Die neue Ausstellung im Museum Schloss Moyland ist eine „Tour de France durch die Fotografiegeschichte“. (Auf dem Bild: „Die Frau in blauem Kleid“, um 1880). NN-Fotos: Rüdiger Dehnen
6. Februar 2026 · Bedburg-Hau

Museum Schloss Moyland eröffnet die neue Porträtfotoausstellung „In the Picture“

Generationen durch die Linse – zwischen 1850 und Heute

BEDBURG-HAU. Als „Tour de France durch die Fotografiegeschichte“, bezeichnet Dr. Antje-Britt Mählmann, künstlerische Direktorin im Museum Schloss Moyland, die neue Ausstellung „In the Picture“. In zehn Räumen erleben die Besucher ab Sonntag, 8. Februar um 14 Uhr bei ihrem Rundgang sowohl den technischen Fortschritt hinter der Fotografie als auch die Entwicklung der Kunstform: Von einer eher strengen, performativen Dienstleistung, zur kreativen Ausdrucksform, die Emotionen aufnimmt und festhält.

Erstmalig zeigt das Museum damit eine Auswahl aus seiner hauseigenen Fotosammlung, die – abzüglich Joseph Beuys‘ Werke – insgesamt etwa 15.000 Bilder umfasst, davon etwa 1300 Poträts. Die Brüder und Gründer der Stiftung Museum Schloss Moyland, Hans und Franz Joseph van der Grinten, hatten die Fotos als Teil ihrer eigenen umfangreichen Kunstsammlung an das Museum gestiftet und somit an den Niederrhein gebracht. Sie entstammen Flohmärkten und Antiquariaten in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und sogar Australien oder den Vereinigten Staaten.

Kuratorin Reggy Havekes-van Creij präsentiert in „In the Picture“ 380 Fotografien aus fast 200 Jahren Geschichte. Für mehr als 300 Fotos davon ist es die erste Ausstellung. Dabei stehen sich die Epochen sozusagen gegenüber. Der Gang von der Eingangstür nach links, bringt einen zu den Anfängen der Fotografie, Mitte des 19. Jahrhunderts. Rechts kommt man zu den moderneren Werken.

„Können Sie sich vorstellen, für ein Foto 20 Minuten still zu sitzen?“, fragt Havekes-van Creij in die Runde. So lang habe der Prozess früher gedauert, als man Foto-Negative via Daguerreotypie und Ambrotypie noch auf versilberten Kupfer- beziehungsweise Glasplatten erhielt. Das Positiv erschien dann durch eine schwarze Beschichtung der Platte auf der Rückseite. Die Porträtfotografie ab den 1850er-Jahren war teuer und aufwendig, „es war ein großes Ereignis für eine Familie, zum Fotografen zu gehen“, sagt Havekes-van Creij weiter. Eine Art für die gesellschaftliche Elite, sich so darstellen zu lassen, wie sie nach außen wirken wollte. Nicht lächeln, starre Posen vor einer inszenierten Kulisse in einem Atelier. „Es ging um Präsentation und Identität“, betont Reggy Havekes-van Creij. Passend dazu stellt die Ausstellung Privatpersonen in den Vordergrund. „Ab 1850 war es technisch einfacher, Bilder zu vervielfältigen. Die Menschen nutzten ihr Porträt so zum Beispiel als Visitenkarte. Ab 1870 wurden auch Sammelbilder beliebter. Dann von berühmten Personen wie etwa Kaiser Wilhelm“, erläutert die Kuratorin. Auch wissenswert: Egal ob Vaseline auf der Linse für einen Weichzeichner-Effekt oder die nachträgliche Coloration von Kleidung, Bilder konnten von Beginn an bereits manipuliert werden.

Ab 1920 bildeten Künstler wie Georg Schedele und August Sander dann langsam die Brücke zur Moderne. „Fotografen wollten raus aus dem Atelier und wurden unabhängiger. Fotografieren war nicht mehr nur eine Dienstleistung, sondern konnte von den Künstlern selbst freier gestaltet werden“, erklärt Havekes-van Creij. Die Porträts von Schedele sind für die Kuratorin ein Highlight der Ausstellung, da sie wortwörtlich Unbekanntes zeigen: „Schedele war eher für seine Landschaftsfotografie und Blumen bekannt. In unserer Sammlung fanden wir jedoch viele Porträtfotos, von denen nicht einmal die Verwalter von Schedeles Nachlass wussten.“ August Sanders Porträts dagegen sind bekannt und zeigen das Leben während der Weimarer Republik und der immer fortschreitenden Industrialisierung. Es folgt ab den 20er-Jahren die Darstellung der selbstbewussten Frau mit Modellen wie Sängerin Josephine Baker und Schauspielerin Grete Jacobson, die von „Madame d‘Ora“, Dora Kallmus in Szene gesetzt wurden. Die 30er erzählen vom Surrealismus und der abstrakten Porträtfotografie, schließlich finden sich die Besucher in den 50ern wieder. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es erst einmal still in der Porträtfotografie. Das hätte zu diesem Zeitpunkt einfach nicht gepasst“, sagt Reggy Havekes-van Creij. Dafür ist die Zeit danach voll mit Emotionen. Die Porträts zeigen Momente der Entlassung aus Kriegsgefangenschaft, zwei sich küssende Liebende, Fröhliches in Pfützen springen im Sommer sowie Augenblicke der Andacht. Auch Bilder von berühmten Künstlern wie Pablo Picasso oder Vivienne Westwood können bestaunt werden. Ebenfalls gibt es ein Porträt von Altkanzler Konrad Adenauer zu sehen. Eine besondere Perspektive auf den Mann an seinem 90. Geburtstag in Bonn, 1966, fotografiert von Robert Lebeck.

Wer nach dem Besuch der Ausstellung selbst Lust hat, fotografisch aktiv zu werden, kann sich für diverse Workshops im Februar und März anmelden. Alle Informationen dazu und auch Termine für Führungen gibt es online unter www.moyland.de. Des Weiteren können Interessierte an einem interaktiven Gewinnspiel teilnehmen. Einfach in der Fotoecke im Westturm ein Sofortbild von sich machen und dieses in den Sozialen Medien unter dem Hashtag „Moyland“ posten oder per Direktnachricht an das Team des Museums senden. Unter allen Einsendungen bis Ostermontag, 6. April wird ausgelost. Zu gewinnen gibt es zwei Freikarten sowie ein Überraschungspaket zur Ausstellung.

Porträt von Altkanzler Konrad Adenauer an seinem 90. Geburtstag in Bonn, 1966. Fotografiert wurde er von Robert Lebeck.

Porträt von Altkanzler Konrad Adenauer an seinem 90. Geburtstag in Bonn, 1966. Fotografiert wurde er von Robert Lebeck. Foto: Ruediger Dehnen

Fotografin Elina Brotherus begab sich mit ihren Selbstporträts auf die Spuren Joseph Beuys‘. Die Bilder entstanden während einer Zusammenarbeit mit dem Museum Schloss Moyland.

Fotografin Elina Brotherus begab sich mit ihren Selbstporträts auf die Spuren Joseph Beuys‘. Die Bilder entstanden während einer Zusammenarbeit mit dem Museum Schloss Moyland. Foto: Ruediger Dehnen

Die neue Ausstellung im Museum Schloss Moyland ist eine „Tour de France durch die Fotografiegeschichte“. (Auf dem Bild: „Die Frau in blauem Kleid“, um 1880). NN-Fotos: Rüdiger Dehnen