Robin Gosens, Emmerichs Bürgermeisterin Claudia Lindlahr und Landschaftsarchitektin Jenny Humrich haben den neuen Waldspielplatz in Hochelten gemeinsam vorgestellt. Hier sitzen beziehungsweise stehen sie im "Steinkreis", einer Art Waldschule. NN-Foto: SP
16. Juni 2026 · Emmerich

Neuer Waldspielplatz in Hochelten: Fußballprofi Robin Gosens schafft Naturerlebnis für Kinder

Mit seiner Stiftung eröffnet der Fußballprofi einen 10.000 Quadratmeter großen Waldspielplatz, der Kinder wieder für Natur, Bewegung und Kreativität begeistern soll

EMMERICH. Mal das Smartphone zur Seite legen, der Natur lauschen und einfach mal träumen. Das ist nicht nur für Fußball-Profis wie Robin Gosens während einer anstrengenden Saison wichtig. „Wenn ich hier jetzt alleine wäre, würde ich die Augen zu machen, einfach nur daliegen und lauschen“, sagt Gosens, als er sich für Foto- und Videoaufnahmen kurz in eine große Hängematte auf dem von seiner „Träumen lohnt sich“-Stiftung umgesetzten Waldspielplatz in Hochelten legt. Schon einige Minuten zuvor hat sich der 31-jährige gebürtige Emmericher, der zurzeit für AC Florenz in der italienischen Serie A spielt, an die vielen glücklichen Momente in seiner Kindheit im Wald in Hochelten erinnert. „Ich gehöre zur letzten Generation, die noch ohne Smartphone aufgewachsen ist. Für uns gab es nichts Schöneres, als hier zu sein. Nach der Schule wurden die Tornister weggestellt und dann ging es ab in den Wald. Das war unser zweites Zuhause und hier sind immer die besten Ideen entstanden. Hier habe ich auch schon früher einfach gelegen und in den Himmel geschaut“, sagt Gosens, „da bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“.

Mit seiner „Träumen lohnt sich“-Stiftung möchte der Abwehrspieler, der seit 2020 24 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten hat, aktuell jedoch aus Deutschland heraus bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko als Fußballexperte in der ARD fungiert, vielen Kindern auch im heutigen Smartphone-Zeitalter eben diese glücklichen Momente bescheren. Genau deshalb hat Gosens mit seiner Stiftung in „seinem“ Wald am Englischen Hügel in Hochelten einen Waldspielplatz erschaffen, der an verschiedenen Stationen ganz unterschiedliche Möglichkeiten bietet.

„Auf unserem Waldspielplatz lässt man sich nicht vom Smartphone oder von Content und Reels berieseln, sondern von der Natur. Man kann selbst kreativ und aktiv werden“, sagt Gosens. Genau das fehle vielen Kindern heutzutage. „Viele haben gar kein Gefühl mehr für ihren Körper, weil sie zu viel sitzen“, sagt Gosens. Dabei sei es wichtig, schon in jungen Jahren die Koordination und Motorik zu schulen, weshalb der Fußballprofi, seine Frau Rabea und die „Träumen lohnt sich“-Stiftung zusammen mit Landschaftsarchitektin Jenny Humrich einen Spielplatz entworfen haben, wo Kinder und auch Jugendliche genau das – mitten im Wald in Hochelten – erlernen und vor allem erleben können.

Insgesamt 10.000 Quadratmeter ist der Waldspielplatz groß. Er ist naturnah gestaltet und besteht fast ausschließlich aus naturnahen Materialien. So sind die Spielgeräte etwa aus hochwertigem Robinienholz („das hält Jahrzehnte“) angefertigt. Der dazugehörige Laubbaum ist auch in seinem Ursprung im Wald in Hochelten zu finden. Unter anderem dieses Wissen vermitteln QR-Codes an jedem Spielgerät, die sich vor allem an Eltern und ältere Kinder beziehungsweise Jugendliche richten. Die Inhalte hinter den QR-Codes, die mit dem Smartphone digital abgerufen werden können, sollen aber nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Anregungen geben, wie auf dem naturaffinen Erlebnisspielplatz die Natur und das eigene Körpergefühl noch besser entdeckt beziehungsweise entwickelt werden können. Vor allem kleinere Kinder sollen den Waldspielplatz aber auch einfach selbst entdecken können. „Aus Langeweile sind bei uns früher die besten Ideen entstanden“, erinnert sich Gosens. Dieses Erlebnis wünsche er sich auch in digitalen Zeiten nicht nur für seine eigenen beiden Kinder, sondern für alle Kinder.

