Lebensfreude in rosa und blau-weiß
Närrischer Hausbesuch bei Prinzessin Patty I. (Vogt) / In Hartefeld geht es am 21. Februar weiter
Unbekanntes Terrain war der Karneval für Patty I. zwar nie, so richtig Fahrt aufgenommen hat das Karnevalstreiben für sie jedoch erst vor circa 16 Jahren, als sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern nach Hartefeld gezogen war. Es dauerte nicht lange, ehe die Nachbarn bei ihr auf der Matte standen und „zack, waren wird drin“, erinnert sich Patty I. Nach den ersten Jahren als Teil einer Fußgruppe stehen die beiden mittlerweile seit einer Dekade mit der Bruderschaft ganz oben: auf dem Wagen. Die Matriarchin und gelernte Bürokauffrau mischt außerdem seit vielen Jahren bei den Showtänzerinnen der „Drinkerbells“ mit und hilft immer wieder beim Kuchen- und Getränkeverkauf aus. Auch der Nachwuchs ist nicht untätig: Die jüngste Tochter, 17, tanzt bei den „Jellys“. Die Älteste, 19, steigt ab Aschermittwoch nach längerer Pause wieder als Querflötenspielerin ein.
Dass man ihr irgendwann das Prinzessinnenamt anbieten würde, das ahnte Patty Vogt schon früh. Umso leichter fiel ihr die Antwort, als es schließlich soweit war. Ins Kreisen seien ihre Gedanken dennoch gekommen: „Was muss ich alles tun? Was liegt alles an?“, erinnert sie sich mit einem Lachen. Wie anstrengend es mitunter werden würde, zeigte sich schon bei den ersten Veranstaltungen. „Es war schon ziemlich viel“, sagt Prinzessin Patty. Aber im Nachgang doch jedes Mal schön.
Eine geborene Prinzessin
Das liegt vermutlich daran, dass Patty I. geradezu prädestiniert ist für den Job. Das liegt einerseits an ihrem ausgeprägten Hang zu Prinzessinnen, der Vorlieben für Glitzer und die Farbe Rosa einschließt – wie man unschwer an ihrem Orden erkennen kann. Dieser zeigt die güldene „Drinkerbell“ auf rosafarbenem Hintergrund und dazu ihr Lieblingstier, den Flamingo. Andererseits besitzt sie – der Nervosität zum Trotz – ein angeborenes Bühnentalent. „Auf Reden bereite ich mich gar nicht vor. Sonst vergesse ich nur meinen Text und fange an zu stocken“, verrät sie. Zu improvisieren liege ihr da wesentlich mehr. Gesegnet mit einer regen Beobachtungsgabe qualifiziert sie für den Posten der Oberjeckin darüber hinaus noch ihr Wissen über die Hintergründe in einem Verein: Vorbereitungen, Kosten und Ausgaben zum Beispiel. „Mein Mann ist fast von Anfang an Kassierer bei der St. Antonius-Schützenbruderschaft Hartefeld. Da bekommt man eine ganze Menge mit!“
Ohne ihre närrische Familie, die ihr von Beginn an zur Seite stand, wäre das ganze Unterfangen aber kaum möglich. Da wundert es auch nicht, dass alle Familienmitglieder – zusätzlich zu ihren sonstigen Aufgaben im Verein – auf eigenen Wunsch Teil ihrer Garde sind. Überhaupt fällt diese hinsichtlich der Geschlechter sehr durchmischt aus und hat mit 15 Köpfen sogar einen Rekord in Hartefeld aufgestellt. Beides ist in dieser Form ungewöhnlich, aber Patty I. geht die Dinge ohnehin gerne anders an und weiß ihren Willen – wie es sich für das Amt gehört – auch durchzusetzen. „Ich habe alles bekommen, was ich wollte“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Das schließt sogar pinke Eintrittskarten ein.
Das soll aber nicht heißen, dass die Herrscherin Willkür walten lässt. „In meiner Garde sind nur Leute, mit denen ich viel zu tun habe“, erklärt sie. Darunter ihre Familie, Freunde, der Hofstaat der St. Antoniusschützen – Patty Vogt gehört der Damenschießgruppe und mit ihrem Mann dem Thron an – und sogar drei Mitglieder der Band Mister Baconjack. „Damit habe ich sogar einen Sänger, der hier in Hartefeld für mich singt“, sagt Patty I. gut gelaunt.
Gemeinschaftlich feiern
Aber was gefällt ihr eigentlich besonders am Karneval? Einiges: die Umzüge, so auszusehen wie man möchte, aber vor allem: „Ich finde es einfach schön, wenn alle ausgelassen miteinander feiern und eine Gemeinschaft bilden.“ In diesem Sinne planen die Vereine auch in diesem Jahr noch viele gegenseitige Besuche: Die Hartfelder werden ihrerseits am Samstag, 15. Februar, erstmals bei der Issumer Kappensitzung zugegen sein sowie am Samstag, 1. März, in Veert und am Sonntag, 2. März, am Kamellezug in Geldern teilnehmen.
In Hartefeld selbst steht ebenfalls einiges an: Am Freitag, 21. Februar, findet die Kappensitzung und am Samstag, 22. Februar, die Sitzungsparty statt, jeweils um 19.11 Uhr in der Dorfschmiede. Der Rosenmontagszug in Hartefeld findet am 3. März auf der Hartefelder Dorfstraße statt. Hier erwartet die Herrscherin ihr Volk sogar mit besonderen Geschenken: Als Hobby-Handarbeiterin hat Patty I. mit Unterstützung von Freundinnen Glückswürmchen gehäkelt, die sie vom Wagen aus verteilen wird. Ihr Geschick in diesem Feld hat sie außerdem mit ihrem Kleid bewiesen – eine Eigenkreation, wie sie sagt. „Ich habe ein altes Brautkleid umfunktioniert.“
Einziger Wehrmutstropfen für Patty I.: der Bänderriss, den sie sich durch einen Sturz bei einer der Karnevalsveranstaltung zugezogen hat. „Das ist schon ziemlich bitter. Prinzessin wird man schließlich nur einmal.“ Die Hoffnung zu verlieren oder sich gar davon aufhalten zu lassen kommt für sie aber nicht in Frage: „Ich bin guter Hoffnung, bei den späteren Auftritten so gut es geht mitmachen zu können. Und wenn es im Sitzen ist.“
Das ist der Orden der amtierenden Regentin. Foto: Thomas Langer
Prinzessin Patty I. freut sich auf die nächsten Veranstaltungen. NN-Fotos: T. Langer