Elle Ellis steht stolz mit ihrem Bestseller "Newport Bay Club", rangiert auf Platz sechs der Spiegel-Bestsellerliste. Foto von Thomas Langer.
19. September 2026 · Weeze

Mit Liebe zum Bestseller

Die Weezer Autorin Elle Ellis hat es mit „Newport Bay Club“ auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft

WEEZE. Einmal einen Bestseller schreiben – es ist der Traum unzähliger Autoren. Für Elle Ellis aus Weeze ist er bereits in Erfüllung gegangen: Mit Teil eins des „Newport Bay Club“ hat es die 29-Jährige auf Platz sechs der Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Es ist der Lohn einer großen Leidenschaft.

Elle Ellis ist dieser besondere Meilenstein mit ihrem siebten Buch geglückt. Und die Fans müssen nicht lange ausharren: Teil zwei erscheint bereits im August und auch Buch Nummer 9 liegt schon in den Händen der Verleger.

Im Gespräch mit der emsigen Autorin stellt sich schnell heraus: Früh übt sich ganz offensichtlich auch beim Schreiben. „Ich habe bereits in der Grundschule damit angefangen“, erinnert sich Ellis. „‘Die Hexenschule‘ war meine erste etwas längere Geschichte.“ Ab der 8. Klasse grätschte jedoch das Leben hinein und andere Hobbys brachten das Schreiben zum Erliegen.

Doch geraume Zeit später rückte die Welt der Bücher für sie schon auf neue Art in den Fokus: „Seit 2017 habe ich eine Community auf Instagram, mit der ich immer über Bücher spreche.“ Noch ein paar Jahre später, im Lockdown der Coronapandemie, flammte dann auch die alte Leidenschaft wieder auf. Ihr Debut ließ nicht lange auf sich warten: „Autumn In Your Eyes“ erschien 2022 und bereits der Titel verrät ihr Hauptthema: die Liebe. Dieses begleitet sie aber nicht nur stets beim Schreiben, sondern auch beim Lesen anderer Bücher, oder beim Schauen von Filmen und Serien. „Ich lese manchmal auch gerne Fantasy, aber mein Herz schlägt für Liebesgeschichten“, sagt sie mit einem Lachen.

Ihre Community stellte sich auch bei ihrem Wiedereinstieg als Autorin als große Stütze heraus. „Ich habe mich mit anderen über mein neues Buch ausgetauscht. Sie sind wirklich toll, da macht das Ganze noch mal mehr Spaß!“

Stolz und Erleichterung

Aber wie fühlt man sich, wenn man auch noch unverhofft in der Bestseller-Liste landet? Vor allem stolz, sagt sie. „Es war aber auch erst einmal eine Erleichterung, da es mehr Sichtbarkeit bringt“, fügt Ellis hinzu. Parallel zum allgemein gestiegenen Medienkonsum würden nämlich auch immer mehr Bücher erscheinen, „da kann man in der Masse schnell untergehen.“ Reich ist sie damit bislang aber noch nicht geworden. Dafür seien kreative Jobs selten geeignet. „Ich arbeite immer noch als Erzieherin“, erzählt sie.

Mit „Newport Bay Club“ hat sich Elle Ellis zum ersten Mal dem Genre der „Romantic Suspense“ verschrieben: Sie vermengt also die nach wie vor im Fokus stehende Romantik mit einer ordentlichen Portion Spannung. „Sonst schreibe ich immer cozy, also sehr gemütlich. Aber das hat sehr viel Spaß gemacht!“, sagt sie. Wie man es von ihr gewohnt ist, geht es auch dieses Mal emotional zu: „Die Figuren wachsen über sich hinaus und auch die Leser können immer etwas vom Buch für sich mitnehmen“, erläutert die Autorin.

Zum Inhalt: Protagonistin Hazel stammt aus einem Trailer-Park und findet im namensgebenden Country-Club in Kalifornien nach dem Tod ihres Freundes eine zweite Familie. Dann taucht Carter auf: Eine Beziehung zu einem Gast ist allerdings streng verboten. „Was sie nicht weiß: Carter ist Undercover-Cop und ermittelt im Club. Und dieser ist nicht so sicher, wie Hazel eigentlich denkt“, erläutert Ellis.

