Menschen demonstrieren für Frieden: Anna Lipp, Heike Kehl, Heike Waldor-Schäfer, Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Pfarrer Paul Hagemann, Thomas Hitzfeld-Evers, Okko Herlyn.
25. Juni 2026 · Kevelaer

Miteinander für den Frieden

Friedensparcours zur interreligiösen Friedenswallfahrt in Kevelaer geplant

KEVELAER/KREIS KLEVE. Frieden geht nur im Miteinander: Daher findet auch in diesem Jahr wieder die interreligiöse Friedenswallfahrt statt. Am Sonntag, 5. Juli, von 14 bis 17.45 Uhr lädt auf dem Kapellenplatz in Kevelaer ein Friedensparcours zum Mitmachen ein, um – gemäß dem Motto – gemeinsam „Wege des Friedens“ aufzutun.

2015, bei der Premiere, lautete die Überschrift noch „I have a dream“. Diesen Satz können sie aber alle auch heute noch unterschreiben: Vertreter des Christentums, des Judentums und des Islams kommen bei der interreligiöse Friedenswallfahrt zusammen, um das zu tun, was gerade vielen schwerfällt: gemeinsam für den Frieden einzustehen. Gerade im Kontext des Nahost-Konflikts ist das keine Selbstverständlichkeit mehr, wie Pfarrer Paul Hagmann sagt. „Viele ähnliche Initiativen sind abgestorben, aber dieses kleine Pflänzchen in Kevelaer gibt es noch.“

2025, als es hieß, „Wege zum Frieden“ zu finden, ging es zu Fuß vom Solegarten zum Priesterhaus. Dieses Mal gibt es zentriert am Kapellenplatz einen Parcour. „Man kann daran sehen, dass die Wege zum Frieden gesucht werden müssen und unterschiedlich sind“, sagt Dr. Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion pro Humanität (APH).

Dieses Mal waren die Vorbereitungen besonders schwierig. „Einmal haben wir abgebrochen, weil wir bemerkt haben, dass wir näher am Weltkrieg als am Frieden sind. Wie sollten wir das gestalten?“, erzählt Kleuren-Schryvers. Beim nächsten Anlauf habe es dann aber geklappt. Nun gestaltet sich Programm sogar noch etwas variabler für verschiedene Altersgruppen.

Stationen für den Frieden

Ursprünglich wollten die Organisatoren eine Friedenswerkstatt ausrufen. „Es muss ja zum Ausdruck kommen, dass man am Frieden arbeiten muss“, kommentiert Kleuren-Schryvers. In Relation zur Friedenswallfahrt wurde es am Ende aber doch ein Parcour: „Man muss sich anstrengen und auf einer Wallfahrt gibt es ja auch verschiedene Stationen.“

Vor allem jüngere Teilnehmer sind eingeladen, Friedensinfluencer zu werden und ihre Gedanken, Gebete und Wünsche als virtuelle Tauben in den Himmel zu schicken.

Mit Hilfe des Gartencenters Breuer versorgt der Pflanztisch die Besucher mit Olivenbäumchenzweigen und nützlichen Tipps für den Olivenbaum zuhause. Über den Kleider-Sammeltisch können wiederum neue oder sehr gut erhaltene Sommerkleidungstücke für Flüchtlinge auf Lesbos gespendet werden. „Dort kommen viele Flüchtlinge an und haben wirklich nichts mehr“, erklärt Heike Waldor-Schäfer von der APH. „Es ist eine symbolische Geste, dass wir miteinander auf dem Weg sind.“

Auch der „long table“, der lange Tisch auf dem Kapellenplatz, kehrt zurück. Hier können Menschen gemeinsam essen, trinken und miteinander ins Gespräch kommen, um zu erfahren, was sie eigentlich verbindet.

Okko Herlyn und Heike Kehl steuern wiederum das Friedenskabarett bei: Es wird musikalisch, poetisch und literarisch. „Über die Erzählung von der Kriegstüchtigkeit kann man politisch diskutieren, uns fehlt aber eine Gegenerzählung“, sagt Okko Herlyn. Er und Heike Kehl werden daher eine Auswahl aus ihrem abendfüllenden Friedensprogramm treffen – und setzen dabei auch auf Humor. „Das hellt die Veranstaltung ein wenig auf.“ Frei nach Hüsch („Frieden fängt beim Frühstück an“) möchte Kehl dabei aber auch den Umgang miteinander in den Fokus rücken. „Ich selbst sage immer gerne: Frieden fängt beim Autofahren an. Wo kann ich also selbst mal mit dem Frieden in meinem Umfeld anfangen?“

Hilfe gibt es dieses Mal von den Pfadfindern Weeze-Kervenheim, die das Friedenszelt aufbauen, in dem die Geistlichen – Paul Hagemann (Pfarrer St. Marien Kevelaer), Ahmed Aweimer (Zentralrat der Muslime in Deutschland) und Michael Rubinstein (Gemeindedirektor Israelitische Religionsgemeinschaft Würtembergs) – weitere Impulse liefern.

Für Pfarrer Paul Hagemann, der zum dritten Mal dabei ist, ist das Format etwas „Schönes und Zukunftsweisendes“. Anfangs seien die Dialoge zwischen den Religionen vor Ort vielleicht noch etwas hölzern gewesen, sagt Dr. Elke Kleuren-Schryvers. „Jetzt ist es aber sehr geschwisterlich.“ Es sei ermutigend, dass man mittlerweile auch schwierigere Themen ansprechen könne. „Man findet einen Weg und das ist das erbaulichste Zeichen: dass das aus frohem Herzen möglich ist.“

Freuen sich, gemeinsam mit vielen weiteren Menschen für den Frieden einzustehen: (v.l.) Anna Lipp (Pfadfinder Weeze-Kervenheim), Heike Kehl, Heike Waldor-Schäfer (APH), Dr. Elke Kleuren-Schryvers (APH), Pfarrer Paul Hagemann, Thomas Hitzfeld-Evers (Pfadfinder) und Okko Herlyn. NN-Foto: Thomas Langer