Laute und leise Töne bei der 42. Motorrad-Wallfahrt in Kevelaer
Lichterfahrt: Mehr als 1.000 Biker auf dem Kapellenplatz
KEVELAER. „Spike“, wie ihn seine Kumpel nennen, konnte es kaum glauben: So viele Biker hatte er bei der Motorrad-Wallfahrt (MoWa) noch nicht erlebt. Mehr als 1.000 hatten sich am 4. Juli zur Motorrad-Wallfahrt auf dem Kapellenplatz in Kevelaer versammelt. Um sich „am kleinen Bild vom großen Trost“, wie es Pastoralreferent Dr. Bastian Rütten bezeichnete, zu stärken. Dafür hatten Biker aus Belgien und den Niederlanden sowie aus allen Ecken Deutschlands die Anreise nicht gescheut.
„Spike“, alias Uwe Dresen, der sich selbst als „Hausmeister der MoWa“ bezeichnet, war in diesem Jahr mit seinem eigenen Zweiradtraum aktiv dabei. „Ich bin immer hier. Von Anfang an. Jedes Jahr. Diesmal aber eben mit meinem eigenen Bike, das ich so langsam wieder auf Vordermann bringe.“
Fahrer, Beifahrer, Besucher und die Sonne lachten gleichermaßen mit ihm und erfüllten das Herz der Marienstadt mit Wärme – innen und außen. Und ebenso mit lauten und leisen Tönen. Letztere standen bei der Andacht im Mittelpunkt, bei der wieder all derer gedacht wurde, die ihr Leben auf der Straße lassen mussten.
Die lauten Töne standen für die Fülle des Lebens, das eben auch gefeiert wurde. Ob Marienlob, Knattern der Motoren oder der vielfältige Klang der verschiedenen Hupen – die Geräuschkulisse war wieder so bunt wie das Leben und die Teilnehmer auf ihren herausgeputzten Maschinen.
Manche gehören zur großen Familie der „Kluftis“, wie sich einige selbst nennen, ohne ein eigenes Zweirad zu führen. So wie Ursula und Klaus Frankfurt. Mit ihrem kleinen Hund sind sie seit drei Jahren nicht mehr aktiv dabei – und jetzt Zuschauer. Zuvor hatten sie auf ihren Bikes die MoWa jahrzehntelang mitgeprägt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge winkten sie ihren Kollegen zu: „Wir sind wegen unseres Alters aufs Wohnmobil umgestiegen“, verrieten sie.
Gedenken an die Verstorbenen
Und dann waren da noch die Freunde und Familien derer, die nicht mehr mit dabei sein können, weil sie durch Unfälle aus dem Leben gerissen wurden. So wie eine Essenerin in ihrer Motorradkutte in der Kapelle erzählt: „Wir mussten gestern einen Freund zu Grabe tragen. Für ihn sind diese Kerzen hier.“ Viele taten es ihr gleich, ließen die Trostlichter leuchten. Auch für Familienangehörige, wie es Biker Andreas Coenen tat, der aus Brüggen angereist war: „Die Kerze ist für meine Tante, die gerade gestorben ist.“
Die abendliche Segnung war dann wieder ganz den Lebenden gewidmet und Highlight der 42. Motorradwallfahrt. Ganz besonders auch für Pfarrer Paul Hagemann, der auf dem Kreuz-führenden Bike von Klaus Heyer eine Premiere erleben durfte. Beide führten die Wallfahrt an. Pfarrer Hagemann zeigte sich begeistert und bewegt: Die abschließende Segnung nach Entzünden der großen Wallfahrtskerze gemeinsam mit Pastoralreferent Rütten nach der Andacht auf dem Kapellen-Platz ging ihm sichtlich nahe. Die MoWa 2027 hat vermutlich einen weiteren Fan in ihren Reihen.
NN-Fotos: Gerhard Seybert
Mehr als 1.000 Biker schlossen sich auf dem Kapellenplatz der Motorrad-Wallfahrt 2026 an. NN-Fotos: Gerhard Seybert