haben allerdings als Veranstaltungsausrichter keine Vorschriften zur Standgestaltung gemacht. Es sind viele Handwerksbetriebe dabei, die einige Beispiele mitbringen und auch einiges aus der Praxis erzählen können.
Wie viele Betriebe sind es?
Klanten: Insgesamt haben wir 13 Aussteller. Dazu zählen Handwerksbetriebe, aber auch beispielsweise Energie- und Finanzberater.
Ein „kurzer, knackiger Abend“ zum Thema Energie
Die „Energie Expo“ findet von 16 bis 19 Uhr statt. Drei Stunden wirken auf den ersten Blick für eine Messe relativ kurz.
Klanten: Wir haben den zeitlichen Rahmen bewusst kurz gehalten, um gerade bei der Premiere zu sehen, wie die neue Messe angenommen wird. Auch für die Aussteller ist es ein neues Konzept, in das sie Zeit investieren. Wir wollten einfach einen kurzen, knackigen Abend organisieren.
Ist es sinnvoll, dass die Besucher, wenn sie sich ernsthaft für gewisse Themen interessieren, bestimmte Unterlagen bereits mitbringen?
Klanten: Auf jeden Fall, insbesondere, wenn sie schon konkrete Vorhaben oder Fragen haben. Wir haben zwei Bereiche: Einmal den Vortragsbereich mit verschiedenen Vorträgen und Interviews . Am Ende gibt es auch immer eine Fragerunde. Und dann haben wir den Messebereich, wo die Besucherinnen und Besucher mit den Ausstellern sprechen können. Wenn man zum Beispiel eine Dachsanierung plant, kann man direkt mit dem Dachdecker reden und sich beraten lassen.
Rund 70 Prozent des Stroms aus eigener Produktion
Wie groß ist das Thema Energie und Energiewende für die Stadt Rees allgemein?
Klanten: Für uns und für mich im Besonderen als Klimaschutzmanagerin ist es mit das wichtigste Thema. Sowohl der Wärmesektor als auch der Bereich Energieproduktion. Im Stromsektor sind wir schon ziemlich gut aufgestellt. Wir haben hier Windkraft, wir haben Solarenergie und Biogasanlagen. Bilanziell können wir schon rund 70 Prozent des Strombedarfs über erneuerbare Energien aus Rees abdecken. Aber wenn man sich den Bereich Wärme ansieht und auch den privaten Sektor, sind wir bei den Treibhausgasemissionen noch weit von dem entfernt, was wir haben wollen. Genau deswegen ist das ein wichtiges Thema, das wir auch versuchen, so gut wie möglich zu unterstützen.
Wie sieht diese Unterstützung aus?
Klanten: Wir haben natürlich als Stadt nicht den Hebel, dass wir sagen können: Wir machen alles selbat. Wir können unsere eigenen Gebäude sanieren, aber ein großer Hebel sind auch die privaten Haushalte. Hier versuchen wir, über Informationsbereitstellung, über Beratung und ähnliche Angebote, die Leute so gut wie möglich zu informieren, dass sie für sich die beste Entscheidung treffen können.
Unterschiedliche Meinungen zum Thema Klimaschutz
Wie offen sind die Reeser für Sie, Ihre Anliegen und Ihre Arbeit als Klimaschutzmanagerin?
Klanten: Das Thema ist sehr wichtig und in vielen unterschiedlichen Schnittpunkten verankert, sodass ich in der Verwaltung mit meinen Kolleginnen und Kollegen in vielen Bereichen zusammenarbeite. In der Bevölkerung schwankt die Priorität natürlich. Die Leute haben unterschiedliche Ansichten und Voraussetzungen. Es gibt Menschen, denen das Thema sehr wichtig ist, die gerne so viel wie möglich machen möchten. Und es gibt natürlich auch die Zweifler und Skeptiker. Aber insgesamt kommt das, was wir im Alltag bewegen, gut an. Nicht nur unter dem Aspekt des Klimaschutzes.
Sondern?
Klanten: Viele Maßnahmen sind auch unter anderen Aspekten wichtig. Im Bereich Wärmeplanung spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle, die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Maßnahmen zur Klimaanpassung können die Struktur und die Lebensqualität in Rees aktiv verbessern. Deshalb versuche ich immer, nicht nur den Klimaschutz vorzuschieben. Denn da verläuft für viele die Grenze, wo die sagen: Klimaschutz ist ja gut und schön, aber wenn es ins eigene Portemonnaie geht, dann überlege ich mir das noch mal. Stattdessen versuche ich, die Aspekte, die in allen Bereichen positive Effekte haben, hervorzubringen.
Mit der Produktion des eigenen Stroms ist die Stadt Rees auf einem guten Weg. Die CDU ist bei diesem Thema gerade sehr aktiv, beschäftigt sich mit schwimmenden Strömungskraftwerken und schwimmenden PV-Anlagen. Sind das aus Ihrer Sicht gute Optionen für Rees?
Klanten: Im Bereich der erneuerbaren Energien ist es wichtig, dass man verschiedene Wege verfolgt. Man hat eben nicht diese Zuverlässigkeit wie bei einem herkömmlichen Kraftwerk, das zu jeder Tages- und Nachtzeit Strom produziert. Deswegen ist, neben PV und Windenergie, auch Wasserkraft ein interessanter Aspekt. Ich glaube, gerade für Abgrabungsgewässer sind Floating PV-Anlagen sehr interessant und eine gute Alternative. Inwieweit Strömungskraftwerke hier wirklich umsetzbar sind, das kann ich tatsächlich noch nicht beurteilen. Die Idee ist vielversprechend, aber der Markt ist noch recht klein, und es gibt nur wenig Erfahrungswerte.
Zeitplan der Reeser „Energie Expo“
16 Uhr Begrüßung und Eröffnung durch Bürgermeister Sebastian Hense;
16.15 Uhr Vortrag: Sanierungsplanung – Dämmung richtig planen (D. Bernhardi, Verbraucherzentrale NRW);
16.45 Uhr Vortrag: Fördermittel verständlich erklärt (S. Kaschewski, Butzheinen & Kaschewski Beratende Ingenieure);
17.10 Uhr Pause und Besuch des Messebereichs;
18 Uhr Vortrag: Neue Heizung – Wärmepumpe und ihre Alternativen (D. Bernhardi, Verbraucherzentrale NRW);
18.30 Uhr Interview: Photovoltaik – Sonnenstrom nutzen (Energiebotschafter K. Stenzel).
Die Reeser Klimaschutzmanagerin Christine Klanten wirbt für die Teilnahme an der Reeser „Energie Expo“. Foto: Stadt Rees