Am Samstag wurde Christian der Großartige proklamiert. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
15. November 2024 · Kranenburg

Operation „Prinz Papi“ (der Großartige)

Prinz Christian der Großartige erfüllt sich mit der Prinzenrolle einen Traum – und freut sich auf die lange Session 2024/25

KRANENBURG. Plaudern wir mal ein bisschen aus dem Nähkästchen und erzählen von der Operation „Prinz Papi“. Und das geht so ..

Christian Kamps ist bei den Krunekroane der Prinz für die Session 2024/25. Prinzennamen – wer wüsste das nicht – sind bis zur Proklamation absolut geheim. (Strictly confidential.) Für Christian Kamps stand seit rund zwei Jahren fest: Er wird Prinz. Auch die Session stand fest: 2024/25. Der Grund ist simpel: „Es ist eine lange Session“. sagt Kamps. Mann will ja was davon haben ...

Kamps hat eine Frau und eine Tochter. Letztere heißt Pauline und geht noch in den Kindergarten. Im nächsten Jahr wird sie sechs. Tanzen tut sie schon seit drei Jahren. Natürlich weiß Pauline, dass ihr Vater Prinz wird. Den Prinzennamen hat der Kamps allerdings vor dem Töchterchen geheim gehalten. Könnte ja sein, dass jemand einen Plausch mit der ihr führt und – so ganz nebenbei – auf die Papiprinzenrolle zu sprechen kommt. „Dein Vater wird Karnevalsprinz. Das ist ja toll. Sag mal: Wie heißt er dann als Prinz?“ Spione sind ja überall. Die Pauline – wir sind ja noch im Nähkästchenmodus – ist tatsächlich gefragt worden ... und ... hat ... den Prinzennamen verraten. „Der heißt Prinz Papi.“

Eigentlich hat sich Prinz Papi einen ganz anderen „Dienstnamen“ zugelegt: Christian der Großartige. Okay, denkt man, da segelt also einer am Rande einer irgendwie beschädigten Selbstwahrnehmung. Dann geht man zum Prinzentermin, die Türöffnet sich ... und ... steht da Prinz Papi alias der Großartige und schon ärgert man sich, dass man die Treppenleiter zuhause gelassen hat. Lebendgröße: 208 Zentimeter. Von wegen Selbstüberschätzung – der Mann ist Riese von Beruf. Ach ja: Den Prinzennamen hat sich Kamps‘ Frau Katrin ausgedacht. Die hat es übrigens nicht soooo mit dem Karneval. Wie gesagt: Der Prinz ist groß. Und lustig ist er auch. Prinz Papi der Großartige erfüllt sich mit der Prinzenrolle einen Traum. Prinzenaugenfunkeln, wenn das Karnevalsthema angeschnitten wird. „In der Schule war ich eher ein stilles Mäuschen“, bekennt Kamps. Das hat sich im Lauf der Jahre geändert. „Heute bin ich Animateur“, sagt Kamps und meint nicht, dass er zur Hochsaison auf einem Kreuzfahrtschiff Erwachsenenbespaßung betreibt. Im Hauptberuf ist Kamps Berufsbetreuer. Trotzdem – an der Erwachsenenbespaßung ist natürlich was dran. Und spricht man nicht auch vom Narrenschiff? Na bitte – da haben wir‘s. Und nicht, dass jetzt jemand denkt, ein Prinz ist nur für Erwachsene. Natürlich gehören die Kinder auch zur Zielgruppe. Christian und Sabrina haben eigens ein Malbuch produziert: Das wird an die Jüngsten ausgegeben: vorkarnevalistische Prägung.

Zeit für einen kurzen und nicht-karnevalistischen Einschub: Ein Berufsbetreuer ist jemand, der in Deutschland rechtliche Betreuungen (§§ 1814 ff. BGB) im Rahmen einer selbständigen Tätigkeit ausübt.

Zurück zur Prinzenrolle. Prinz Papi der Großartige ist Vollblutkarnevalist, Mitglied bei den Arbeitsbienen, die bekanntlich in Kranenburg den Sitzungskarneval (die Bunten Abende also) durchführen. Durchführen – das klingt irgendwie bürokratisch. Das muss man anders formulieren: Die Arbeitsbienen sind Gutelauneproduzenten. Ja, so geht‘s.

Kamps hat schon einiges mitgemacht: Männerballett und große Garde in Altkalkar – das wären mal zwei Stationen. Apropos Ballett: Kamps spielt auch die Tuba. Und was hat jetzt das Ballett mit der Tuba zu tun? Na – es dreht sich beides um die Musik. Da wird also ein Hüne zum Prinzen – das wäre ja schon mal ein Alleinstellungsmerkmal. Dann spielt der Prinz auch noch die Tuba. Das hatten wir ja noch gar nicht, oder? Ach ja – als Tubist hat Kamps auch schon beim Kölner Straßenkarneval gespielt.

