Pflegekräfte aus Indien im St.-Willibrord-Spital Emmerich
„Nur gute Erfahrungen“: Krankenhaus beteiligt sich am Programm „Triple Win“, das Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt
Wie ihr geht es auch ihren beiden Kolleginnen Jaimol Joseph und Athira Xavior, die mit ihr aus Kerala ans Emmericher Krankenhaus gekommen sind.
Um den Bedarf an Pflegepersonal dauerhaft sicherzustellen, beteiligt sich das St.-Willibrord-Spital nun auch an dem Programm „Triple Win“. Darüber werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt. Dies geschieht zu fairen und transparenten Bedingungen und so, dass die Pflegekräfte nur aus solchen Ländern kommen, in denen kein Fachkräftemangel herrscht. Über diesen Weg kamen nun die drei Inderinnen nach Emmerich.
Alle drei sind hervorragend ausgebildet. Tincymol Thomas und Athira Xavior haben in Indien vier Jahre lang Krankenpflege studiert, Jaimol Joseph hat dort eine dreijährige Ausbildung absolviert. Dennoch können sie in Deutschland nicht ohne Weiteres arbeiten, sondern müssen die berufliche Anerkennung erwerben. Dazu besucht das Trio die Krankenpflegeschule Bildungszentrum Niederrhein Wesel (BZNW), hinzu kommt die praktische Anleitung im St.-Willibrord-Spital.
„Hier findet Pflege näher am Menschen statt, in Indien ist der Ansatz eher medizinisch“, erklärt Annabell Venhoven, stellvertretende Pflegedirektorin im St.-Willibrord-Spital. „In Indien werden die Kranken von der Familie zu Hause gepflegt, das ist normal“, sagt Tincymol Thomas. Neu lernen müssen die Inderinnen, was in deutschen Krankenhäusern Standard ist: Pflegegespräche, Begleitung von Angehörigen, aktivierende und ambulante Pflege. „Alles, was unser System erfordert, schulen wir nach“, erklärt Annabell Venhoven. Das übernehmen die pflegerischen Kollegen des Emmericher Krankenhauses. Sie begleiten die Inderinnen sehr eng, damit sie sich gut integrieren und in der Hansestadt wohlfühlen. Bestandteil der Ausbildung sind auch Einsätze in Seniorenheimen und bei der Caritas.
Hinzu kommt ein Deutschkurs, den Tincymol Thomas, Athira Xavior und Jaimol Joseph bis September in der Akademie Klausenhof in Hamminkeln-Dingden absolvieren. Mit hervorragenden Ergebnissen: Die Verständigung mit Kollegen, Patienten und Angehörigen klappt prima. Auf diese Weise findet auch ein reger kultureller Austausch statt. „Die Leute sind sehr interessiert, wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Athira Xavior.
Sie und ihre Kolleginnen arbeiten auf der Geriatrie, der altersmedizinischen Station. Dort übernehmen sie alle Routineaufgaben von der Körperpflege und der Medikamentengabe (unter Anleitung) bis zur Erstellung des Pflegeberichts in der elektronischen Patientenakte.
Die Patienten profitieren vom Wissen und von der (Lebens-)
Erfahrung der Krankenpflegerin. So hat etwa Jaimol Joseph (44) fast sieben Jahre lang in Dubai gearbeitet – ohne ihre Familie. Das war schwierig. Wenn die Frauen in Deutschland die berufliche Anerkennung erworben haben (meist nach etwa einem Jahr) und eine feste Anstellung nachweisen können, dürfen sie ihre Familien nachholen. So freut sich Jaimol Joseph auf ihren Mann und ihre beiden Kinder (12 und 14), Athira Xavior auf ihren Mann aus Malaysia.
Die Inderinnen wohnen im Schwesternwohnheim auf dem Krankenhausgelände, wie auch die indischen Ordensschwestern, die im St.-Willibrord-Spital tätig sind. Alle drei haben ein eigenes Zimmer, gekocht wird in der Gemeinschaftsküche. Das deutsche Essen schmeckt ihnen. Besonders gern probieren sie Brötchen und Brot, auch Eis und Schokolade stehen hoch im Kurs.
Ihren ersten Kontakt hatten Annabell Venhoven, Tincymol Thomas, Athira Xavior und Jaimol Joseph per Teams während einer 20-minütigen Online-Schalte zwischen Deutschland und Indien. Richtig kennengelernt haben sie sich freilich erst im Berufsalltag des Emmericher Krankenhauses. „Ich habe selten so herzliche und aufgeschlossene Menschen getroffen, deren Freundlichkeit von Herzen kommt und einfach ansteckend ist“, freut sich die stellvertretende Pflegedirektorin. Deshalb auch bei ihr: Daumen hoch!
Daumen hoch: (v. l.) Athira Xavior, Jaimol Joseph, Annabell Venhoven und Tincymol Thomas. Foto: privat