Mit dem „Wurm“ durch sechs Länder: Thomas Hommen plant 2.500-Kilometer-Radtour durch Europa
Extremradfahrer Thomas Hommen startet seine 2.500-Kilometer-Tour durch Europa – von Deutschland bis Italien und zurück
ALPEN. Eigentlich hatte sich Thomas Hommen vorgenommen, in diesem Jahr seine jährliche mehrwöchige Radtour komplett durch Deutschland zu planen. „Städte, in denen ich noch nie war“, sollte das Motto lauten. Doch daraus wurde nichts. „Ich habe angefangen zu planen, aber ich bin mit der Route einfach nicht warmgeworden. Und dann sollte man es lassen. Denn dann macht es keinen Spaß“, begründet der Extremradfahrer aus Alpen, der mit seinem „Wurm“, wie er sein Fahrrad mit elektronischer Unterstützung liebevoll nennt, am Niederrhein täglich unterwegs ist. Einmal im Jahr soll es aber eine größere, spannendere und aufregende mehrwöchige Tour werden, die ihn in diesem Jahr ab Mitte Mai für zweieinhalb Wochen durch insgesamt sechs Länder führen wird.
Wie meistens wird der 58-Jährige auch dieses Mal seine Tour wieder im bayerischen Wolfratshausen starten. Am 17. Mai soll es dann von dort aus über Rosenheim und Traunstein nach Inzell gehen. Einen Tag später möchte Hommen dann Deutschland in Richtung Österreich verlassen, wo Radstadt das erste Ziel sein soll. „Dorthin möchte ich über Salzburg fahren. Da ich schon mal in Salzburg war, plane ich dort keine Übernachtung, sondern fahre direkt weiter“, berichtet Hommen.
Auch seine diesjährige Tour habe er so geplant, dass vor allem Städte dabei seien, in denen er noch nie war. „Bis auf Mantua in Italien war ich tatsächlich noch nirgendwo“, berichtet Hommen, der im vergangenen Jahr einmal den italienischen Stiefel in etwa vier Wochen entlangfuhr und dabei Land und Leute lieben lernte. Auch deshalb wird ihn seine diesjährige Tour auch wieder durch Italien führen: Nach Leoben, Graz, Maribor (Slowenien) und Sloweniens Hauptstadt Ljubljana wird Monfalcone die erste italienische Stadt sein, die Hommen anradeln wird. Anschließend stehen Treviso, Mantua, Bergamo, Vercelli, Turin sowie Arona auf dem Plan. Von dort aus soll es dann weiter in die Schweiz gehen, wo Pianezzo in der Gemeinde Bellinzona das erste Ziel sein wird. Hommens weiterer Plan ist schließlich, über Trun nach Lindau am Bodensee und Ulm zurück nach Wolfratshausen zu fahren, wo er Anfang Juni wieder ankommen möchte. 2500 Kilometer ist die geplante Fahrradroute insgesamt lang. Außerdem verfügt sie über 20.000 Höhenmeter und führt durch die sechs Länder Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien, Schweiz und Liechtenstein.
„Meine längste Etappe wird von Treviso nach Mantua sein. Sie ist etwa 150 bis 160 Kilometer lang, aber dafür sehr flach. Deshalb geht das schon. Um mir abends Mantua aber noch ansehen zu können, muss ich mich schon ranhalten und früh losfahren“, sagt Hommen, für den die italienische Stadt Treviso aber auch schon eines der Highlights darstellt: „Treviso ist so eine Art Klein-Venedig mit vielen Kanälen, aber deutlich weniger Touristen.“
Im Vergleich zum vergangenen Jahr bietet Hommens Radtour 2026 aber deutlich mehr Abwechslung. Die Italien-Rundreise sei zwar sehr schön gewesen, „aber in der vierten Woche war es mir irgendwann auch zu viel. Es war irgendwann fast immer das Gleiche: eine schöne Piazza, eine schöne Kirche und eine Altstadt.“ Dieses Mal seien die Unterschiede zwischen den Städten wesentlich größer – auch weil Hommen durch insgesamt sechs Länder – beginnend und endend mit Deutschland – reisen wird. „Das ist dann schon wesentlich spannender und macht mehr Spaß. Deshalb freue ich mich auch schon sehr drauf, zumal jetzt nicht so die absoluten touristischen Highlights dabei sind, sondern viele kleinere Städte“, begründet Hommen.
Geplant hat der Alpener die Tour wie immer weit im Voraus. Was auch notwendig sei, um entsprechende Unterkünfte zu finden. Denn in jeder Stadt hat Hommen bereits eine Übernachtung gebucht. „In Pianezzo bekam ich erst noch die Rückmeldung, dass sie mir eine Alternative buchen müssen, weil sie Ende Mai, wenn ich da bin, renovieren wollten. Am nächsten Tag habe ich dann noch mal mit der Dame telefoniert und da meinte sie, dass sie ihre Renovierung in den September verschoben haben, weil sie dann keine Buchungen haben und sie im Mai noch drei andere Gäste umbuchen müssten, was aber zu aufwendig wäre“, berichtet Hommen. Ansonsten sei die Planung für dieses Jahr ohne besondere Vorkommnisse verlaufen. „Ich bin überall schnell fündig geworden, was nicht immer so ist, weil ich ja auch immer einen Stellplatz für mein Fahrrad brauche. Aber selbst in Turin passte direkt die erste Unterkunft, die ich rausgesucht hatte, was vor allem in Großstädten nicht immer so ist“, sagt Hommen. Die Schweiz sei in der Regel natürlich teurer, da er aber abseits der Touristenhochburgen übernachte, sei auch das kein Problem gewesen. Erfahrungsgemäß würde aber immer bei den Radtouren die ein oder andere Überraschung auf ihn warten. „Einmal musste ich mein Fahrrad in den sechsten Stock tragen. Obwohl ich mittlerweile gut weiß, worauf ich achten muss, passiert sowas immer mal wieder. Dabei habe ich aber festgestellt, dass Tragödie plus Zeit eine Komödie ergibt. Denn was in dem Moment erstmal eine Katastrophe ist, ist im Rückblick mit etwas Zeit dazwischen immer eine humorvolle Geschichte“, sagt Hommen. Auch deshalb freue er sich, Mitte Mai wieder für eine längere Radtour auf sein Fahrrad mit elektronischer Unterstützung zu steigen.
Die Route
Wolfratshausen, Inzell, Radtstadt, Leoben, Graz, Maribor, Ljubljana (Laibach), Monfalcone, Treviso, Mantua, Bergamo, Vercelli, Turin, Arona, Pianezzo, Trun, Lindau, Ulm und Wolfratshausen
Thomas Hommen im vergangenen Jahr bei seiner großen Italien-Rundreise. Archivfoto: Hommen