Mehr Platz für Gemeinschaft: Evangelische Kirche in Xanten umgebaut
Flexible Bestuhlung, barrierefreie Zugänge und moderne Veranstaltungstechnik: Nach umfangreichen Bauarbeiten kehrt das Gemeindeleben in die Kirche am Xantener Marktplatz zurück.
XANTEN. Eine Kirche ist heutzutage nicht mehr nur ein Ort des gemeinsamen Betens, sondern auch der Geselligkeit und der gelebten Gemeinschaft. Kirchen und kirchliche Räume müssten deshalb inzwischen „neu gedacht“ werden, sagte die Xantener Architektin Beate Kempkens. Genau das habe sie auch beim Umbau der Evangelischen Kirche in Xanten versucht zu berücksichtigen. So wurden etwa die alten Kirchenbänke gegen neue Stühle mit ausziehbarem Halter für ein Gesangsbuch ausgetauscht. Diese Stühle sind bei Gottesdiensten zu einem Hufeisen vor dem Altar aufgestellt. „Dadurch bekommt man ein besseres Gefühl dafür, dass es ein Wir ist, das hier zusammenkommt“, sagte Brigitte Messerschmidt vom Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Xanten-Mörmter beim Pressegespräch. Bei anderen Veranstaltungen – etwa Konzerten – könnten sie aber auch völlig anders angeordnet werden oder sogar gänzlich verschwinden. Auch das sei wichtig, um den Ort der Kirche eben auf ganz vielfältige Weise nutzen zu können. Am kommenden Sonntag, 4. Oktober, lädt die Evangelische Kirche Xanten-Mörmter aber erstmal zur feierlichen Eröffnung in die umgebaute Kirche in unmittelbarer Nähe zum Xantener Marktplatz ein. Der etwa einstündige Gottesdienst beginnt um 15 Uhr. Anschließend wird es im benachbarten Gemeindehaus einen Empfang unter anderem mit Wortbeiträgen geben.
„Ich bin sehr zufrieden“, sagte Ralph Neugebauer, Vorsitzender des Presbyteriums, auf die Frage, wie ihm die umgestaltete Kirche und das angrenzende Gemeindehaus gefallen. Der Umbau sei „eine runde Sache“ gewesen – und das nicht nur in Bezug auf das sichtbare Ergebnis der Umbauarbeiten: Denn mit knapp 1,7 Millionen Euro Umbaukosten sei das Projekt fast eine finanzielle Punktladung gewesen. Die geplanten Kosten seien nur „um etwa zwei bis drei Prozent“ überschritten worden, wie Architektin Kempkens verriet. Dies sei aber in Anbetracht des denkmalgeschützten Gebäudes („da können immer Dinge passieren, die man nicht vorhersehen kann“) zu vernachlässigen gewesen. Zudem sei auch der zeitlich anvisierte Rahmen eingehalten worden.
Im Mai 2025 fand der letzte Gottesdienst vor dem Umbau in der Evangelischen Kirche statt. Danach starteten die umfassenden Renovierungs- und Umbaumaßnahmen. Dabei wurden neben den Sitzbänken auch Podeste entfernt. Gottesdienste sollen heute „auf Augenhöhe“ stattfinden, sagte Kempkens. Eine Kanzel mit Blickrichtung zur Gemeinde habe aber auf Wunsch der Kirche bleiben müssen. Auch geblieben ist die hölzerne Empore, auf der die historische Orgel untergebracht ist, die im Zuge der Umbauarbeiten ganz besonders vor Staub und Schmutz geschützt wurde. Musikalisch wird sie zukünftig aber von einem Flügel aus Holz unterstützt, den die Evangelische Kirche Xanten gebraucht erworben hat. Er soll aber nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei Konzerten zum Einsatz kommen. Zudem wurde in der Kirche ein neuer Teppich verlegt sowie eine barrierefreie Rampe zum Eingang hin gebaut. Zum Gemeindesaal hin schafft künftig ein Lift einen barrierefreien Zugang zur angrenzenden Kirche.
Hier hätte Architektin Beate Kempkens auch noch einen weiteren Wunsch gehabt, der sich allerdings aufgrund des Denkmalschutzes nicht umsetzen ließ: Die Architektin hätte nämlich von der Küche im Gemeindesaal aus gerne einen direkten Zugang zur Kirche gehabt, damit die Besucher bei Veranstaltungen direkt mit Speisen und Getränken versorgt werden können. Bedenken hinsichtlich des Denkmalschutzes sprachen aber dagegen, sodass die Kirche und der Gemeindesaal nur weiter entfernt von der Küche einen Zugang erhalten konnten. Aber mit einer Doppeltür aus Glas ist ein großer Durchgang von der Kirche zum Gemeindehaus geschaffen worden. Darüber hinaus wurde im Gemeindesaal die Bühne entfernt und stattdessen viel Stauraum geschaffen sowie eine neue Technik installiert, die vielfältige Möglichkeiten für Veranstaltungen bietet. Der Keller, der vom Jugendheim Evan genutzt wird, wurde ebenfalls renoviert. Hier wurde vor allem der Brandschutz ertüchtigt. Im Gemeindesaal wurde außerdem die abgehängte Zwischendecke entfernt, sodass das Sheddach wieder zu sehen ist. „Dadurch bekommt der Raum direkt viel mehr Luft, Licht und Freundlichkeit“, betonte Kempkens.
Die Renovierungs- und Umbauarbeiten der Evangelischen Kirche waren vor allem auch notwendig geworden, da die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland 2023 beschlossen hat, dass alle Kirchengemeinden ab 2035 nur noch Gebäude betreiben sollen, die klimaneutral sind und mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Das sei durch den Umbau nun erreicht worden, wie Neugebauer bestätigt. Statt mit Gas werden die Kirche und der Gemeindesaal nun mit insgesamt drei Wärmepumpen beheizt. Dazu sei auch in der Kirche eine Fußbodenheizung verlegt worden. Eine Photovoltaik-Anlage sei unter anderem aus Gründen der Statik und des Denkmalschutzes jedoch nicht möglich gewesen. Die Evangelische Kirchengemeinde Xanten-Mörmter beziehe von ihrem Anbieter jedoch Ökostrom, sodass hier trotzdem von einer Klimaneutralität gesprochen werden könne, so Messerschmidt.
Die Baukosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro stemmte die Kirchengemeinde weitgehend selbst, wie Guido Höhne vom Presbyterium erklärte. Das Geld sei aus den eigenen Rücklagen genommen worden, die die Kirchengemeinde zuvor über Jahre hinweg zu diesem Zweck gebildet habe. Außerdem habe sie Spenden über 12.000 Euro und vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) für die Denkmalpflege einen Zuschuss über 22.000 Euro bekommen.
Mit dem morgigen Gottesdienst kehrt nun das Leben in die Evangelische Kirche in Xanten zurück, nachdem sie seit Mai 2025 vorübergehend ausziehen und sich vorübergehend andere Orte für ihre Aktivitäten suchen musste. „Es wird sich zeigen, wie sich das Gemeindehaus nun wieder mit Leben füllen wird“, sagte Neugebauer. Dazu sei die gesamte Kirchengemeinde gefragt.
Brigitte Messerschmidt, Ralph Neugebauer und Beate Kempkens (v.l.) in der frisch renovierten Evangelischen Kirche in Xanten. NN-Foto: SP