Stellten die neuen Tafeln vor: (v.l.) Dr. Marion Brüggler, Steve Bödecker, Bürgermeister Thomas Görtz und Christian Schmitz (Baubetriebshof DBX). NN-Foto: Thomas Langer
29. September 2024 · Xanten

Neue Tafeln informieren zum Niedergermanischen Limes

Birten: An drei Stellen gibt es spannende Erläuterungen zum Unesco-Welterbe

BIRTEN. Das Unesco-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes“ ist mit 44 Fundplätzen auf rund 400 Kilometern entlang des Rheins nicht nur groß, die ehemalige Außengrenze des römischen Reiches verläuft für viele Menschen sogar direkt vor der eigenen Haustür. Das gilt auch für Birten: An drei Stellen erläutern hier nun neue Informationstafeln mehr zum kulturellen Schatz, der sich auf dem Fürstenberg verbirgt.

Besonders spannend: In den Jahrzehnten nach der Varusniederlage 9 n. Chr. mauserte sich das Legionslager „Vetera castra“ zu einem der größten in der Geschichte des Römischen Reiches. Es nahm fast den gesamten Fürstenberg in Anspruch und beherbergte gleich zwei Legionen auf einmal. „Das war selten“, erklärt Limeskoordinator Steve Bödecker und lässt sich auch in eindrucksvollen Zahlen ausdrücken: Mehr als 10.000 Soldaten waren hier stationiert, hinzu kamen ebenso viele Personen und Angehörige, die im bebauten Umfeld lebten und arbeiteten. „Dieses Bodendenkmal spielt in der internationalen Forschung eine große Rolle“, sagt Bödecker.

Das liegt mit am großartigen Zustand der Spuren der Fundamente: Die Umrisse seien heute noch durch Luftbilder erkennbar, erzählt Dr. Marion Brüggler, Leiterin der Xantener Außenstelle des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege – es handle sich um eine regelrechte „Zeitkapsel“, wie sie sagt. „Es ist alles noch da, teils nur knapp unter der Erde.“ Gleichzeitig, so betont sie, sei die Forschung noch lange nicht am Ende. Mit modernen Hilfsmitteln wie einem Bodenradar sollen die bereits vorhandenen Rekonstruktionen des Lagers non-invasiv – also ohne zu graben – nach und nach vervollständigt und Lücken geschlossen werden.

„Hier gibt es wahnsinnig viel zu entdecken“, betont auch Bödecker. Daher können sich die Verantwortlichen für die Zukunft auch weitere Angebote vorstellen, die das Welterbe auf dem Fürstenberg noch erlebbarer machen. Das könne ein Rundweg sein, oder eben auch eine Spurensuche anhand technischer Hilfsmittel, wie etwa einem Archäoskop. Um die weitere Ausarbeitung solcher Pläne kümmert sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern und Experten von Stadt, LVR und APX.

In die römische Geschichte des Ortes eintauchen kann man aber schon jetzt mit den erwähnten Infotafeln: am Dorfplatz an der Römerstraße, an der Arena und auf dem Fürstenberg selbst mit einem umfassenden Blick über die Landschaft, auf der das Lager einst stand. Die Tafeln sollen Passanten auf das Welterbe aufmerksam machen und die Geschichte dahinter vermitteln. Und zwar allen Gesellschaftsschichten: „Wir wollen in die Breite gehen“, sagt Steve Bödecker. QR-Codes auf den Schildern vermitteln dabei nicht nur zusätzliche Informationen, sondern halten jene teils auch in einfacher Sprache bereit.

Wer vor der Tafel auf dem Dorfplatz steht und nach links blickt, kann übrigens noch eine andere Besonderheit entdecken: eine Nachbildung des vermutlich ältesten Grabsteins nördlich der Alpen, der wohl auf die Zeit der Varusschlacht zurückdatiert und augenscheinlich im Gedenken an einen gefallenen Centurio durch dessen Bruder errichtet wurde.

Die Herstellung der Schilder erfolgte über das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW. Aufgestellt hat die Tafeln der Dienstleistungsbetrieb der Stadt Xanten. Als Limes-Standort tritt die Stadt, die die weitere Pflege der Tafeln übernimmt, auch bundesweit in Erscheinung: Als Mitglied des Vereins „Deutsche Limes-Straße“ und über das dazugehörige Netzwerk.

Stellten die neuen Tafeln vor: (v.l.) Dr. Marion Brüggler, Steve Bödecker, Bürgermeister Thomas Görtz und Christian Schmitz (Baubetriebshof DBX). NN-Foto: Thomas Langer