Mission Weltraum am Niederrhein
17 Mädchen erobern die Bundeswehr in Kalkar und Uedem
KALKAR/UEDEM. Mathe-Hausaufgaben gegen Satelliten-Schutz getauscht, für 17 Schülerinnen vom Niederrhein wurde der diesjährige Girls‘Day zur „Mission zwischen Himmel und Weltraum“. Wer dachte, beim Air Component Command in Kalkar oder dem Weltraumkommando in Uedem gäbe es nur graue Schreibtische, wurde schnell eines Besseren belehrt. In Kalkar lernten die 15-Jährigen direkt an der Basis, wie vielseitig der Dienst wirklich ist. An der Station des Sanitätsdienstes wurde klar, dass es hier um weit mehr als bloße Erste Hilfe geht, es ist Hightech-Versorgung unter enormem Zeitdruck. Gleich nebenan wurde es für die Teilnehmerinnen deutlich körperlicher. Sie durften die persönliche Ausrüstung unter die Lupe nehmen, die jede Soldatin und jeder Soldat im Alltag beherrschen muss. Schutzweste, Gefechtshelm mit Nachtsichtgerät und die verschiedenen Rucksackarten einmal selbst anzuheben und anzuprobieren, sorgte für staunende Gesichter. „Ganz schön schwer“, lautete der Tenor, als die Mädchen am eigenen Leib erfuhren, was Fitness und Belastbarkeit in der Praxis bedeuten. Richtig heiß wurde es schließlich bei der Bundeswehrfeuerwehr. Hier hieß es „Hands on“ statt nur zuschauen, die Mädchen erlebten, wie man komplexe Technik kontrolliert, wenn es brennt.
Ein paar Kilometer weiter, auf dem Paulsberg in Uedem, wartete das futuristische Herz der Bundeswehr. Im Weltraumkommando wurde den Schülerinnen klar, dass Science-Fiction am Niederrhein längst Realität ist. Die Überwachung der sogenannten „Weltraumlage“ klingt kompliziert, ist aber für den Alltag, vom Instagram-Feed bis zum Navi im Auto, überlebenswichtig. Die Mädchen blickten den Profis über die Schulter und lernten, wie man Kollisionen im All verhindert und Satelliten vor Schrott oder gezielten Angriffen schützt. Das Herzstück des Tages war jedoch der „Talk ohne Filter“. An den interaktiven Mitmach-Stationen wurde nicht nur angepackt, sondern Tacheles geredet. Die Schülerinnen nutzten die Chance und löcherten die Soldatinnen mit Fragen: Wie lebt es sich als Frau in der Kaserne? Wie hart ist das Studium oder die Ausbildung bei der Bundeswehr wirklich? Die Antworten kamen direkt, ehrlich und auf Augenhöhe von Frau zu Frau. Ob Logistik-Expertin, Lebensretterin im Sanitätsdienst oder Wächterin über den Weltraum, der Tag hat gezeigt, dass die Standorte Kalkar und Uedem Jobs auf Weltniveau bieten, und das direkt vor der Haustür. „Wir wollten den Horizont erweitern“, so das Fazit der Organisatoren. Das ist zweifellos gelungen. Die 17 Mädchen wissen jetzt: Der Weg ins All oder in eine Spitzenkarriere startet vielleicht genau hier, zwischen den Äckern und Kasernen des Niederrheins.
Die Teilnehmerinnen bewiesen beim Löschangriff echtes Fingerspitzengefühl und vor allem Kraft, denn es ist gar nicht so einfach, gegen den Druck des Wassers gegenzuhalten. Foto: Partrick Bransmöller