Martina Bogdahn präsentiert neuen Roman „Mirabellentage“ in Rees
Die Bestseller-Autorin beleuchtet in ihrem Werk das Leben einer Pfarrhaushälterin zwischen Heimat und Neuanfang.
REES. Die Bestseller-Autorin Martina Bogdahn hat ihren Roman „Mirabellentage“ in der Stadtbücherei Rees vorgestellt. Die in München lebende Schriftstellerin arbeitet eigentlich als Fotografin, doch ihr Debütroman „Mühlensommer“ wurde vor zwei Jahren gleich ein Bestseller.
Dieser Roman spielt auf einem abgelegenen Einödhof in Franken, doch der Verlag hatte sich gewünscht, dass in dem Buch eine Person Gerüchte und Tratsch verbreitet. „Auf einem Bauernhof tratscht aber niemand“, erzählte Bogdahn lachend, die selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Deshalb hat sie die Figur der Pfarrhaushälterin Anna eingeführt, die auf dem Bauernhof einmal wöchentlich Eier kauft und dabei gleich Neuigkeiten aus dem Dorf ausplaudert. Damit wurde Anna in ihrem ersten Roman eher als ältliche Jungfer und als Witzfigur dargestellt. „Wie oft im Leben fällt man aber vorschnell ein Urteil über eine Person?“ fragte Bogdahn das Publikum rhetorisch.
Los- und Heimatdorf hinter sich lassen
In ihrem zweiten, im Frühjahr erschienenen Roman „Mirabellentage“ ist Anna schließlich die Hauptfigur und wird ganz anders dargestellt. Anna wollte eigentlich ihr Leben lang Pfarrhaushälterin sein, doch nach dem plötzlichen Tod des Pfarrers bleibt für sie die Zeit stehen. „Es ist jetzt für die etwa 50-jährige Anna an der Zeit, loszulassen und ihr Heimatdorf hinter sich zu lassen“, erklärte Bogdahn den Hintergrund des Romans. Parallel zu den Herausforderungen, denen sich Anna nun stellen muss, erzählt das Buch immer wieder in Rückblenden Episoden aus Annas Leben. Damit wurden die Zuhörer der Lesung in die 1970er und 1980er Jahre zurückversetzt.
Große Heiterkeit löste die Erzählung einer Kaffeefahrt aus, denn die Männer des Dorfes hatten das Ziel – Kneippen in Bad Wörrishofen – missverstanden. So machten sie lange Gesichter, als sie anstatt mehrere Kneipen zu besuchen eine Einführung ins Wassertreten erhielten. Gleichzeitig zeigte diese Szene wie andere Stellen in dem Buch auch eine Situation, die heute eindeutig als sexueller Übergriff gelten würde. In dem Buch entkommt Anna diesen Situationen immer mit ein bisschen Glück und im richtigen Moment auch mit richtigen Freunden. Den Zuhörerinnen riet Martina Bogdahn, in solchen Situationen nicht aus Schamgefühl zu schweigen, sondern sich immer aktiv Hilfe holen.
Regionale Unterschiede in Sachen Humor
Gelächter hingegen gab es, als die Autorin von ihren Recherchen zum Buch erzählte. Sie hatte sich zum Beispiel in einem Krematorium erkundigt, um die Beisetzung des verstorbenen Pfarrers glaubhaft darstellen zu können, und wurde gleich mit Mitgefühl bedacht. Dazu verriet Bogdahn, dass je nach Region über einige Stellen im Buch mehr oder weniger gelacht wird. „In Norddeutschland fanden die Zuhörer es gar nicht lustig, dass die Franken sich über einen friesischen Dialekt lustig gemacht haben“, hat Bogdahn festgestellt. In Regensburg hat dagegen niemand über einen Witz über den früheren Papst Benedikt XVI. gelacht. „Als ältere Frau hadert Anna jetzt mit einigen Entscheidungen, die sie in ihrer Jugend getroffen hat“, erklärte Bogdahn.
Sie riet ihren Zuhörern, in diesem Fall nicht zu hart mit sich zu sein, denn früher war man sich sicher gewesen, richtig gehandelt zu haben. In dem Roman wächst Anna jetzt über sich hinaus und ist bereit, aus Blumfeld auszubrechen. „Denn nur wer von Zuhause weg fährt, kann auch wieder heimkommen“, schloss Bogdahn die Lesung unter dem lang anhaltenden Applaus der knapp 50 Zuhörer.
Viel Interaktion mit dem Publikum: Martina Bogdahn bei der Lesung in der Reeser Stadtbücherei. Foto: Stadt Rees