"Moderner Campus der Radboud Universität in Nimwegen bei sonnigem Wetter"
17. Juli 2026 · Niederlande

Nur Einer von Einhundert

Wie wär‘s mit einem Studium von „Natuur en sterrenkunde“ an der Radbout Uni?

NIEDERRHEIN. Frank Saueressig ist Professor. Sein Fachgebiet: Theoretische Physik. Erhält man eine Mail von Saueressig, heißt es am Ende: Professor Dr. Frank Saueressig, Professor for Theoretical High-Energy Physics and Quantum Gravity Institute of Mathematics, Astrophysics and Particle Physics (IMAPP), Radboud University.

Saueressig unterrichtet in Nimwegen. Seit zehn Jahren ist er dort. Vorherige Stationen: Mainz, Paris, Utrecht. Das wäre dann mal ein spannender Mix. Aber eigentlich soll es gar nicht so sehr um Saueressig gehen als vielmehr um das Fach und die Studentenschaft. „Ich schätze, dass wir in Nimwegen im Fach Physik circa 80 Prozent niederländische Studenten und 20 Prozent deutsche Studenten haben“, sagt Saueressig. Da ist er: Der Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Situation: Es stellt sich heraus, dass pro Jahr 100 bis 120 Studenten mit dem Studiengang „Natuur en Sterrenkunde“ (Physik und Astronomie) beginnen. 2025 waren es 114 – ein Jahr später 108. Jährlich kommt gerade einmal ein Student aus Deutschland.

Und noch etwas: Würde man beim Begriff Physikstudenten gendern, könnte man das „*Innen“ am Ende des Wortes relativ klein halten, denn leider ist Physik noch immer männerdominiert. Saueressig schätzt das Verhältnis männlich/weiblich auf 70 zu 30. Die Verhältnisse hätten sich allerdings, so Saueressig, in den vergangenen zehn Jahren schon deutlich gebessert. Woran liegt die Sache mit der Männermehrheit? Saueressig: „Denken Sie mal an Ihre Schulzeit zurück. Wie viele Physiklehrerinnen gibt es, an die Sie sich erinnern?“ Der Reporter schweigt „Sehen Sie – genau das meine ich“, sagt Saueressig. „Dass sich jemand für etwas interessiert, ist ja oft an Vorbilder gebunden.“ Und wenn es die nicht gibt ... Okay, das leuchtet ein.

Für Saueressig geht es bei diesem Gespräch gar nicht so sehr um das Geschlechterverhältnis beim Physikstudium. „Es geht darum, „dass wir uns mehr deutsche Studierende wünschen würden“, sagt er und redet dabei vor allem über Studenten aus der Region Niederrhein. Welche Voraussetzungen sind eigentlich erforderlich? Nun, da wäre zunächst einmal die Sprache: Englisch und Niederländisch Niveau (NT2) sind verbindlich, denn: „Im ersten Jahr findet der Unterricht vor allem in Niederländisch statt“, erklärt Saueressig. Im zweiten Jahr geht es um einen Mix aus Niederländisch und Englisch und im letzten Jahr dominiert dann das Englische. „Das liegt vor allem daran, dass die meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf Englisch stattfinden.“

Saueressig: „Die Universität bietet im Sommer Sprachkurse an, über die das Sprachniveau aufgebaut werden kann. Die Prüfung kann dann an der Universität abgelegt werden.“ Zum Thema fachliche Qualifikation sagt Saueressig: „Die Kurse Physik und Mathematik müssen bis zum Abitur belegt werden. Einer der Kurse soll auf Leistungskursniveau, ein Kurs (mindestens) als Grundkurs belegt worden sein. Noten spielen bei der Zulassung keine Rolle.“ Einen Numerus Clausus gibt es nicht.

Zurück zum „Einzugsgebiet Niederrhein“. Saueressig: „Für viele, die aus der Region kommen, ist Niederländisch nicht wirklich eine Fremdsprache. Kommen Sie aber beispielsweise aus Hessen, dann sieht die Sache anders aus.“ Saueressig selbst kommt aus Mainz. Niederländisch ist für ihn also eine Fremdsprache. „Ich spreche natürlich Niederländisch, aber das ist dann eher ein Alltagsniederländisch.“ Das ist auch der Grund, warum Saueressig nicht lehrend ins erste Semester eingreift. Man kennt das aus eigener Anschauung. Englisch gelernt, Shakespeare gelesen, aber bei der Übersetzung von Alltäglichkeiten kläglich gescheitert. Was heißt Vergaser? Trostpflaster?

Circa 25.000 Studierende zählt die Radboud Universität in Nimwegen – circa 9.000 sind Studienanfänger. Saueressig: „Für das Studium in den Niederlanden werden Studiengebühren fällig. Im aktuellen Studienjahr 2026/27 sind das 2.694 Euro für ein Vollzeitstudium. Wir reden da vom ‚statuary tuition fee‘ – festgelegt von staatlicher Seite.“ Dieser Betrag gilt für Studienanfänger ohne Bachelor-Abschluss. Saueressig: „Studenten, auf die die ‚statuary tuition fee‘ nicht zutrifft, zahlen wesentlich höhere Gebührensätze.“ Deutsche Studierende haben – laut Information der Radbout Universität – verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten. Da wäre beispielsweise das Auslands-BAföG. Saueressig: „Eventuell kommen auch deutsche Stipendienprogramme infrage.“

Um für den Studiengang Physik zu werben, findet vor den Herbstferien ab dem 12. Oktober ein einwöchiger Schnupperkurs statt. Saueressig: „Wir haben da beispielsweise Verbindungen zur Gaesdonck – würden uns aber auch Verbindungen zu anderen Gymnasien am Niederrhein wünschen.“ Am 13. und 14. November findet nachmittags zudem ein uniweiter Informationstag für Bachelor-Studenten statt. Schulen, die am Schnupperstudium Physik und Astronomie interessiert sind, wenden sich an Jörg Hörandel (J.Horandel@science.ru.nl).

Der Campus in Nimwegen. Foto: Radbout Universität