Neue Präsentationen in St. Nicolai
Retro-Foto-Ausstellung zum Camino francés, Messkelche aus 600 Jahren und ein Priesterjubiläum
KALKAR. „Das ist aber witzig“, sagte die Besucherin am vergangenen Samstag, als sie die mittelalterlichen Kommentare des englischen Santiago-Pilgers in der Kreuzkapelle studierte. Recht derbe werden dort die Essgewohnheiten, die Gästebehandlung oder die Unterkunftsbeschreibungen charakterisiert: Andere Länder, andere Sitten. Auch aus anderen Ecken Europas werden zum Teil bissige Kommentare aus jahrhundertealten Pilgerführern zitiert. Zum Kulturpfad-Wochenende in Kalkar gibt es in St. Nicolai zwei zusätzliche Präsentationen.
Damit gibt die Nikolaus-Bruderschaft Gelegenheit, zu den großen Schätzen aus dem Mittelalter und den beim herbstlichen Licht leuchtenden modernen Fenstern zwei weitere Besonderheiten zu sehen. Zudem hat der Förderverein von St. Nicolai inzwischen mit einem QR-Code die Möglichkeit geschaffen, sich die Erläuterungen zu den Fenstern und die Altären von einer Internetseite aus www.stnicolai.de sogar von einer netten Dame vorlesen zu lassen.
Unter dem Jakobus-Fenster von Karl Martin Hartmann gibt es eine Retro-Foto-Ausstellung zum Camino francés, dem Hauptweg der Santiago-Pilger von den Pyrenäen zum Jakobsgrab in Santiago de Compostela: Nach der Erklärung zum Welt-Kulturerbe hat der Jakobsweg sich in den Städten ebenso wie auf den einsamen Fluren deutlich verändert.
Frühe Pilger vor Hape Kerkeling werden mit Wehmut sich an die diese „altspanischen“ Gebäude und Wege erinnern. Roland van Wegen hat nach 15 Jahren in der Schatzkammer Neues zu zeigen: Die Chormäntel und Gewänder aus der Zeit um 1525 zeigen nunmehr ihre „schönere“ Seite: Die Rückenschilde gleichen bis ins Detail den Gemälden im Hochaltar. Die Verschiedenheit der Gesichter, die wunderbaren Gewänder, die bewegten Szenen kommen in den über Monate oder sogar Jahre bestickten Kaseln so ausdrucksvoll zur Geltung, als hielten sie den Moment im Foto fest. Erstaunlich genug, wie sich solche Schätze über 500 Jahre erhalten haben. Zudem zeigt die Schatzkammer aktuell einen Querschnitt an Messkelchen aus immerhin 600 Jahren. Neben den jetzt in der unteren Reihe präsentierten Kelchen von 1400 oder 1600 der ständigen Präsentation zeigt die obere Plattform nun zehn Kelche aus den umliegenden Pfarren, die zum Teil aus der Neuzeit nach dem Konzil stammen.
Die Fülle der Formen und Materialien ist erstaunlich. Kleine Erläuterungen bieten Hintergrundinformationen oder zeigen die Inschriften, die oft auf der Unterseite der Kelche eingraviert sind. Manche dankbare Gemeinde hat so ihrem Pfarrer zum Jubiläum gratuliert. Andere Kelche wurden geschenkt zur Primiz, der ersten Messfeier eines Neugeweihten. Zum Kulturpfadwochenende ist St. Nicolai wie auch St. Antonius Hanselaer am 28. und 29. September von 11 bis 17 Uhr geöffnet am Samstag und Sonntag. Mitglieder der Nikolaus-Bruderschaft stehen zu Fragen bereit. Unter www.katholisch-kalkar.de finden sich weitere Informationen zu Konzerten oder Führungen.
An diesem Sonntag ist auch mit dem goldenen Priesterjubiläum von Pater Hans Peters SVD um 11 Uhr eine Festmesse mit der Nikolaus-Kantorei und dem Pankratius-Chor geplant. Die Besucher sind zum Empfang anschließend eingeladen.
Die Verschiedenheit der Gesichter, die wunderbaren Gewänder, die bewegten Szenen kommen in den über Monate oder sogar Jahre bestickten Kaseln so ausdrucksvoll zur Geltung, als hielten sie den Moment im Foto fest. Foto: Alois van Doornick