Niederlande laden zum „Tag des Schlosses“ ein
Am Montag, 6. Juni, öffnen dutzende Schlösser und Landgüter ihre Tore
Das nationale Event zieht in jedem Jahr rund 80.000 Besucher aus dem In- und Ausland an. Das Publikum hat an diesem Tag die Möglichkeit, die Wohnstätten von Rittern und Edelleuten zu besichtigen. Fachkundige Guides veranstalten Führungen und machen die Besucher auf Besonderheiten des jeweiligen Schlosses aufmerksam. Im Freien finden Ausstellungen und Musik- und Theatervorstellungen statt. Falkner, Schmiede und Troubadoure geben Proben ihres Könnens.
Im Mittelalter gab es mehr als 2.700 Schlösser und Burgen in den Niederlanden, wovon heute noch über 600 erhalten geblieben sind und sich über fast alle Provinzen verteilen. Viele davon dienten früher als Festung oder Verteidigungsanlage. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie sich immer den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Heute sind viele dieser historischen Bauten in Form von Museen, familienfreundlichen Attraktionen, Hotels, Herbergen oder preisgekrönten Restaurants für die Öffentlichkeit zugänglich.
In der Region Utrecht gibt es eine Reihe von Schlössern und Landgütern, die überregional bekannt und von Nordrhein-Westfalen aus leicht zu erreichen sind. Sie liegen inmitten grüner Landschaften und liegen alle in kurzer Entfernung zueinander. Schloss Zuylen aus dem Jahr 1250 ist eines der ältesten Schlösser der Niederlande.
Um 1358 ließ Ritter Dirc Loef van Horne an der strategisch wichtigen Stelle, an der die Flüsse Maas und Waal zusammenfließen, ein Blockhaus errichten, das bald schon zum richtigen Schloss ausgebaut wurde. Schloss Loevestein wurde im 16. Jahrhundert als staatliches Gefängnis genutzt und ist seit dem 17. Jahrhundert Teil der Verteidigungslinie Hollandse Waterlinie. In der Geschichte des Schlosses spielte Wasser schon immer eine entscheidende Rolle. Passend dazu zeigt Slot Loevestein die Ausstellung „Denkend aan Water“, die bis zum 8. Januar 2023 zu sehen ist.
Schloss Amerongen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Bewohner spielten sowohl in der nationalen als auch in der europäischen Geschichte eine wesentliche Rolle. So wohnte der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) eineinhalb Jahre auf Schloss Amerongen und unterzeichnete hier 1918 seine Abdankungserklärung. Der Schreibtisch, an dem dies geschah, gehört auch heute noch zu der umfassenden Sammlung des Hauses.
In dem malerischen Dorf Haarzuilens liegt das größte Schloss der Niederlande, Kasteel de Haar. Zwischen 1892 und 1912 ließen Baron Etienne van Zuylen van Nijevelt und Baronin Hélène de Rothschild die Ruinen der mittelalterlichen Burg unter Anleitung des berühmten Architekten Pierre Cuypers zu einem imposanten Landhaus umbauen - Cuypers entwarf auch den Amsterdamer Hauptbahnhof und das Rijksmuseum. Ab den 1950er Jahren wurde das Schloss zu einem echten Hotspot für nationale und internationale Gäste wie Artistoteles Onassis, Coco Chanel, Maria Callas, Billy Wilder, Yves Saint.
Zu einem sehenswerten Museum wurde im Jahr 1878 Muiderslot. Davor war das Schloss fast komplett verfallen und wäre sogar fast abgerissen worden. Dazu kam es nie, weil sich König Willem I persönlich darum kümmerte und es schließlich von Star- Architekten Pierre Cuypers komplett renoviert wurde.
Haus Doorn ist das ehemalige Exil des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., der 1918 nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg in die neutralen Niederlande floh. Wilhelm lebte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1941. Das Interieur von Haus Doorn befindet sich noch in einem authentischen Zustand und vermittelt zusammen mit der Kunstsammlung ein interessantes Bild der europäischen Hofkultur.
Schloss Zuylen gehört zu den ältesten Schlössern der Niederlande. Foto: Trudelies de Graaf