Lindlahr zum Aus von Gelderland Frischwaren: Wille beim Mutterkonzern fehlte
Statement der Bürgermeistern zur Schließung des Standorts Emmerich: „von der Tiefe und Endgültigkeit dieser Entscheidung überrascht“. Notwendige Investitionen in die Produktionsstätte fehlten offenbar.
EMMERICH. Über den Betriebsrat der Firma hat Bürgermeisterin Claudia Lindlahr zu Beginn der Woche von den Plänen der OSI Group erfahren, ihren Standort Gelderland Frischwaren in Emmerich schließen zu wollen. Diese Nachricht habe sie „sehr betroffen gemacht“, teilt Lindlahr in einem Statement mit.
Weiter sagt sie: „Von der Schließung sind mehr als 100 Beschäftigte direkt betroffen. Viele von ihnen haben Angebote erhalten, an zum Teil weit entfernte Standorte zu wechseln. Hinter diesen Zahlen stehen aber Lebenswege, Familien und Existenzen. Ihnen allen gilt mein aufrichtiges Mitgefühl.“
Auch sie sei „von der Tiefe und Endgültigkeit dieser Entscheidung überrascht“ gewesen. Die Verunsicherung bei den Betroffenen sei groß. „Gleichzeitig bin ich überzeugt: Emmerich ist ein starker Wirtschaftsstandort mit leistungsfähigen Unternehmen – und ich setze darauf, dass sich hier vor Ort möglichst schnell neue Chancen für die Beschäftigten eröffnen“, betont Lindlahr.
Keine Bereitschaft, in Standort Emmerich zu investieren
„Es stimmt mich traurig, dass ein Unternehmen, das über viele Jahrzehnte Arbeitsplätze in Emmerich gesichert hat, nun nicht mehr bereit ist, in diesen Standort zu investieren. Noch in der vergangenen Woche habe ich in einer Videokonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern der Konzernleitung gesprochen, unter anderem war auch die Vizepräsidentin aus London zugeschaltet. Die Atmosphäre war deutlich reserviert, die Signale in Bezug auf die Zukunft des Standortes waren eher ausweichend“, berichtet die Bürgermeisterin. Schon in diesem Gespräch sei spürbar gewesen: „Der Wille, Emmerich langfristig als Produktionsstandort zu erhalten, war auf Seiten des Mutterkonzerns nur noch sehr begrenzt vorhanden.“
Sie werde nun im Rathaus mit Vertretern des Betriebsrates zusammenkommen, um „ein Gespür für die „Seele der Belegschaft‘ zu bekommen: für ihre Sorgen, Fragen und Erwartungen“. Sie könne die unternehmerische Entscheidung des Konzerns zwar nicht rückgängig machen, „aber ich möchte genau verstehen, was die Menschen jetzt brauchen, um gemeinsam mit unseren Partnern – etwa der Agentur für Arbeit und den lokalen Unternehmen – Unterstützung zu organisieren und Perspektiven aufzuzeigen“.
Schließung der Produktionshalle nicht die Ursache
Auch zur Schließung der Produktionshalle durch die Stadt Emmerich am 20. April äußert sich Lindlahr und stellt klar: „Die Stilllegung einer Produktionsstätte ist für uns kein Routinevorgang, sondern immer das letzte Mittel. Mitte April wurde der Stadt ein statisches Gutachten des Konzerns vorgelegt, das erhebliche Mängel an der Bausubstanz der Produktionshalle aufgezeigt hat. Nach sorgfältiger fachlicher Prüfung blieb uns aus Gründen des Arbeits- und Bevölkerungsschutzes keine andere Wahl, als die Halle zu schließen. Unsere erste Verantwortung gilt der Sicherheit der Beschäftigten und der Öffentlichkeit – daran gibt es für mich keinen Zweifel.“
Die Tatsache, dass die Entscheidung zur Schließung des Standorts Emmerich nur wenige Tage nach dem Gespräch mit dem Konzern und kurz nach der Vorlage des Gutachtens verkündet wurde, lasse aus ihrer Sicht darauf schließen, „dass die Entscheidung im Konzern schon länger gereift war. Der Eindruck drängt sich auf, dass notwendige Investitionen in die Produktionsstätte über einen längeren Zeitraum nicht oder nicht ausreichend vorgenommen wurden.“
Lindlahr betont in diesem Zusammenhang: „Die Schließung der Produktionshalle durch die Stadt war eine konsequente und unvermeidbare Reaktion auf gravierende Sicherheitsmängel – sie war nicht die Ursache für die grundlegende strategische Entscheidung des Konzerns, den Standort Emmerich aufzugeben.“ Die Stadt Emmerich stehe in dieser schwierigen Situation fest an der Seite der Beschäftigten. „Gemeinsam mit unseren regionalen Partnern werden wir alles daransetzen, Übergänge zu erleichtern, neue Beschäftigungschancen zu eröffnen und Emmerich als starken Wirtschafts- und Arbeitsstandort weiterzuentwickeln“, versichert die Bürgermeisterin.
Bürgermeisterin Claudia Lindlahr äußert sich in einem Statement zur Schließung von Gelderland Frischwaren in Emmerich. Foto: Stadt Emmerich