„Ökoprofit“: Nachhaltig gespart
Erste Projekt-Runde im Kreis Kleve beendet / Neun Teilnehmer kombinieren Ökologie mit Ökonomie
„Wir stehen vor der großen Herausforderung, unsere Region, Wirtschaft und Gesellschaft fit für eine nachhaltige Zukunft zu machen“, sagte Landrat Christoph Gerwers in seiner Ansprache. Mit dem integrierten Klimaschutzkonzept habe der Kreis Kleve bereits einen „klaren Weg vorgezeichnet.“ Ökoprofit (Ökologisches Projekt für integrierte Umwelttechnik) sei mit Blick auf die Unternehmen ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts, um Betriebe praxisnah und lösungsorientiert dazu zu ermutigen, verschiedene Fragen zu klären: „Wir können wir Energie sparen? Wir können wir Ressourcen effizienter nutzen? Und wie können wir durch innovative Lösungen nachhaltig wirtschaften, ohne auf wirtschaftlichen Erfolg zu verzichten?“ Gerwers lobte das Engagement der Teilnehmer, „neue Wege zu gehen. Sie haben den Mut bewiesen, sich den Herausforderungen einer nachhaltigen Zukunft zu stellen.“ Das Projekt habe gezeigt, dass alle Branchen und Unternehmen nicht nur etwas zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit beitragen, sondern dabei auch von den Chancen profitieren könnten, indem Prozesse optimiert und Kosten gesenkt würden.
Welches Potenzial sich hier verbirgt, zeigen die offiziellen Zahlen zum ersten Kreis Klever Ökoprofit-Projekt: Neun Unternehmen und 1.800 Beschäftigte kommen mit 77 Maßnahmen und Gesamtinvestitionen von rund 4,2 Millionen Euro auf eine Einsparung von 416.000 Euro pro Jahr, erklärte Dr. Natalia Balcázar vom Beratungsbüro Enviropro, das die Teilnehmer mit Beratungen und Workshops begleitet hat. Hinzu kämen pro Jahr Einsparungen von 4,8 Millionen Kilowattstunden Energie, 641 Kubikmeter Wasser, 31,4 Tonnen Abfall und damit eine CO2-Reduktion von etwa 1.600 Tonnen pro Jahr.
Individuelle Ansätze
Vor der Wahl der „besten Maßnahme“ stellten alle Teilnehmer ihre eigenen besten Maßnahmen vor. So hat die ABS Safety aus Kevelaer mehr als 120 PC-Arbeitsplätze überarbeitet: Statt Tower-PC setzt man nun auf „Thin Clients“, also kleinere, cloudbasierte Computer. Der Vorteil: Es fallen in diesem Bereich nur noch ein Zehntel der Stromkosten an, hieß es von Unternehmerseite. „So konnten wir auch die IT-Sicherheit erhöhen. Außerdem haben wir das Projekt von unseren Azubis begleiten lassen.“
Das Berufsbildungszentrum des Kreises Kleve setzt hingegen auf die digitale Signatur: Mit dem neuen Bürokratieentlastungsgesetz im Rücken könnten so nun zum Beispiel Arbeitsverträge digital statt auf Papier unterschrieben werden. Mit den Papiereinsparungen habe man zudem Lagerfläche und Abfall reduzieren können. „Pro Signatur benötigen wir circa 2,5 Blatt Papier. Im Jahr sind es 3.500 Blätter.“
Die DHG Vertriebs- und Consulting aus Wachtendonk hat 2024 damit begonnen, ihre Dekarbonisierungsstrategie aufzusetzen: Dabei ist eine Treibhausgasbilanzierung entstanden, die auch die ökologischen Fußabdrücke einiger Produkte in den Blick nimmt. „Wir haben uns die komplette Wertschöpfungskette angeschaut und jeden Prozessschritt berechnet.“ Die von einer unabhängigen Stelle verifizierten Daten würden nun als Basis dienen, um Reduktionsmaßnahmen abzuleiten. „Wir können bis zu 60 Prozent Emissionen einsparen“, stellte die DHG in Aussicht.
Über die Auszeichnung „beste Maßnahme“ kann sich die Fluxana aus Bedburg-Hau freuen. Die Firma möchte unter anderem ein ganzes Produktportfolio umstellen: vom USA-Import auf eine optimierte Produktion am Niederrhein. Zuvor habe man vier Mal im Jahr für insgesamt 500.000 Euro Verbrauchsmaterialien per Schiffscontainer eingekauft – die zuzüglichen Transport- und Zollkosten von 56.000 Euro pro Jahr gehen von nun an jedoch in die heimische Produktion. „Dafür haben wir Spritzgusswerkzeuge machen lassen, um die Kunststoffartikel selbst herzustellen“, hieß es seitens des Unternehmens. Die neuen Optimierungen sparten außerdem 4,5 Tonnen Kunststoff pro Jahr ein, „bei einem gleichbleibenden Produkt.“
Die Hochschule Rhein-Waal zielt auf Mitarbeitermotivation und -einbindung: Bei einem Sustain-Cup konnten die Mitarbeiter Ideen für nachhaltige Projekte einreichen. Über die besten zehn stimmten alle gemeinsam ab. Auf dem ersten Platz: der Seminarraum der Zukunft. Dafür sollen die Räume mit Sensoren ausgestattet werden: „Ist der Raum belegt? Ist das Fenster geschlossen? Kann man das Licht ausmachen?“, erklärte eine Vertreterin. Weitere beliebte Ideen: der hauseigene Garten als Entspannungsoase und eine digitale Mitarbeiter-Tauschbörse.
