Pflanzenschutzmittel schneller zulassen
14. September 2026 · Niederrhein

Pflanzenschutzmittel schneller zulassen

RLV: „Schaderreger warten nicht auf Behördenverfahren“

NIEDERRHEIN. RLV-Präsident Erich Gussen begrüßt die Gespräche von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma über schnellere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel. Aus dem Austausch muss ein konkreter Fahrplan für zügige, verlässliche und EU-weit harmonisierte Verfahren hervorgehen. „Beim Pflanzenschutz duldet die Lage keinen weiteren Aufschub. Neue Schaderreger und invasive Pflanzenarten breiten sich aus, während den Betrieben geeignete Wirkstoffe und zugelassene Anwendungen häufig fehlen. Minister Rainer setzt mit seiner Reise nach Parma daher ein wichtiges Signal. Entscheidend ist jetzt, dass den Gesprächen spürbare Verbesserungen für die landwirtschaftliche Praxis folgen“, erklärt Gussen.

Besonders deutlich wird der Handlungsdruck bei der Schilf-Glasflügelzikade. Sie überträgt die Erreger von SBR und Stolbur und gefährdet unter anderem den Anbau von Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse, wichtige Kulturen im Rheinland. Zugleich breiten sich invasive Unkräuter wie das Erdmandelgras aus. Beides lässt sich nur mit konsequenten, aufeinander abgestimmten Strategien wirksam eindämmen. Der RLV setzt auf einen konsequent integrierten Pflanzenschutz. Vorbeugende und ackerbauliche Maßnahmen – etwa Fruchtfolge, angepasste Bodenbearbeitung, Sortenwahl und sorgfältige Maschinenhygiene – sind unverzichtbar. Sie reichen bei hohem Befallsdruck jedoch nicht immer aus. Deshalb bleiben auch wirksame chemische Pflanzenschutzmittel ein wichtiger Teil des Instrumentenkastens, um Erträge, Qualitäten und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln zu sichern.

„Sicherheit und Schnelligkeit bei der Zulassung dürfen kein Widerspruch sein. Was wissenschaftlich geprüft und verantwortbar ist, muss den Betrieben auch zeitnah zur Verfügung stehen. Bürokratische Verzögerungen und nationale Alleingänge gefährden unsere Wettbewerbsfähigkeit. Europa muss Innovation ermöglichen, statt der landwirtschaftlichen Praxis notwendige Lösungen vorzuenthalten“, erklärt Gussen.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer reist vom 14. bis 17. September 2026 nach Italien und in die Türkei. Bei der EFSA in Parma will er über Möglichkeiten beraten, die Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel zu beschleunigen.