"Ankunft in Emmerich: Judith Mörschel und Uwe Franken nach 100 km Rheintour an der Rheinpromenade."
19. August 2026 · Emmerich

Mit dem SUP-Board von Düsseldorf nach Emmerich: 100 Kilometer für einen sauberen Rhein

Judith Mörschel und Uwe Franken paddeln fünf Tage für den Rhine Clean Up – und sammeln unterwegs reichlich Müll. Die Städte Emmerich, Kleve und Rees beteiligen sich am nächsten RCU-Aktionstag am 12. September.

EMMERICH/REES/KLEVE. Fünf Tage auf dem Rhein liegen hinter Judith Mörschel und Uwe Franken. Allerdings nicht auf einem Schiff – auf zwei Boards haben die beiden Stand-Up-Paddler die rund 100 Kilometer von Düsseldorf nach Emmerich zurückgelegt. Es sei ein „sportlich-ehrgeiziger Wettbewerb“ gewesen, erzählt Franken nach der Ankunft auf der Rheinpromenade. Und gleichzeitig viel mehr, denn mit ihrer Tour engagieren sie sich für die Umweltorganisation Rhine Clean Up (RCU) und machen auf den nächsten Aktionstag am Samstag, 12. September, aufmerksam. Dann werden bundesweit wieder rund 50.000 Helfer erwartet, die am Rhein und 30 weiteren Flüssen in Deutschland die Uferbereiche von Müll befreien.

Für die beiden Stand-Up-Paddler aus Mannheim ist es nicht die erste Fahrt auf dem Rhein in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr ging es von Andernach nach Düsseldorf, nun folgte die nächste Etappe auf Deutschlands längstem Fluss. „Stand-Up-Paddeln auf dem Rhein ist nichts für Anfänger“, betont Judith Mörschel. Zu Strömung und Berufsschiffsverkehr kommt auch das Wetter. „Am ersten Tag war es sehr heiß“, erzählt Uwe Franken. Immerhin konnten sie sich im Wasser abkühlen. „Sonst war es sehr angenehm“, sagt Franken und fügt mit Blick auf das oft sonnig-warme Wetter lachend hinzu: „Sonne ist geil.“

Kühlboxen und Klappstühle am Rhein bei Wesel gefunden

Bei aller Freude über ihr „Lieblingshobby“ haben sie nie ihr „Lieblingsehrenamt“ aus den Augen verloren: das Engagement für den Rhine Clean Up und das Müllsammeln. Auf der Fahrt von Düsseldorf nach Emmerich wurde einmal mehr deutlich: „Dort, wo Menschen nicht hinkommen, sind die Ufer recht sauber. Dort, wo Menschen sind, ist es teilweise leider superdreckig“, berichtet Franken. So haben sie an einem Strandabschnitt vor Wesel neben kaputten Stühlen unter anderem auch drei große Kühlboxen gefunden, weniger später noch vier weitere. Wenn möglich, haben sie den Müll kurzerhand auf ihre Boards geladen und bei nächster Gelegenheit richtig entsorgt. Die Kühlboxen beispielsweise landeten im Hafen Emmelsum in einem Container.

Was ihnen in den fünf bis sechs Stunden, die sie täglich auf dem Wasser verbracht haben, besonders aufgefallen ist: „Rund um Großstädte sind die Flüsse immer extrem schmutzig“, berichtet Mörschel. Rund um Industriegegenden finde man beispielsweise viel Industriemüll aus Metall, bedingt auch durch das aktuelle Niedrigwasser. Für Franken steht fest: „Wir müssen uns sorgsamer gegenüber der Natur verhalten.“

"Vertreter von Rhine Clean Up und Städten beim Aktionstag am 12. September, Umweltschutz in Emmerich, Kleve und Rees."

Werben für den Aktionstag am 12. September: Vertreter von "Rhine Clean Up", der Städte Emmerich, Kleve und Rees sowie weiterer Organisationen aus der Region. NN-Foto: Michael Bühs Foto: NN/Michael Bühs

In Emmerich werden Mörschel und Franken unter anderem von RCU-Geschäftsführer Joachim Umbach, den stellvertretenden Bürgermeistern Gerd Gertsen aus Emmerich und Josef Gietemann aus Kleve, Ludger Braam von der Sparkasse Rhein-Maas sowie den Klimaschutzbeauftragten Hanna Kirchner (Emmerich) und Christine Klanten (Rees) begrüßt.

Umbach freut sich, dass die beiden Ehrenamtler „nach großer Anstrengung sicher hier angekommen sind“. Die Promotion-Aktion habe einmal mehr die Notwendigkeit gezeigt, auf die Verschmutzung von Flüssen wie dem Rhein aufmerksam zu machen. „Der Müll, den Judith und Uwe aufgesammelt haben, wäre sonst ebenfalls in die Meere gelangt“, hebt Umbach hervor und zitiert aus einer Studie der Universitäten Bonn und Tübingen. Demnach fließen jährlich zwischen 30 bis 40 Millionen Makro-Müllteile, die größer als zweieinhalb Zentimeter sind, über den Rhein in die Nordsee. Das entspricht einem Gesamtgewicht von 3.000 bis 4.700 Tonnen. Laut Umbach habe die Studie damit gezeigt, „dass die Vermüllung des Rheins 40-mal höher, als bisher geschätzt wurde“.

Rund 550.000 Plastikflaschen – Vorsicht vor alter Munition

Weiter habe die Studie ergeben, dass 70 Prozent besagter Makro-Müllteile aus Kunststoff sind. 40 Prozent sind Einwegprodukte; darunter finden sich rund 550.000 PET-Flaschen kleiner als 0,5 Liter, „mehr als 100.000 kommen von Coca-Cola“, berichtet Umbach aus der Studie. Ebenfalls sehr häufig sind Verpackungen von Süßigkeiten im Rhein zu finden – mehr als 1,1 Millionen sind es, wie die Wissenschaftler aus Bonn und Tübingen festgestellt haben.

Bei diesen Mengen stellt sich die Frage, wie viel eine Aktion wie der RCU-Tag am 12. September bewirken kann. Doch wie Joachim Umbach betont, gehe es nicht nur um das Müllsammeln. Es gehe auch darum, auf die Verschmutzung des Rheins aufmerksam zu machen. „Unsere Umwelt ist derart verschmutzt, dass jedes Teil Müll, dass wir aufsammeln, ein kleiner Beitrag zu ihrem Schutz ist.“ Insgesamt sei der RCU im Raum Emmerich, Rees und Kleve „immer eine Erfolgsgeschichte“, sagt Umbach und merkt an, der Aktionstag in diesem Jahr „Chance und Risiko zugleich“ biete. Eine Chance, weil durch das Niedrigwasser Uferbereiche von Müll befreit werden können, „die wir sonst nicht erreichen können“.

Allerdings auch ein Risiko, weil vermehrt alte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden könnte. „Da ist höchste Vorsicht geboten“, sagt Umbach. Mirjam Schenke von der RCU-Geschäftsführung ergänzt: „Wir werden vor dem Aktionstag anschreiben, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie etwas Verdächtiges finden.“ Weitere Informationen auch dazu sind unter www.rhinecleanup.org/de zu finden.

Ankunft in Emmerich: Judith Mörschel und Uwe Franken erreichen nach rund 100 Kilometern auf dem Rhein das Ufer unterhalb der Rheinpromenade. Foto: privat