L.N. Schaffrath DruckMedien hat wiederum seine Drucker umgestellt. Statt die Farbe auf dem Papier mit Wärme aus Gas zu trocknen, setzt man nun auf Wärme aus Strom. „Den stellen wir selbst her oder kaufen ihn als Ökostrom ein“, hieß es im Kurzvortrag. Der Druckprozess sei somit emissionsfrei. „Gleichzeitig drucken wir mit mineralölfreien Farben, setzen weniger Silikone ein und sparen bis zu 430 Tonnen CO2 pro Jahr.“ Netter Nebeneffekt: Auch die Qualität der Produkte habe sich verbessert.
Die Sparkasse Rhein-Maas beweist unter anderem, wie auch kleine Dinge Wirkung zeigen können: Sie hat ihre Trinkwasserhähne ausgetauscht. „Ganz nachhaltig kommt hier Sprudelwasser heraus.“
Die Volksbank Kleverland hat ebenfalls einen Maßnahmenplan aufgestellt. Darin enthalten ist die digitale Unterschrift. „Wir wollen unseren Papierverbrauch abstellen. Dadurch können wir die Arbeitsprozesse verschlanken und perspektivisch auch die Durchlaufzeiten.“ In den letzten drei Monaten habe man bereits 70 Prozent des Papierverbrauchs einsparen können.
Walther Faltsysteme aus Kevelaer hat in den letzten Monaten unter anderem seinen Prozessstandard aus der Beschaffung unter die Lupe genommen. Demnach sollen zukünftig vorzugsweise Produkte gewählt werden, die keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesundheit der Mitarbeiter haben. Auch energieeffizientes Einkaufen soll verstärkt in den Fokus rücken. Ein Kriterienkatalog verrät dem Team, wie man im Einkauf die Umwelteigenschaften von Produkten bewerten kann.
Voneinander lernen
Neben der Umsetzung solcher Ideen bietet Ökoprofit auch eine Plattform für den Austausch: „Neben der individuellen Entwicklung von Maßnahmen hat das Projekt gezeigt, wie wichtig das gemeinsame Lernen und der Wissenstransfer sind“, betonte Christoph Gerwers.
Auch Dr. Benedikt Rösen von der Kreis-Wirtschaftsförderung stellte aus seiner Sicht die Vorteile des Projekts heraus. Die Kombination aus Ökologie und Ökonomie sei nämlich kein Widerspruch, sondern „Innovationsmotor. Wer nachhaltig handelt, spart nicht nur Energie und Rohstoffe, sondern steigert auch seine Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.“ Dann sei da noch die Außenwirkung und der Einfluss auf Kunden, mögliche Investoren und Wettbewerber. Die Signalwirkung betreffe allerdings auch die eigenen Mitarbeiter. „Sie tragen ihr Wissen weiter in andere Gruppen, Familien und Nachbarschaften.“
Zur Abschlussveranstaltung angereist war auch Viktor Haase, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW. Er sprach allen Beteiligten sein Lob aus und stellte ihr Engagement als bedeutsamen Gegensatz zu den Leugnungen des Klimawandel und Forderungen nach einer Klimaschutzpause heraus. „Ich bin dankbar, dass Unternehmer wie Sie bewusst einen anderen Weg gehen. Ob man daran glaubt oder nicht: Der Klimawandel wird stattfinden.“ Es anders zu machen, könne außerdem eine Chance sein, um die Lücke durch andere für sich zu nutzen. Eine klimaneutrale und nachhaltige Industrieregion zu werden, das sei auch das Ziel der Landesregierung, erklärte Haase. In NRW gebe es Ökoprofit bereits seit 25 Jahren: „Mittlerweile haben über 2.600 Betriebe teilgenommen.“ Die jährlichen Einsparungen: 820 Millionen Kilowattstunden, 450.000 Tonnen CO2 und 100 Millionen Euro Betriebskosten. Auch die Kreis Klever Zahlen seien „beträchtliche Summen“.
Gefördert wurde das Projekt Ökoprofit vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW. Aufgebaut und betreut wurde das Projekt von einem Expertenbeirat. Dieser besteht aus der Effizienzagentur NRW, der Handwerkskammer NRW, der Hochschule Rhein-Waal, der Kreishandwerkerschaft Kleve, der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) Duisburg – Wesel –Kleve zu Duisburg, NRW.Energy4Climate, der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve, der Verbraucherzentrale NRW und der Kreisverwaltung Kreis Kleve.Alle teilnehmenden Betriebe und Institutionen konnten ihre „Ökoprofit“-Auszeichnung entgegennehmen. NN-Foto: Rüdiger Dehnen