Zum Waldspielplatz, der per Schenkungsurkunde in den Besitz der Stadt Emmerich übergegangen ist und am kommenden Samstag um 11 Uhr offiziell eröffnet wird, gehören etwa Balancierbalken, die wie ein Spinnennetz angeordnet sind, ein Spielplatz mit Kletterhaus, Rutsche, einer (weiteren) Hängematte und Turnstangen, Stelzenpfosten, eine Werkbank sowie eine „Waldschule“ mit einem Sitzkreis und sogar einer Art Lehrerpult aus Steinen. „Hier sollen auch Schulen einen Waldunterricht abhalten können. Dafür gibt es auf der Stiftungshomepage einen Terminkalender, in den sich Kindergärten und Schulen nicht nur aus Emmerich eintragen können“, sagt Landschaftsarchitektin Jenny Humrich, die den Waldspielplatz in engem Austausch mit Gosens und seiner Stiftung konzipiert hat. Rund drei Jahre habe die Planungsphase aufgrund einer Menge Bürokratie gedauert. „Innerhalb von drei Wochen wurde hier alles aufgebaut“, verrät Humrich.

„Der Waldspielplatz ist wirklich eine Bereicherung der Emmericher Spielplatzlandschaft, die wir als Stadt selbst mit unseren derzeitigen finanziellen Mitteln nie hätten leisten können. Ich kann Robin Gosens, seiner Frau, der Stiftung und allen Unterstützern nur danken – auch für die Hartnäckigkeit, mit der sie am Ball geblieben sind“, betont Emmerichs Bürgermeisterin Claudia Lindlahr. Auch die Stadt Emmerich hat jedoch etwas zum Waldspielplatz in Hochelten beigetragen: Da sie auf dem Gelände für die Verkehrssicherheit zuständig ist, mussten die Mitarbeiter einige Bäume stutzen, um ein sicheres Spielen und Toben gewährleisten zu können. Das daraus resultierende Totholz wurde „im Wald gelassen“ und kann nun ebenfalls zum Spielen genutzt werden. Auch hier ist wieder die Kreativität der Kinder gefragt.

„Der Ort ist wirklich schön geworden. Einen solchen Spielplatz hätte ich mir als Kind hier auch gewünscht“, sagt Robin Gosens sichtlich stolz. Sein eigener Nachwuchs hat den Waldspielplatz sogar bereits ausgiebig getestet. „Mein älterer Sohn kann das hier besser als ich“, sagt Gosens lachend, als er selbst einmal die Balancierstangen austestet. Sein Lieblingsplatz sei aber ohnehin die große Hängematte. Von hier aus könne man nämlich perfekt abschalten, den Insekten und Vögeln zuschauen und zuhören (für sie gibt es extra Insektenhotels und Nistkästen) und einfach nur träumen. Träumen lohnt sich eben.

Info: 115.000 Euro hat der Waldspielplatz in Hochelten insgesamt gekostet. Rund 15.000 Euro kamen durch ein Crowdfunding der Volksbank Emmerich-Rees zusammen. Sie sponserte auch die gesamte Beschilderung des Erlebnisspielplatzes. Horst Derksen, die Tischlerei Schlichtenbrede und die Firma Gartenlandschaftsbau Landers haben die auf dem gesamten Gelände verteilten Bänke und Tische finanziert, an denen gerne auch gegessen und getrunken werden kann. Mülleimer gibt es aber bewusst keine. „Hier appellieren wir an die Eigenverantwortung, alles auch wieder mitzunehmen“, sagt Robin Gosens.

Am kommenden Samstag, 20. Juni, wird der Waldspielplatz um 11 Uhr offiziell eröffnet. Studierende der Hochschule Rhein-Wahl bieten zwei geführte Rundgänge an, die über den kinderpädagogischen Hintergrund informieren und zum Ausprobieren einladen sollen. Außerdem beantwortet Robin Gosens im „Steinkreis“ die Fragen von hoffentlich neugierigen Kindern. Für Essen und Trinken ist ebenfalls gesorgt. Die daraus erzielten Einnahmen sollen einem guten Zweck zugutekommen. Von 15 bis 16 Uhr wird es zudem Live-Musik geben. Darüber hinaus schaut Ballonkünstler Maik Schugt vorbei.

Weitere Informationen zum Waldspielplatz und zur „träumen lohnt sich“-Stiftung gibt es online unter https://traeumenlohntsich.de.

Einfach mal abhängen: Robin Gosens hat in der großen Hängematte schon einmal Probe gelegen. NN-Foto: SP

Einfach mal abhängen: Robin Gosens hat in der großen Hängematte schon einmal Probe gelegen. NN-Foto: SP

Auf dem Spielplatz können sich Kinder auf vielfältige Art und Weise austoben oder in der Hängematte ausruhen. NN-Foto: SP

Auf dem Spielplatz können sich Kinder auf vielfältige Art und Weise austoben oder in der Hängematte ausruhen. NN-Foto: SP

Das Balancieren auf den Balancierstangen ist gar nicht so einfach, wie auch Robin Gosens feststellen musste. Geschafft hat er es trotzdem. NN-Foto: SP

Das Balancieren auf den Balancierstangen ist gar nicht so einfach, wie auch Robin Gosens feststellen musste. Geschafft hat er es trotzdem. NN-Foto: SP

Robin Gosens, Emmerichs Bürgermeisterin Claudia Lindlahr und Landschaftsarchitektin Jenny Humrich haben den neuen Waldspielplatz in Hochelten gemeinsam vorgestellt. Hier sitzen beziehungsweise stehen sie im "Steinkreis", einer Art Waldschule. NN-Foto: SP