"Digital koordinierter Hausbesuch im Fahrdienst der KV Nordrhein, Arzt dokumentiert Einsatz auf Tablet"
10. August 2026 · Niederrhein

Neustruktur des ärztlichen Fahrdienstes in Nordrhein

Fahrdienst-Reform bewährt sich: KV Nordrhein zieht positive Halbjahresbilanz

NIEDERRHEIN. Zum Jahresbeginn 2026 hatte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein den ärztlichen Fahrdienst im Rheinland grundlegend neu aufgestellt. Zunächst als Pilotprojekt im Raum Düsseldorf/Neuss, zum April dann in ganz Nordrhein. Nach gut einem halben Jahr im neuen System zieht der KV-Vorstand jetzt eine positive Bilanz: Die Neustruktur bestehend unter anderem aus zentral und digital gesteuerten Hausbesuchen sowie einem festen Pool an Diensthabenden mit einheitlichen Rahmenbedingungen funktioniert. Der hohe Zuspruch innerhalb der Ärzteschaft zeigte sich jüngst wieder bei der Dienstplanung für das vierte Quartal 2026: Innerhalb von nur zwölf Stunden wurden über 6.000 Dienste digital vorgeplant und vergeben. Damit sind sämtliche Fahrdienste bis Jahresende bereits heute vollständig personell besetzt.

Spürbare Entlastung für die Ärzteschaft

Seit Jahresbeginn ruht in Nordrhein die Verpflichtung der niedergelassenen Haus- und Fachärzte, Fahrdienste im Rahmen des ambulanten Notdienstes (abends, nachts, am Wochenende oder feiertags) zu übernehmen. Stattdessen führen Kooperationsärzte diese Besuche durch – also Mediziner, die sich bewusst und freiwillig für diese Aufgabe entschieden haben. Für die Niedergelassenen bedeutet das seitdem: keine verpflichtenden Fahrten mehr, keine spontanen Vertretungen, kein eigener PKW-Einsatz im ambulanten Notdienst. Durch die Kooperation der KV Nordrhein mit einem Dienstleister, der Fahrzeuge und Fahrer stellt, können sich die Mediziner im Fahrdienst nun voll auf die Vorbereitung und Nachbereitung der Besuche konzentrieren. Dazu kommt: Besonders zu den Nachtstunden ist die Begleitung durch einen Fahrer ein Sicherheitsgewinn. „Über 800 Kolleginnen und Kollegen haben sich aktiv für den neuen Fahrdienst entschieden und einen Kooperationsvertrag mit uns geschlossen. Das ist kein Zufall – das ist Vertrauen. Und es zeigt: Wir sind mit dieser Reform genau den richtigen Weg gegangen“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Weitere Verbesserung: Jede Kooperationsarzt ist während des Dienstes permanent mit der 116 117-Disposition der KV in Köln verbunden. Einsatzdaten und Patienteninformationen laufen von dort nun digital auf dem „Dienst-Tablet“ ein, noch bevor die Tür der Erkrankten erreicht wird. Sowohl die anschließende Dokumentation als auch die Abrechnung werden ebenfalls digital und damit papierlos unterstützt.

Struktur ermöglicht flexible Steuerung

Auch finanziell hat die Neustruktur mehr Klarheit geschaffen. Statt teils regional stark unterschiedlicher Umlagen für Ärzte gilt seit Jahresbeginn eine einheitliche Mitgliedsumlage für die Sitz- und Fahrdienststrukturen in Nordrhein von 242 Euro pro Quartal – für alle, transparent und solidarisch. In einigen Kreisen lagen die früheren Beiträge deutlich darüber. Für viele Ärzte bedeutet die Reform damit auch eine finanzielle Entlastung. Geliefert hat die Reform auch mit Blick auf den überarbeiteten Zuschnitt der Fahrdienstbezirke: Statt 54 kleinteiliger und teils völlig unterschiedlicher Fahrdienstbezirke gibt es nun 20 neu zugeschnittene Bereiche in ganz Nordrhein – erarbeitet auf Basis der Analyse tausender Einsatzfahrten und wissenschaftlich simuliert. Das ermöglicht eine flexible, „atmende“ Steuerung, auch innerhalb laufender Schichten und bei erhöhtem Bedarf, etwa an Brücken- und Feiertagen.

Verlässliche Versorgung

Für Patienten – vor allem für immobile und ältere Menschen – bedeutet die neue Struktur: verlässliche ärztliche Hilfe außerhalb der Sprechstundenzeiten, gesteuert über den kostenlosen Service der 116 117. Die Disposition der KV Nordrhein übernimmt die Koordination, der Kooperationsarzt ist auf dem Weg – informiert, vorbereitet, begleitet. Das spart Zeit und verkürzt Wartezeiten. „Unser Fahrdienst funktioniert, weil er auf echten Bedürfnissen aufgebaut ist: Auf dem Wunsch der Ärztinnen und Ärzte nach Planbarkeit und Entlastung – und auf dem Anspruch der Menschen in Nordrhein, auch nachts und am Wochenende verlässlich versorgt zu werden. Beides gelingt“, bilanziert auch Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorsitzender der KV Nordrhein.

Nach dem Einsatz direkt digital dokumentieren und den nächsten Einsatz vorbereiten: Hausbesuche im Fahrdienst der KV Nordrhein sind seit diesem Jahr flächendeckend digital koordiniert. KV Nordrhein/Anne Orthen