Hans-Joachim Wefers freut sich auf seinen Ruhestand. NN-Foto: JK
16. August 2024 · Niederrhein

Pfarrer Hans-Joachim Wefers aus Xanten-Mörmter verabschiedet sich in den Ruhestand

Der Superintendent beschreibt, was ihn die Theologie nach 30 Jahren Kirchentätigkeit gelehrt hat

KREIS KLEVE. Hans-Joachim Wefers kennt man als Pfarrer in der Gemeinde Xanten-Mörmter. Dort predigte er 30 Jahre lang bei Gottesdiensten, vollzog Trauungen und war Seelsorger für die Menschen. 16 Jahre davon war er als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Kleve aber auch für wichtige Aufgaben in der Verwaltung und für die zahlreichen Beamten zuständig. Immer begleitet hat ihn seine Überzeugung, die christlichen Werte Nächstenliebe und Gemeinschaft an die Gemeinde zu vermitteln. Vor Antritt seines Ruhestandes Ende September blickt er nun auf seine Arbeit zurück und beschreibt, was die Theologie ihn gelehrt hat.

Zwiegespalten schaut Wefers auf seinen bevorstehenden Ruhestand: Da ist Freude, darauf, bald „frei zu sein und Verantwortung abgeben zu können“, gleichzeitig aber auch ein Stück Wehmut. „Bei vielen Veranstaltungen bin ich nicht mehr dabei“, erinnert sich Wefers. Fakt ist: Er hat seinen Job im Pfarramt immer gern gemacht. 1994 trat er in der Gemeinde Xanten-Mörmter seine Vollzeitstelle als Pfarrer an. 1998 war er bereits Mitglied im Vorstand des Evangelischen Kirchenkreises und übernahm unter anderem die Aufgabe des Schriftführers. Ein paar Jahre später dann die Rolle als stellvertretender Superintendent. Ein Amt, zu dem er 2008 dann selbst gewählt wurde. Man könnte sagen: Der Vollzeitpfarrer wurde zum Teilzeitkrisenmanager, denn die Stelle nimmt etwa dreiviertel der Zeit in Anspruch. Die restlichen 25 Prozent sind dann für die weitere Pfarrtätigkeit in der Kirche offen.

Man müsse aber definitiv bereit sein, das Amt als Pfarrer oder Pfarrerin zu reduzieren, erklärt Stefan Schmelting, Presse- und Öffentlichkeitsreferent des Evangelischen Kirchenkreises Kleve. „Der Superintendent ist für die Pfarrer im Kirchenkreis, wie für die Mitarbeitenden im Haus der kreiskirchlichen Dienste Dienstaufsicht, Seelsorger und Ratgeber. Als Superintendent leitet er das ehrenamtliche Leitungsgremium des Kirchenkreises, den Kreissynodalvorstand sowie die zweimal im Jahr tagende Synode.“

Darüber hinaus sei ein Superintendent auch Mitglied in unterschiedlichen landeskirchlichen Gremien und im Vorstand der Diakonie. Ein Superintendent muss also Erfahrung in der Gemeindearbeit und als Pfarrer haben, gleichzeitig dürfe er die Verwaltungsarbeit aber nicht scheuen. „Es ist zugleich ein geistliches- und ein Leitungsamt“, erklärt Wefers. „Ich finde es wichtig, dass ein Superintendent das tut, was mit seinem Glauben und seiner Überzeugung vereinbar ist.“ Und das bedeute: die Kirche auch in kritischen Zeiten wieder mehr an die Menschen heran bringen und die positiven Werte Nächstenliebe und Gemeinschaft zu vertreten. „Wir überlegen uns, wie wir die Kirche gestalten können, um sie den Leuten näher zu bringen. Dafür gehen wir auch in sachliche Gespräche und Diskussionen. Die Kirche muss immer wieder reformiert werden. Nicht nur einmal in 500 Jahren“, sagt Wefers.

Während seiner Arbeit als Superintendent und Pfarrer hat das Predigen Wefers am meisten Spaß gemacht. Als neuer Krisenmanager sei es aber auch toll gewesen zu sehen wie sich Probleme lösen, wenn man miteinander richtig kommuniziert: „Eine besondere Herausforderung war die Entwicklung, dass wir in den nächsten Jahren immer weniger Pfarrer und Pfarrerinnen haben werden. Es gab viele Besprechungen, in denen wir uns fragen mussten, wie eine Zukunft ohne Pfarrer aussehen würde.“ Es folgten viele weitere Gespräche. Was ermüdend klingt, war für Wefers ein Hoffnungsschimmer: „Man hat gesehen, es geht voran“, erinnert sich der Superintendent lächelnd. Am Ende konnte eine Lösung gefunden werden. Eine neue Verordnung im Kirchenkreis erlaubt nun eine Pfarrdienstgemeinschaft. Mehrere Pfarrer teilen sich untereinander also mehrere Gemeinden.

Zur Theologie kam Wefers durch sein Interesse für die Heilige Schrift. „Es gibt viele Seiten in der Bibel, die man nie selbst gelesen hat. Ich wollte wissen, was wirklich in diesem Buch steht und inwiefern das relevant ist.“ Im Studium entwickelte sich das Übersetzen der Texte aus dem Hebräischen und Griechischen ins Deutsche zu seinem Hobby.

Dabei offenbarte sich Wefers, dass vieles eher Schein ist als Sein: „Die Bibel wurde von Menschen geschrieben, die gläubig waren. Und sie hatten dabei auch eine eigene Botschaft. Es ist historisch also nicht immer alles so gewesen, wie es in der Bibel steht. Es ist nicht gelogen, aber es ist interpretiert.“ Gelernt habe Wefers also vor allem eines: „Den Verstand nicht an der Kirchentür abzugeben.“ Der Glauben selbst als etwas nicht Belegbares, behalte dennoch immer seine Funktion als Träger von Hoffnung und Zuversicht bei. „Am Ende heißt es immer: ‚Ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende‘ “, zitiert Wefers.

Die offizielle Verabschiedung von Hans-Joachim Wefers wird mit einem Gottesdienst am Samstag, 7. September ab 15.30 Uhr im Xantener Dom gefeiert. Bis zum 30. September bleibt er in seiner Funktion dann noch erhalten.

Hans-Joachim Wefers freut sich auf seinen Ruhestand. NN-Foto: JK