Der Mann schreibt übrigens auch noch Texte – Liedtexte. Muss noch gefragt werden, wer das Prinzenlied getextet hat? „Ich“, sagt der Prinz. Man hatte sich schon so was gedacht.

Und weil‘s so schön ist, hat Prinz Papi gleich mal zwei Lieder aufgenommen. Getextet hat er eigentlich sogar drei. Ein bisschen ist es wie beim Skat: Geschrieben drei, gespielt zwei. Und was das Singen angeht, sagt Prinz Papi der Großartige etwas wie: Können kann ich‘s nicht, aber tun tu ich‘s doch. Wer‘s glaubt ... also das Erste. Natürlich kann der Prinz singen. Er kann‘s nicht nur – er will es auch. Und Arbeitsbienenbühnenerfahrung hat er auch. In dieser Session wird Kamps die Bühne mal anders erleben: Sabrina und er: die Mittelpunkte. Es ist an der Zeit, eine weitere Prinzeneigenschaft mehr als lobend zu erwähnen: Papi trinkt nicht. Falsch: Der Christian trinkt natürlich, aber er trinkt – seit Jahren schon – keinen Alkohol. „Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben“, sagt er. Und nach so mancher Party haben ihm Leute angeboten: „Ich bring dich nach Hause. Du kannst bestimmt nicht mehr fahren.“ „Die dachten, meine Superstimmung käme vom Alkohol.“ Von wegen. Kamps ist sicher: „Das ist doch auch mal eine Botschaft, dass Feiern auch ohne Alkohol geht.“ Es kommt halt auf das Innere an.

Es wird Zeit für „die Frau an seiner Seite“. Also nicht, dass jetzt jemand was falsch versteht: Sabrina Bettray, Polizistin, 26 Jahre, ist des Großartigen Funkenmariechen. „Ich hätte das“, sagt der Prinz, „mit keiner anderen gemacht.“ Das Funkenmariechen ist in Sachen Karneval eher eine Spätberufene. Der Einstieg: 2017 bei den Showgirls Altkalkar. Ein Jahr später war sie Mitglied der Großen Garde. Ihr Einstand – Christians Abschied. Der zog dunnemals nach Nütterden, kam zu den Kranenburger Arbeitsbienen, blieb aber mit Sabrina in Kontakt. Der Wahlspruch für den Prinzenfall: „Wenn jemand, dann Sabrina.“ Wie wirbt man um ein Funkenmariechen? Kniefall und Blumenstrauß? Eher nicht. Der Christian ließ erst mal durchblicken, dass er mit der Prinzenrolle liebäugelt. „War aber nicht der richtige Moment.“ Zweiter Anlauf: „Wir müssen reden.“ Prinzenplanoffenbarung. Antwort: „Da muss ich mal kurz nachdenken.“ Es wurde ein Ja. Jetzt freuen sich beide ziemlich dolle auf die Session. Das Funkenmariechen ist ja eine eher stumme Rolle, aber Sabrina kann sich schon vorstellen, dass ... muss dann spontan sein.

Wissen die Kollegen eigentlich schon, dass die Sabrina demnächstens zumindest zeitweise einen Uniformtausch vornehmen wird? „Den Kollegen in meiner Dienstgruppe habe ich das schon gesagt“, sagt Sabrina. Es geht ja auch um die Urlaubsplanung. Na ja – und die anderen werden es spätestens dann erfahren, wenn der Kranenburger Prinz in Geldern bei der Polizei einreitet. Ist doch geplant, oder? Sagen wir so: Nichts Genaues weiß man nicht.

Was man aber wohl weiß: Das Funkenmariechen wird einen Orden haben. Auf dem Orden, der – wie der Prinzenorden auch – von Dirk Willemsen entworfen wurde, ist eine Lilie zu sehen (Sabrina ist bei den Pfadfindern). Sabrina hat – bevor sie zur Polizei ging – das Bäckerhandwerk gelernt und reitet gern. Für den Ordenszeichner eine Herausforderung. Will ja alles untergebracht werden. Was soll man sagen: Die Orden sind fertig, Sabrina und Christian sind begeistert und man darf annehmen, dass die beiden ihrerseits begeistern werden. Rund 180 Termine werden sie absolvieren. Na denn: Gut Holz.

Abspann: Der Prinz Papi hatte sich die Session 2024/25 aus zwei Gründen ausgesucht. Nummer eins: siehe oben. Klammer auf: (lange Session. Klammer zu.) Der zweite Grund hat was mit dem Töchterchen zu tun. Die wird im kommenden Jahr sechs. Das Alter: prädestiniert für Erinnerungen fürs Leben. Woran der Papi so alles denkt ...

Am Samstag wurde Christian der Großartige proklamiert. NN-Foto: Rüdiger Dehnen