Beim BSC Louisendorf gibt es die 3D-Gruppe, die am Dienstagabend und am Samstagmorgen trainiert. Marten, Rainer, Rüdiger, Simon, Adriano und Ingrid (v.l.) würden sich über Mitstreiter freuen. Foto: Kurt Michelis
29. August 2025 · Bedburg-Hau

„Man wird zu einer Einheit“

Faszination 3D-Bogenschießen: Beim BSC Louisendorf kann man auch Außerirdische jagen

LOUISENDORF. Der Milan hängt träge in der Luft, der Hirsch döst friedlich im Gras. Beide ahnen nicht, dass es ihnen gleich an den Kragen geht. Mit Pfeil und Bogen wohlgemerkt. Verletzt wird dabei aber zum Glück niemand, auch wenn ab und an ein „Kill“ über den Platz schallt. Der Tatort: die Wiese des Bogenschießclubs (BSC) Louisendorf, gleich hinter dem Fußballplatz gelegen. Die Täter: eine fröhliche Truppe von Leuten, die auf Jagd gehen. Wer da an Szenen aus Westernfilmen oder gar an Robin Hood denkt, liegt falsch. Blut wird heute nämlich nicht fließen...

Zeit für ein bisschen Basiswissen: „3D-Bogenschießen ist eine spannende und abwechslungsreiche Disziplin im Bogensport, bei der auf dreidimensionale Tiernachbildungen aus Schaumstoff geschossen wird. Diese Ziele, auch „3D-Tiere“ genannt, sind detailgetreu gestaltet und in der Natur platziert, wodurch ein realistisches Schießerlebnis entsteht.“ So heißt es auf der vereinseigenen Homepage. Das mit dem „detailgetreu“ mag für die meisten Tiere noch stimmen, doch darf sich der unbedarfte Zuschauer durchaus wundern, wenn auch eine Schildkröte, ein Außerirdischer namens Hugo und ein Pilz (die wachsen ja bekanntlich blitzschnell) zum Parcours dazu gehören. „Ist ja im Grunde nur Spaß“, sagt Kurt, der heute mal eine Lanze (oder so ähnlich) für seinen Sport brechen möchte. Natürlich geht es darum, neue Leute fürs 3D-Bogenschießen zu begeistern. Anfänger sind willkommen, wenn sie vorab einen Schnupperkurs mitmachen. Wer schon mit Pfeil und Bogen umgehen kann, darf gleich auf die Jagd gehen. Aus versicherungstechnischen Gründen als Wiederholungstäter aber nur mit Mitgliedschaft.

Kurt erklärt erstmal, wie sich das 3D-Schießen vom klassischen Bogenschießen unterscheidet. Klar, die einen schießen auf eine Scheibe, die anderen auf Figuren aus Schaumstoff. Während der eine Bogen ein technologisch hoch entwickeltes (und recht kostspieliges) Sportgerät ist, sind die klassischen Lang- und die schon vielseitiger einsetzbaren Recurvebögen, die beim 3D-Bogenschießen zum Einsatz kommen, schon eher erschwinglich. „Einen vernünftigen Langbogen bekommt man ab etwa 200 bis 300 Euro, die Pfeile kosten um die sieben Euro – nach oben hin gibt es natürlich kein Limit“, sagt Frank. Er ist 2. Vorsitzender des BSC Louisendorf und beim 3D-Schießen heute lieber Zuschauer.

Ganz anders als Kurt, der es mag, über das Gelände zu laufen und sich immer wieder auf neue Ziele einzustellen. „Das fängt schon bei den unterschiedlichen Distanzen an“, sagt er, „mal sind es fünf Meter Abstand, mal 80.“ Und wer das „Kill“ beim Wiesel treffen will, muss dafür gar auf einer wackeligen Holzplanke stehend um einen Ast herum zielen. „Man macht eben ein bisschen mehr als einfach nur Schießen“, sagt Marten, der mit seinen 17 Jahren zu den jüngeren 3D-Bogenschützen zählt. Immer wieder müsse man die Position wechseln, Entfernungen abschätzen und neu anvisieren. Das macht es für ihn spannend. „Es erfordert absolute Konzentration“, weiß Kurt an seinem Hobby besonders zu schätzen. „Man wird zu einer Einheit“, sagt er. Ärger und Stress lasse man mit dem Pfeil los – „alles andere blendet man aus.“ So sieht‘s auch Ingrid, die das 3D-Schießen ebenfalls für sich entdeckt hat. Sie hat einen stressigen Büro-Job, „aber wenn du hier bist, musst du runterkommen und ruhig werden“, ist es für sie der ideale Ausgleich.

Im Schnitt sind es um die fünf Bogenschützen, die hier gemeinsam die Runde machen. Eine Runde dauert, je nach Zahl der Schützen, eineinhalb bis zweieinhalb Stunden. Ums Gewinnen geht es dabei nicht. „Wir zählen nicht mit“, sagen Rüdiger und Rainer, die auch regelmäßig die 3D-Ziele umsetzen und so für Abwechslung sorgen. Sie haben viel Freude am heimischen Parcours, gehen aber auch gern mal auswärts schießen. „Manchmal fahren wir auch mit mehreren Leuten“, sagt Kurt. Da geht es dann zum Beispiel in die Eifel oder in die Niederlande und es gibt auch mehrtägige Events, bei denen man sich mit anderen 3D-Schützen austauschen kann. „Bei uns in der Region gibt es bestimmt viele Bogenschützen, die gar nicht wissen, dass wir hier einen Parcours haben“, vermutet Kurt. Zumindest im Kreis Kleve sei ihm keine entsprechende Anlage bekannt. Wer Lust hat, es mal auszuprobieren, ist in jedem Fall willkommen. Das gilt natürlich auch für den „klassischen“ Sport. „Wir bieten regelmäßig Schnupperkurse an“, sagt Frank und empfiehlt einen Blick auf die vereinseigene Homepage. Im Falle des 3D-Schießens wäre so ein Kurs für Anfänger auch Pflicht. Schließlich fallen Pfeil und Bogen zwar nicht unters Waffengesetz, unterschätzen sollte man die bis zu 200 Stundenkilometer schnellen Pfeile aber nicht.

Alle Infos und Kontakt findet man unter https://bsc-louisendorf.de/. Eine Fotostrecke vom 3D-Schießen gibt es unter www.niederrhein-nachrichten.de.

Beim BSC Louisendorf gibt es die 3D-Gruppe, die am Dienstagabend und am Samstagmorgen trainiert. Marten, Rainer, Rüdiger, Simon, Adriano und Ingrid (v.l.) würden sich über Mitstreiter freuen. Foto: Kurt Michelis