Mehr Sicherheit und individuelle Therapie bei Gebärmutterkrebs
Neues Zentrum am Evangelischen Krankenhaus Wesel
WESEL. Die Behandlung von Gebärmutterkrebs hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit dem neuen Zentrum für Gebärmutterkrebs am Evangelischen Krankenhaus Wesel erhalten Patientinnen nun eine spezielle Anlaufstelle, die Diagnostik, Therapieplanung, operative Behandlung und Nachsorge bündelt und konsequent an der individuellen Erkrankung ausrichtet.
Wenn Ärzte heute Gebärmutterkrebs behandeln, treffen sie die Therapieentscheidung längst nicht mehr allein nach Tumorgröße, Stadium oder klassischen Risikofaktoren. Neue Erkenntnisse aus der Molekularbiologie zeigen immer genauer, wie sich ein Tumor verhält und welche Behandlung tatsächlich sinnvoll ist. Für Patientinnen eröffnet das bessere Chancen, weil sich Therapien präziser auswählen lassen. Gleichzeitig wächst damit aber auch die Komplexität. Wer betroffen ist, braucht nicht nur medizinische Qualität, sondern auch ein Team, das Zusammenhänge verständlich erklärt und den Weg durch Diagnostik, Operation, medikamentöse Therapie und Nachsorge sicher strukturiert. Genau an diesem Punkt setzt das neue Zentrum für Gebärmutterkrebs auf dem Gesundheitscampus Wesel an.
Das neue Zentrum ist am Gynäkologischen Krebszentrum des EVK Wesel angesiedelt und damit Teil des DKG-zertifizierten Onkologischen Kompetenzzentrums Niederrhein. So arbeiten spezialisierte Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten aus den Fachbereichen Onkogynäkologie, Onkologie, Strahlentherapie und viele mehr eng zusammen. Für Patientinnen bedeutet das vor allem eines: Sie müssen sich in einer für sie so belastenden Situation nicht selbst durch verschiedene Therapieoptionen navigieren, sondern erhalten Diagnose und Therapie aus einer Hand. Diagnostik, Therapieplanung, operative Eingriffe, ambulante Behandlungen und Nachsorge greifen hier an einem Standort ineinander; kurze Wege und feste Ansprechpartner sollen dazu helfen, Entscheidungen schneller und nachvollziehbarer zu treffen. „Viele Frauen erleben die Diagnose zunächst als tiefen Einschnitt. In dieser Situation entstehen nicht nur medizinische Fragen, sondern auch große Unsicherheit“, weiß Nicole Sigrist-Uhl, Leitung des Gynäkologischen Krebszentrums am EVK Wesel und Initiatorin des neuen gebündelten Angebotes. „Wir möchten, dass Patientinnen verstehen, was ihre Erkrankung bedeutet, welche Optionen es gibt und warum wir eine bestimmte Behandlung empfehlen.“
Ein besonderer Schwerpunkt des neuen Zentrums liegt auf der molekularen Diagnostik. Das Team bezieht Marker wie beispielsweise den sogenannten MMR-Status, p53 oder POLE konsequent in die Therapieplanung ein. Diese Informationen helfen dabei, das individuelle Risiko genauer einzuschätzen und Behandlungen gezielter auszuwählen. Das kann bedeuten, wirksame Therapien früh und konsequent einzusetzen. Es kann aber auch heißen, auf Schritte zu verzichten, die wenig zusätzlichen Nutzen bringen und Patientinnen unnötig belasten würden. Die Verantwortlichen am Standort verbinden damit einen klaren Anspruch: moderne Medizin mit Augenmaß.
„Nicht jede Therapie ist für jede Patientin die richtige“, betont Nicole Sigrist-Uhl. Die Spezialistin für gynäkologische Krebserkrankungen in der Klinik für Gynäkologie, Urogynäkologie und gynäkologische Onkologie weiß, wie entscheidend es ist, „dass wir sehr genau hinschauen und die Behandlung auf die jeweilige Tumorbiologie und die persönliche Situation abstimmen.“ So sei das Ziel nicht, ein möglichst umfangreiches Therapieangebot zu machen, sondern die individuell passende Therapie herauszusuchen, die medizinisch trägt und zugleich die Lebensqualität im Blick behält.
Zu diesem Ansatz gehört auch, dass operative Entscheidungen nicht schematisch fallen. Das Zentrum orientiert sich an aktuellen europäischen Leitlinien sowie an den neuen deutschen Empfehlungen. Die erfahrenen Operateure berücksichtigen bei Eingriffen sowohl die biologische Charakteristik des Tumors als auch Stadium und individuelle Patientinnenfaktoren. Moderne Konzepte wie die sogenannte Sentinel-Lymphknoten-Technik fließen ebenso in die Versorgung ein wie strukturierte Entscheidungen zu adjuvanten oder palliativen medikamentösen Therapien. Ambulante Chemotherapien sowie Immun- und Checkpoint-Therapien erfolgen in enger Abstimmung am Standort.
Aus Sicht der Patientinnen ist der medizinische Fortschritt nur dann ein Gewinn, wenn er im Alltag ankommt. Genau das will das neue Zentrum leisten. Wer an Gebärmutterkrebs erkrankt, steht oft unter hohem Zeitdruck, muss Befunde einordnen, Entscheidungen treffen und mit großer emotionaler Belastung umgehen. Das Team in Wesel will deshalb nicht nur behandeln, sondern auch Orientierung geben. Gespräche sollen Zusammenhänge verständlich machen, Therapieempfehlungen sollen nachvollziehbar bleiben und die Begleitung nicht nach dem Eingriff oder der ersten Behandlungsphase enden. Die zentrale Botschaft des neuen Angebots richtet also sich an Betroffene, die in einer existenziellen Situation vor allem Verlässlichkeit suchen. Sie sollen in Wesel nicht nur moderne onkologische Medizin finden, sondern auch ein Team, das ihren Behandlungsweg klar strukturiert, verständlich erklärt und eng begleitet.
Gehen neue Wege mit einem spezialisierten Zentrum für Gebärmutterkrebs: Nicole Sigrist-Uhl, Leitung des Gynäkologischen Krebszentrums am EVK Wesel und Initiatorin des neuen Zentrum (r.) sowie Dr. med. Bernhard Uhl, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie, Urogynäkologie und gynäkologische Onkologie (l.), in der das neue Zentrum beheimatet ist. Foto: EKV Wesel