Beim Einzug in die Materborner Mehrzweckhalle herrschte bereits gute Laune. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
6. Februar 2026 · Kleve

Narr oder KI? Jeck GPT mischt bei Germania Materborn mit

Die Germania Materborn feierte wieder eine gelungene Gala mit Humor, Tanz, Late-Night-Show und einem Abschied

KLEVE. Es war nicht Sitzungspräsident Tobias Grundmann, der die Karnevalisten bei der diesjährigen Gala der Germania Materborn zuerst begrüßte, sondern eine künstliche Stimme aus den Lautsprecherboxen. „Ich stelle nun eine lustige Karnevalssitzung für Euch zusammen. Einen Moment bitte“, kündigte diese an, ehe die Karnevalsmelodie „Jetzt geht’s los. Wir sind nicht mehr aufzuhalten“ ertönte. Unter dem Motto „Wej fiere wie nie met JeckGPT“ stand die diesjährige Karnevalssitzung der Germania Materborn in der Materborner Mehrzweckhalle nämlich unter der Fragestellung: Wer feiert besser? Narr oder KI?

Ohne Künstliche Intelligenz (KI) kam jedoch noch die obligatorische Darbietung des Germania-Liedes zum Start in die Karnevalssitzung aus. Germania-Sänger Dieter Litjens trug dieses in diesem Jahr allerdings zum letzten Mal vor. „Du gehst zwar von der Bühne, aber bleibst immer ein Teil unserer Germania-Familie“, sagte Sitzungspräsident Grundmann. Litjes habe sich zudem eine „Goldene Schallplatte“ für all die unvergesslichen Auftritte verdient.

Nachdem die sechs bis elfjährigen Tänzerinnen der „Germania Smarties“ ihren allerersten Gardetanz auf der Germania-Bühne zeigten, hielt Janis Reintjes als „Schüsterken“ die erste sich reimende Bütt des Abends über aktuelle Klever Themen. „Ich bin wieder da. Keine Animation, kein Avatar. Kein Fake, kein dies oder das. Ich bin das Schüsterken aus der Unterstadt“, sagte Reintjes, der sehr schnell aber auch sehr ernst wurde: „Bei all dem Elend, Streit und den Kriegen frage ich mich manchmal sehr wohl, ob der Mensch tatsächlich intelligent sein soll. Er zerstört seinen eigenen Lebensraum Tag für Tag, verletzt andere nur, weil er sie nicht mag. Denkt ,Hey, ich bin schlau, weil ich es kann‘, steht aber jeden Sonntag bei Heicks (die Bäckerei Heicks; Anm. d. Red.) in der Schlange für ein paar Brötchen an.“

Besonders brisant werde es, wenn jemand an einer ganz wichtigen Position stehe und ihm gleichzeitig völlig die Intelligenz fehle: „Ihr ahnt schon, wen ich meine. Den Träger von Infantinos erfundenen Friedenspreis. Den großen Friedensnobelpreis möchte Donald kriegen und alle sollen ihm dankend zu Füßen liegen. Ich bin mir sicher, er bekommt ihn schon bald – entweder freiwillig oder mit Waffengewalt.“ Das „Schüsterken“ sprach aber auch lokale Themen wie den RE10 („Liebe Politik, könnt Ihr bitte ein Ende in dieses Chaos bringen“) oder das viel diskutierte Oktoberfest-Plakat im vergangenen Jahr an. „Vorweg: Ich bin gegen Sexismus und für die Würde der Frau. Aber warum um ein Oktoberfest-Plakat so viel Palaver und Radau? Sicherlich soll und muss man darüber sprechen, aber es würde sich keiner eine Zacke aus der Krone brechen, wenn er oder sie es auf dem mündlichen Weg probiert und einfach kurz mit den Verantwortlichen telefoniert hätte? Dann hätte es auch nicht so ein großes Echo gegeben.“

Viel Beachtung hatte jedoch in diesem Jahr wieder der Preisträger des Narrenburgordens verdient, den die Germania Materborn am Samstag zum inzwischen vierten Mal wieder verlieh: Er ging in diesem Jahr an die Heimatfreunde Materborn, die sich bereits seit 1963 für die Belange der Materborner Bürger einsetzen. Die Heimatfreunde Materborn seien „ein Verein, der seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass Materborn nicht nur irgendein Ort auf der Landkarte ist, sondern ein Herzstück voller Geschichte, Gemeinschaft und Heimatgefühl“, würdigte Laudator Markus Kock.

Nach der Preisverleihung ging es mit einem Gardetanz von Lisa Isat und Melia Gansior weiter. Das Gardeduo der neuen und noch wachsenden Gruppe „Germania Sparks“ hatte in nur vier Wochen einen beeindruckenden Gardetanz einstudiert, den sie auf der Bühne der Mehrzweckhalle zeigten.

Mit den Klugscheißern Rotzwita (Christina Strähnz) und Matzel (Simon Döhmen) standen dann wieder zwei echte Profis auf der Germania-Bühne. Beide konterten wieder wie gewohnt witzig und wortgewandt den teilweise frechen Sprüchen des jeweils anderen. Später am Abend stand Rotwita alias Christina Strähnz als „Berlin City Girl“ auch noch zum ersten Mal alleine in der Bütt.

