Mobile Klinik aus Kevelaer leistet lebenswichtige Hilfe in Homs
Aktion pro Humanität sichert medizinische Versorgung und plant weitere Winterhilfen
KEVELAER. Seit knapp einem Jahr ist die mobile Klinik, die die Aktion pro Humanität von Kevelaer aus auf den Weg nach Syrien brachte, nun im Einsatz. Und obwohl die Lage für die Menschen in Syrien alles andere als gut ist: die kleine mobile Praxis rollt und versorgt Tag für Tag kranke Menschen in der Region Homs.
Erzbischof Jacques Mourad, mit dem APH nach wie vor versucht, regelmäßig sich auszutauschen – per Telefon oder WhatsApp - berichtet, dass es ein „Segen“ sei für die Menschen in seinem Land, die ohne diese Hilfe vom Niederrhein keine medizinische Betreuung hätten. Und doch ist die politische und humanitäre Lage in Syrien alles andere als gut, die Menschen finden keine Arbeit, der Wiederaufbau kommt nur langsam voran, Energiepreise sind kaum noch zu bezahlen – und der Winter steht vor der Tür. Und doch hat der Erzbischof Zeit gefunden, einen Gruß an den Niederrhein zu schicken und ein paar Fragen zu beantworten.
Monsignore Mourad, eine Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen persönlich derzeit? Und wo befinden Sie sich gerade?
Erzbischof Jacques Mourad: Ich bin derzeit in Homs, Syrien, und ich bin sehr besorgt über die politische und wirtschaftliche Lage in meinem Land. Und auch wegen der Zunahme fanatischer Taten einiger Muslime, die aus der Türkei oder von anderswo zurückgekehrt sind und sich vor einigen Jahren dem Islamischen Staat angeschlossen hatten.
Wie ist die Lage der Christen in Ihrem Land?
Erzbischof Jacques Mourad: Die Christen geben die Hoffnung nicht auf – auch wenn es keine Hoffnung gibt. Sie sind mutige Gläubige, die fest in ihrem Glauben und ihrer christlichen Identität verwurzelt sind. Trotz des in jeder Hinsicht schwierigen Lebens – auch wirtschaftlich – leben christliche Familien wie alle anderen in Syrien von nichts, von der Vorsehung. Wir dachten nach dem Sturz des Regimes von Baschar, dass sich die Dinge zum Besseren wenden würden, dass wir nicht mehr um die Verteilung von Lebensmittelhilfen bitten müssten, aber heute leiden die Menschen in Syrien mehr unter Hunger und Durst als zuvor. Warum? Keine Antwort …
Ist die mobile Klinik, die die Stiftung „Aktion pro Humanität“ dank großzügiger Spenden aus der Region Niederrhein einrichten konnte, noch in Betrieb?
Erzbischof Jacques Mourad: Ja, natürlich. Dank der Initiative der „Aktion pro Humanität“ funktioniert die mobile Klinik einwandfrei und versorgt jede Woche regelmäßig kranke Menschen in der Region um Homs.
Wie viele Menschen können dank dieser mobilen Klinik versorgt werden?
Erzbischof Jacques Mourad: Jede Woche etwa 100 bis 120 Menschen.
An Bord des Fahrzeugs befinden sich Christen und Muslime?
Erzbischof Jacques Mourad: Ja.
Im Jahr 2025 hat Papst Leo XIV. Sie zum Mitglied des Dikasteriums für den interreligiösen Dialog ernannt. Sie warnen immer wieder vor der Islamisierung Syriens. Findet Ihre Stimme Gehör?
Erzbischof Jacques Mourad: Nun, derzeit gibt es offiziell keinen direkten Kontakt zu den muslimischen Religionsbehörden, aber auf der Ebene der Bevölkerung führen wir regelmäßig Treffen durch.
Information
Aktiv in Syrien ist die APH seit den Kriegszeiten in 2017. Nachdem es 2023 in der Türkei und in Syrien zum großen Erdbeben kam und Krisen- und Katastrophenhilfe überlebenswichtig war, kam der APH zusammen mit Erzbischof Jacques Mourad der Gedanke für eine mobile Praxis, um dabei zu helfen, die medizinische Grundversorgung der circa 20.000 Menschen am Ostrand des Bistums Homs sicherzustellen – nahe und teils in der syrischen Wüste. Der syrische Arzt christlichen Glaubens, der Internist Dr. Fehmi Raddah, wird dabei von einem muslimischen Krankenpfleger und einem Chauffeur und inzwischen auch einer Hebamme unterstützt. „Damit strahlt das Projekt nach außen auf die Menschen in der Region den unerschütterlichen Geist der Geschwisterlichkeit aus. Interreligiosität ist das A und O bei solcher humanitären Arbeit“, sagt Dr. Elke Kleuren-Schryvers, APH-Vorstandsvorsitzende.
Die Mobile Klinik im Einsatz.
Die Aktion pro Humanität kümmert sich nach wie vor um die Finanzierung und den Unterhalt der „mobilen Klinik“. Zudem wird APH den Menschen in Syrien rechtzeitig vor dem Winter noch mit Heiz- und Stromkostenhilfen unterstützen. Wer mithelfen möchte, kann eine Spende leisten unter dem Stichwort „Syrien“ bei der Volksbank an der Niers.
Die Freude bei Monsignore Mourad war groß, als die mobile Klinik, „Hope from Kevelaer“, vor knapp einem Jahr in Homs ankam. Fotos: privat