„Lounge der Vielfalt“ und Trinkwasserbrunnen
Gelderner Schüler nehmen am Planspiel „CityUpgrade teil
GELDERN. Von Jugendlichen für Jugendliche – diesen Grundsatz verfolgt das kommunalpolitische Planspiel „CityUpgrade“. Im April erarbeiteten rund 135 Schüler der Gelderner weiterführenden Schulen diverse Projekte.
Am Ende stimmten sie in einer fiktiven Ratssitzung darüber ab, welche Projekte für das zur Verfügung stehende Budget tatsächlich in Geldern umgesetzt werden sollen.
Zwei Projekte sollen nun in Zusammenarbeit den Schüler und der Stadtverwaltung umgesetzt werden: Die sogenannte „Lounge der Vielfalt“ erhielt die meisten Stimmen, direkt dahinter das Projekt „Aqua Boost“, ein Trinkwasserbrunnen am Sport-Campus zwischen dem Lise-Meitner- und dem Friedrich-Spee-Gymnasium. „Beim Projekt ,CityUpgrade´ konnten die Schüler ihre Ideen für Geldern einbringen und ausarbeiten“, erklärt Markus Grönheim, zweiter Beigeordneter der Stadt Geldern und Leiter des Bereichs Jugend und Familie. „Dabei soll es aber nicht bleiben. Wir möchten die Schüler auch aktiv in die Umsetzung der Ideen einbeziehen.“
Schon nach der Abstimmung bei der damaligen fiktiven Ratssitzung durften sich die Schüler dafür in Listen eintragen – nun fanden die ersten Treffen der Projektgruppen statt, die jeweils etwa zehn Schüler umfassen.
Den Start machte die Projektgruppe zum Thema „Lounge der Vielfalt“. Dieses Projekt umfasst eine Sitzmöglichkeit für Jugendliche in der Innenstadt, bei der die Nationalitäten der Gelderner Einwohner dargestellt werden sollen. Verbunden werden soll das Projekt mit einem WLAN-Hotspot. Zur Verfügung stehen den Schülern dafür 10.000 Euro. „Wir wollen mit euch zusammen überlegen, wie wir das Projekt am besten auf die Beine stellen können“, begrüßte Markus Grönheim die Schüler vom Friedrich-Spee-Gymnasium und der Liebfrauenschule. „Es soll ein Platz werden, an dem sich Jugendliche entspannen können. Darum interessiert uns, was euch besonders wichtig ist.“
Die erste Antwort darauf lautet: Die „Lounge der Vielfalt“ soll zentral stehen. „Sie sollte nicht so weit außerhalb sein, denn einige Mitschüler wohnen nicht in Geldern“, erklärt Schülerin Johanna Croonenbrock vom Friedrich-Spee-Gymnasium. „Darum macht es wenig Sinn, wenn wir noch einen weiten Weg zurücklegen müssen, um zur Lounge zu gelangen.“ Diesem Vorschlag stimmen die Schüler zu und auch Maria Bronn, Lehrerin am Friedrich-Spee-Gymnasium, unterstützt diesen Punkt: „Die Lounge sollte möglichst zentral zu den anliegenden Schulen liegen.“ Ein möglicher Ort sei dafür die Glockengasse. „Eine ,Lounge der Vielfalt´ würde weiterhin zur Belebung der Glockengasse beitragen.“
Im darauffolgenden Treffen schauten sich die Schüler gemeinsam mit Michael Kassner, Leiter des Jugendzentrums „check point“, und Citymanagerin Anne Klatt drei mögliche Standorte an. Sowohl der Platz direkt vor dem Jugendzentrum, als auch die Glockengasse sowie der kleine Markt sind mögliche Optionen. Der Platz zwischen Brunnen und Kapuzinerkirche in der Glockengasse überzeugte die Schüler nach einer Abstimmung am meisten. Das Problem: „Die Fläche ist nicht im Eigentum der Stadt Geldern“, erklärt Anne Klatt. „Daher müssen wir nun zunächst schauen, ob wir dennoch eine Lösung für diesen Platz finden.“ Ansonsten müsste einer der anderen vorgeschlagenen Orte nochmal vertieft werden.
Auch die Projektgruppe „Aqua Boost“ hat inzwischen die Arbeit aufgenommen. Das Ziel ist ein neuer Trinkwasserbrunnen am Sport-Campus, der sowohl Schüler als auch Hobbysportler mit frischem Trinkwasser versorgen soll. Unterstützt werden die Schüler dabei von den Stadtwerken Geldern. Beim ersten Treffen stellte Daniel Bousart, Leitung „Gas/Wasser“ bei den Stadtwerken, den Schülern die mögliche Umsetzung vor. Die Herausforderung sei, dass es in der unmittelbaren Umgebung keine Wasserleitung gibt. „Die nächste Leitung ist etwa 90 Meter weit entfernt“, erklärte Bousart. Um den Aufwand und die Erdarbeiten minimal zu halten, wolle man mithilfe einer sogenannten Spülbohrung unterirdisch Leitungen verlegen. „Es gibt viel Baumbestand in der Gegend, zudem liegt auf dem Weg ein Graben, der unterquert werden muss. Die Spülbohrung stellt ein besonders schonendes Verfahren dar, mit dem Auswirkungen auf das Bodendenkmal reduziert werden können und bietet daher viele Vorteile zu den klassischen Arbeiten mit Bagger und offenem Graben.“ Angebracht werden soll ein Trinkwasserbrunnen des Unternehmens „Join the Pipe“, das sich für weniger Plastikmüll und weltweiten Zugang zu besserem Trinkwasser engagiert. Ein baugleiches Modell betreiben die Stadtwerke bereits seit 2023 zentral auf dem Gelderner Markt.
Gemeinsam mit den Stadtwerken und Vertretern der Stadt Geldern besichtigten Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums daraufhin den Sport-Campus, um einen geeigneten Standort für den neuen Trinkwasserbrunnen auszuwählen. Die Entscheidung fiel auf einen Platz direkt am Anfang der Calisthenics-Anlage, dort, wo die Fläche für die Kletterfelsen beginnt. „Wichtig ist uns, dass der Trinkwasserbrunnen für alle Menschen gut erreichbar ist – auch für Rollstuhlfahrende“, betont Daniel Bousart. Zudem soll er zentral positioniert werden, sodass möglichst viele Schüler und Sporttreibende auf ihrem Weg dort vorbeikommen.
Das Projekt „Aqua Boost“ wird im Rahmen der Kleinprojektförderung der Leader-Region „Leistende Landschaft“ finanziell unterstützt. In einem nächsten Schritt erfolgt gemeinsam mit den Schülern die Detailplanung beider Projekte.
Daniel Bousart von den Stadtwerken (l.), Denis Erbozkurt-Becker vom Team Jugendhilfeplanung der Stadt Geldern (2.v.l.) sowie die Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums haben schon einen guten Platz für den Trinkwasserspender gefunden.Foto: Stadt Geldern/Gossens