Mit dem Travestiekünstler Julie Voyage besuchte in diesem Jahr wieder ein echtes kölsches Urgestein die Materborner Mehrzweckhalle. Julie Voyage, die vor zwei Jahren schon einmal bei der Germania zu Gast war, war um keinen Spruch verlegen und sang dazu auch noch kölsche Lieder – beim Materborner Publikum kam diese Mischung sehr gut an.

Nachdem Showtanz der Fidelinchen der KG Fidelitas Materborn zum Thema Zeit und dem Besuch des Klever Prinzen Tobi der Träumende nahm dann Markus Kock mit seiner wie immer sehr gelungenen „Late-Night-Show“ wieder die lokalen Klever Themen unter die Lupe. Natürlich ließ dieser die vergangene Kommunalwahl – und die damit verbundene Abwahl des nun ehemaligen Klever Bürgermeisters Wolfgang Gebing – nicht unerwähnt. „Als ersten Bürger der Stadt haben wir jetzt keinen Rechtsanwalt mehr, sondern den Leiter des Rechnungsprüfungsamtes. Ich frage mich jetzt: ist das schon der Insolvenzverwalter oder kommt der erst noch?“ Zudem spielte Kock auf die über 20-jährige American Football-Vergangenheit des neuen Klever Bürgermeisters Markus Dahmen an: Er hätte gedacht, Dahmen starte jetzt mit Vollpower wie Bud Spencer durch die Defense-Reihen von Rat und Verwaltung und mache einen Beschluss nach dem anderen. „Touchdown, Bam!“

Kurz vor dem Ende der diesjährigen Germania-Gala gab es dann noch eine weitere gelungene Premiere: Die neu formierten „Germania Sunlights“ zeigten einen sehr sehenswerten Showtanz zum Thema Pizzaservice. Den Schlusspunkt auf der Bühne setzten wie jedes Jahr wieder die „Läkker Mädjes“ mit einer stimmungsvollen tänzerischen Darbietung zu bekannten kölschen Liedern.

Sabrina Peters
Das Publikum war gut drauf. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Das Publikum war gut drauf. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Dieter Litjens trug das Germania-Lied zum letzten Mal vor. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Dieter Litjens trug das Germania-Lied zum letzten Mal vor. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Bunt kostümiert verfolgten viele Besucher den Abend. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Bunt kostümiert verfolgten viele Besucher den Abend. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die „Germania Smarties“ zeigten einen Garde-Tanz. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Die „Germania Smarties“ zeigten einen Garde-Tanz. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Janis Reintjes überzeugte wieder als „Klever Schüsterken“. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Janis Reintjes überzeugte wieder als „Klever Schüsterken“. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Der Narrenburgorden ging in diesem Jahr an den Heimatverein Materborn. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Der Narrenburgorden ging in diesem Jahr an den Heimatverein Materborn. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Lia Isat und Melia Gonsior zeigten als Garde-Duo der „Germania Sparks“ einen Gardetanz. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Lia Isat und Melia Gonsior zeigten als Garde-Duo der „Germania Sparks“ einen Gardetanz. NN-Foto: Rüdiger Dehnen

Christina Strähnz und Simon Döhmen waren als „Rotzwita“ und „Matzel“ wieder die „Klugscheißer“. NN-Foto: Sabrina Peters

Christina Strähnz und Simon Döhmen waren als „Rotzwita“ und „Matzel“ wieder die „Klugscheißer“. NN-Foto: Sabrina Peters

Julie Voyage aus Köln war wieder ein Stargast des Abends. NN-Foto: Sabrina Peters

Julie Voyage aus Köln war wieder ein Stargast des Abends. NN-Foto: Sabrina Peters

Markus Kocks „Late-Night-Show“ sorgte wieder für viele Lacher im Publikum. NN-Foto: Sabrina Peters

Markus Kocks „Late-Night-Show“ sorgte wieder für viele Lacher im Publikum. NN-Foto: Sabrina Peters

Die „Germania Sunlights“ zeigten einen Tanz zum Thema Pizzaservice. NN-Foto: Sabrina Peters

Die „Germania Sunlights“ zeigten einen Tanz zum Thema Pizzaservice. NN-Foto: Sabrina Peters

Die „Läkker Mädjes“ tanzten zu stimmungsvollen kölschen Liedern. NN-Foto: Sabrina Peters

Die „Läkker Mädjes“ tanzten zu stimmungsvollen kölschen Liedern. NN-Foto: Sabrina Peters

Auch Kleves Prinz Tobias der Träumende besuchte die Germania-Gala. NN-Foto: Sabrina Peters

Auch Kleves Prinz Tobias der Träumende besuchte die Germania-Gala. NN-Foto: Sabrina Peters

Beim Einzug in die Materborner Mehrzweckhalle herrschte bereits gute Laune. NN-Foto: Rüdiger Dehnen