Mehr als nur ein Bild: Das Wandgemälde am Haus Steintor 3 in Emmerich. Foto: WfG Emmerich
28. Juni 2022 · Kurzmitteilungen

Neues Wandgemälde zeigt die Geschichte der Hanse

Das Werk am Steintor macht die Hansezeit in Emmerich erlebbar

EMMERICH. Der ein oder andere hat es schon erblickt, das neue Wandgemälde am Steintor 3 in Emmerich. Die Wand zeigt ein Motiv aus der Hansezeit mit dem Schriftzug „Hansestadt Emmerich am Rhein“. Emmerich war bereits vor Ende des 14. Jahrhunderts eine Hansestadt und lebte durch den Handel mit den Städten an Rhein und Ijssel. Sie ist Mitglied des internationalen Hansebundes, dem 190 Hansestädte aus 16 Ländern angehören.

Die WfG versucht seit Jahren, die Hanse in Emmerich wieder aufleben zu lassen, damit die geschichtsträchtige Vergangenheit der Stadt nicht in Vergessenheit gerät. Gemeinsam mit Kalkar mit Grieth, Wesel und Neuss wurde daher 2009 die Rheinische Hanse gegründet. Das Projekt „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Hansestädte damals und heute“ zielt darauf ab, die Erfahrungen der Hanse durch grenzüberschreitende Kooperationen zu fördern.

Im Rahmen dieses Projektes wurde unter anderem der Hanse-Radweg. Dieser ermöglicht das Radfahren entlang der Hansestädte, inklusive einem interaktivem Erlebnis. Dies ist nun mit den Wandmalereien, in denen Augmented Reality angewendet wird, möglich. AR ist die virtuelle Erweiterung der Realität um dreidimensional-registrierte und in Echtzeit-interaktive Elemente, die durch das Einscannen von QR-Codes auf den Wandmalereien möglich wird.

So sieht man die Welt der Wandmalerei mit einer zusätzlichen Informationsschicht. Es wird zum Beispiel ein zusätzlicher Händler aus dem Bild auftauchen und die Geschichte der Hansestadt Emmerich erläutern.

Bereits im November 2020 begann die Suche nach einer geeigneten Hauswand in Emmerich. Dies stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Es wurde dann die Wand des Gebäudes Steintor 3 ausgewählt.

Das Motiv ist nicht willkürlich gewählt. Hinter der Szenerie steckt eine Geschichte: Hansekaufmann und damaliger Bürgermeister Johann Berck handelt in der Szene mit einem weiteren Kaufmann und Kauffrau um Handelsgut. Abgebildet ist Johann Berck, der im Strandkorb Platz genommen hat, dargestellt von Monika Wirtz, der ehemaligen hauptamtlichen Stadtführerin von Emmerich. Die Familie Berck zählte um 1500 zu den angesehenen Familien der Stadt. Sie waren Kaufleute und Schiffer und haben dadurch Vermögen und Ansehen erlangt. Der Schöffe Johann Berck wurde 1499 Bürgermeister von Emmerich und gab aufgrund seines Reichtums und knapper Stadtkasse der Stadt ein Darlehen von 1.100 Rheinischen Gulden. Heute erinnert noch der Zugang zur Berckschen Kapelle in der Martinikirche an den ehemaligen Bürgermeister.

Der zweite Kaufmann auf dem Bild wird dargestellt von Emmerichs Bürgermeister Peter Hinze, die Hansekauffrau wird dargestellt von Dr. Manon Loock-Braun, seit mehr als 20 Jahren zuständig für die Tourismusförderung in Emmerich.

Aber was haben ein Strandkorb und die moderne Rheinpromenade in einer historischen Handelsszene zu suchen? Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Die heutige Promeniermeile war zur Hansezeit Warenumschlag- und Handelsplatz. Bei der Realisierung der Wandmalereien war es wichtig, dass die alte Hanse mit der neuen Hanse verknüpft wird, sodass eine lockere, aber doch sichtbare Verbindung zwischen der Hanse-Vergangenheit und der Gegenwart entsteht.

Mehr als nur ein Bild: Das Wandgemälde am Haus Steintor 3 in Emmerich. Foto: WfG Emmerich