Mit der kleinen Neuausrichtung hin zu mehr Spannung ging für Elle Ellis ein gewisser Mehraufwand einher. „Ich musste viel mehr vor- und ausarbeiten, was in den Kapiteln passiert, damit auch alles logisch ist.“ Hinzu kam eine intensivere Recherche, „gerade wegen des Undercover-Cops.“ Ungefähr vier Monate habe sie am Buch geschrieben. Mit Lektorat, schätzt sie, sei es ein halbes Jahr gewesen.

Ein Power-Paar der Bücherwelt

Wenn Elle Ellis an ihren Geschichten arbeitet, kann sie sich stets auf die Hilfe ihres Freundes Jannik Unger verlassen – selbst Autor und aktiv als Blogger sowie auf Instagram und TikTok. „Ich habe immer ganz viele Karteikarten, die ich dann auf dem Wohnzimmerboden ausbreite. Dann überlege ich mir Kapitelüberschriften“, sagt Ellis. Die großen Wendepunkte kenne sie schon zu Beginn. „Die sortiere ich grob so ein, dass sie ungefähr jeweils nach einem Drittel eintreten.“ Gemeinsam überlege das Paar schließlich, was in den jeweiligen Kapiteln sonst noch passieren könnte. „So entsteht ein Konstrukt, das immer mehr Sinn ergibt.“ Der Blick von außen sei wertvoll, um vor allem Logikfehler aufzudecken, für die man selbst blind sei.

Neben lobenden Zuschriften gebe es solch ein Feedback manchmal sogar direkt von den Lesern. „Das ist selten, aber es kommt vor.“ Manchmal gehe es bei solcher Kritik, vermutet Ellis, aber auch einfach nur um persönlichen Geschmack. Eine ihrer Reihen spielt zum Beispiel am Broadway. „Einige Musicaldarsteller haben es gelobt. Andere, die sich vielleicht mit dem Musicalthema auskannten, fanden es unlogisch. Ich glaube, da spielt immer auch das persönliche Gefühl hinein.“

Den Gedanken ihren Lauf lassen

Sich selbst bezeichnet Elle Ellis als Tagträumerin. Keine schlechte Eigenschaft für eine Autorin: Gepaart mit ihrer größten Inspirationsquelle, dem Meer, würden ihre Gedanken schnell auf Wanderung gehen und die Vorstellungskraft einsetzen. „So laufen am Ende viele Fäden zusammen“, erzählt sie begeistert.

Einen Tipp dafür, wie man einen Bestseller landet, kann Elle Ellis zwar nicht geben, sehr wohl aber für‘s Schreiben an sich: „Beim allerersten Buch einfach drauf los schreiben, Spaß haben und gucken, ob es auch wirklich Spaß macht.“ Einen Kopf ums Schreibprogramm oder einen Verlag sollte man sich nicht machen. „So habe ich es auch mit meinem ersten Buch gehalten. So kriegt man das beste Gefühl dafür, ob es etwas für einen ist – ob es in den Fingerspitzen kribbelt.“ Und die Ideen, die Geschichten selbst? „Die kann man nicht erzwingen. Die finden einen.“

Auch Jannik Unger findet ermutigende Worte: „Mit jedem Wort und jeder Seite wird man besser. Schreiben ist ein Handwerk“, sagt er. „Man lernt noch in zehn Jahren dazu, selbst wenn man vorher schon seine ‚Stimme‘ findet.“

Elle Ellis jedenfalls gehen die Ideen auch nach fast zehn Büchern nicht aus. „Ich habe ganz viele. Ich glaube, ich kann auch niemals aufhören zu schreiben.“ Wenn sie kein laufendes Projekt habe, fühle sie sich regelrecht leer. Sie zuckt mit den Schultern. „Es ist einfach meine Leidenschaft.“

Elle Ellis hat es geschafft: „Newport Bay Club“ ist in der Spiegel-Bestsellerliste bis auf Platz sechs geklettert. NN-Foto: Thomas Langer