Ben van Oosten. Foto: Satakunnan Kansa / Heikki WestergŒ
8. März 2026 · Kevelaer

Orgelmusik von Mendelssohn über Reubke bis Reger

Ben van Oosten bestreitet das zweite Konzert der 42. „Internationalen Orgeltage“ in Kevelaer

KEVELAER. Mit Ben van Oosten gastiert im Rahmen der Internationalen Orgeltage Kevelaer am Freitag, 20. März, um 20 Uhr einer der großen Interpreten symphonischer Orgelliteratur unserer Zeit in Kevelaer. Seine Einspielungen – vielfach ausgezeichnet – besitzen Referenzcharakter. Für seine neueste CD wählte er bewusst die große Seifert-Orgel in Kevelaer – ein Zeichen der internationalen Wertschätzung für dieses Instrument. Auf dem Programm stehen Werke von Mendelssohn, Reubke und Reger. Im Interview verrät er mehr darüber, wie er zur Orgelmusik gefunden hat und warum er seine jüngste CD in der Marienbasilika aufgenommen hat.

Herr van Oosten, Sie sind einer der herausragendsten Interpreten symphonischer Orgelmusik unserer Zeit. Wie haben Sie den Weg zur Orgelmusik gefunden?

Ben van Oosten: Musik hat mich schon früh tief geprägt. Meine Eltern waren leidenschaftliche Musikliebhaber; meine Mutter spielte Klavier und mein Vater war ein sehr guter Amateurorganist und -pianist. In unserem Elternhaus wurde immer musiziert und wir hörten auch viele Aufnahmen von Orgel-, Klavier- und Orchestermusik. Schon damals war die Orgel mein Lieblingsinstrument. Als ich etwa sechs Jahre alt war, nahm mich mein Vater mit zu Orgelkonzerten in meiner Heimatstadt Den Haag und sonntags in verschiedene Kirchen, wo er als Aushilfe einsprang. In den folgenden Jahren ließ er mich manchmal eines der Kirchenlieder begleiten und als ich elf Jahre alt war, bekam ich meine erste Stelle als Kirchenorganist. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits entschlossen, professioneller Organist zu werden.

Sie haben Ihre jüngste CD in der Marienbasilika zu Kevelaer aufgenommen. Warum?

van Oosten: Die CD ist dem deutsch-romantischen Repertoire gewidmet. Sie enthält monumentale Orgelkompositionen von unter anderem Max Reger und Julius Reubke. Diese Musik erfordert ein großes, farbenreiches und symphonisches Instrument. Meiner Ansicht nach bildet das romantische Wagner-Orchester mit seinen vielfachen dynamischen Abstufungen die klangliche Grundlage für die deutsch-romantische Orgelmusik. Als Interpret dieser Musik ist man sozusagen der Orchestrator des Orgelklangs.

Durch ihre farbenreiche Klangpalette und außergewöhnliche dynamische Breite ermöglicht die große Seifert-Orgel in der Kevelaerer Marienbasilika eine adäquate Wiedergabe des deutsch-romantischen Orgelrepertoires.

Was bedeutet es für Sie persönlich, immer wieder die Königin der Kircheninstrumente zum Klingen zu bringen?

van Oosten: Das ist für mich nicht nur eine unbeschreibliche Freude, sondern auch eine Lebensnotwendigkeit. Wenn ich einen Tag nicht spiele, fühle ich mich nicht wohl. Als Organist spielt man immer ganz verschiedene Instrumente, denn es gibt keine zwei gleichen Orgeln auf der Welt. Deshalb muss man sich vor jedem Konzert mit der Orgel vertraut machen, oder wie ich lieber sage: anfreunden. Das ist immer ein Abenteuer, aber auch der Charme dieses Berufs. Darüber hinaus ist Orgelspielen für mich eine tiefe spirituelle Erfahrung. Der berühmte Pariser Organist und Komponist Charles-Marie Widor hat das einmal so schön in Worte gefasst: „Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen manifestieren.“

Fortsetzung am 27. März

Nach dem Auftritt von Ben van Oosten beendet Elmar Lehnen, seit Oktober 2000 Basilikaorganist in Kevelaer, am Freitag, 27. März, um 20 Uhr die Internationalen Orgeltage. Im Konzert widmet er sich dem Werk Louis Viernes (1870 bis 1937), einem der bedeutendsten französischen Komponisten und Organisten des 19./20. Jahrhunderts.

Tickets gibt es unter kultur-am-kapellenplatz.de. Karten (je 15 Euro, ermäßigt zehn Euro) sind außerdem erhältlich im Kerzengeschäft Jacobs am Kapellenplatz (montags bis freitags 10 bis 17.30 Uhr, samstags 10 bis 15 Uhr) sowie an der Abendkasse. Infos zum Verein unter orgelbauverein-kevelaer.de.

Ben van Oosten. Foto: Satakunnan Kansa / Heikki WestergŒ