Landtagsabgeordneter René Schneider möchte 2027 erneut kandidieren: „Bereit, es besser zu machen“
Seit 14 Jahren sitzt René Schneider (SPD) im Düsseldorfer Landtag. Er sei „bereit, es besser zu machen“
KREIS WESEL. Mehr als ein Jahr vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat der Landtagsabgeordnete René Schneider (SPD) seine Entscheidung getroffen: Er möchte im April 2027 im Wahlkreis Wesel II, zu dem die Kommunen Kamp-Lintfort, Voerde, Rheinberg, Xanten, Alpen und Sonsbeck gehören, noch einmal kandidieren. „Bereit, es besser zu machen“, sei der Spruch, der aktuell wohl am besten die Gedanken hinter seiner erneuten Kandidatur beschreiben würde.
„Im Frühjahr 2027 sitze ich seit 15 Jahren im Landtag. Von meinen drei bisherigen Wahlperioden waren wir aber nur in der ersten Wahlperiode in Regierungsverantwortung und in den bald vergangenen zehn Jahren in der Opposition, wo man nur begrenzt Einfluss nehmen kann“, begründet Schneider. Das solle ab Frühjahr 2027 anders werden: „Ich trete natürlich an, weil ich die Wahl mit der SPD und unserem Spitzenkandidaten Jochen Ott gewinnen möchte. Ich bin bereit, es besser zu machen.“
Die Entscheidung für seine mittlerweile vierte Kandidatur sei deshalb auch sehr schnell und ohne großes Nachdenken gefallen. Dabei habe auch die Wahlkreisarbeit eine große Rolle gespielt. „Sie bedeutet mir nach wie vor sehr viel. In Erinnerung geblieben ist mir etwa die Begegnung mit einer Long-Covid-Patientin in meiner Bürgersprechstunde, die mir von ihrem ganzen Strauß an Problemen berichtet hat. Ich konnte mich mit meinem Gegenkandidaten vor fünf Jahren, Sascha van Beek (mittlerweile Bundestagsabgeordneter für den Kreis Wesel, Anm. d. Red.), darüber austauschen. Er engagiert sich im Bundestag in der Gesundheitspolitik, konnte das Thema mitnehmen und mit dafür sorgen, dass es einen Etat zur Erforschung von Long Covid im Bundeshaushalt gibt“, berichtet Schneider. Vielleicht wäre das auch ohne sein Mitwirken passiert, aber es hinterlasse ein gutes Gefühl, dem Thema zum Wohle der Long-Covid-Patientin nochmal eine stärkere Bedeutung verliehen zu haben. Und dazu habe nun einmal das persönliche Gespräch in seinem Wahlkreis beigetragen.
Gleiches geschehe auf vielen verschiedenen Ebenen. „In mein Wahlkreisbüro ist auch einmal ein älteres Ehepaar hereingekommen, das auf Wohnungssuche war. Wir haben den Laptop aufgeschlagen, einmal die Immobilienbörse im Internet aufgerufen und Wohnungen rausgesucht. Ist das unsere Aufgabe? Ich glaube, ja“, sagt Schneider. Für die Menschen da zu sein heiße, nämlich nicht nur, ein offenes Ohr zu haben, sondern bei Problemen auch direkt helfen zu wollen. Manchmal geschehe das auf diesem unbürokratischen Wege, manchmal aber auch mit „einem Brief mit Logo aus dem Landtag NRW“ drauf.
Als Parteimitglied der SPD sei ihm natürlich besonders der soziale Bereich wichtig. „Die soziale Politik machen wir“, betont Schneider. Allerdings komme diese im öffentlichen Diskurs immer als „nie gut genug“ rüber. Die Mindestlohnerhöhung sei beispielsweise „nie gut genug“, wie Schneider als Beispiel aus dem Bundestag anführt.
Auf Landtagsebene kritisiert Schneider besonders die Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz). „Das ist kein neuer Wurf“, sagt Schneider. Ebenso wie Gewerkschaften und Fachverbände befürchtet auch Schneider Qualitätsverluste, vor allem durch das Kern-/Randzeitenmodell und mögliche Personalkürzungen. Auch die Sprachförderung solle an den Kindertagesstätten bleiben, also bei den „Erziehern, die das gelernt haben“, und nicht extern mit hohen Fahrtkosten geschehen. „Mit den dafür vorgesehenen 110 Millionen können besser die Kitas finanziert werden“, sagt Schneider.
Weitere wichtige Anliegen, für die er sich auch schon seit Jahren einsetze, seien der Hochwasserschutz („Hier sind wir einfach zu langsam“) und der Abbau von Sand und Kies. Aufgrund des bereits genehmigten Regionalplanes Rhein-Ruhr sei davon auszugehen, dass die Kiesabbaustellen im Kreis Wesel von sechs auf neun steigen würden. Eine neue Kiesabbaufläche entstehe zum Beispiel in Alpen-Drüpt. Trotz Versprechungen hätten die „grüne Wirtschaftsministerin“ Mona Neubaur und der „grüne Umweltminister“ Oliver Krischer (beide gehören zum CDU-Koalitionspartner Bündnis 90/Die Grünen; Anm. d. Red.) hier nichts erreicht. „Und ich muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass das auch bis zum Ende der Legislaturperiode im Frühjahr 2027 nichts mehr wird“, betont Schneider, für den klar ist, dass der einzig richtige Weg beim Thema Kiesabbau nur ein Ausstieg sei. „Das habe ich schon in meinem letzten Wahlprogramm gesagt: Wir müssen dahinzukommen, dass wir mehr recyceln und auf alternative Materialien setzen, anstatt weiter Sand und Kies abzubauen“, sagt Schneider.
Offiziell ist der 49-jährige Sozialpolitiker aus Kamp-Lintfort allerdings noch nicht der nächste SPD-Landtagskandidat für den Wahlkreis Wesel II für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im kommenden Jahr. Dazu muss er erst noch im Mai von den Delegierten gewählt und offiziell aufgestellt werden. Für Schneider wäre es die vierte Kandidatur und damit auch der vierte Wahlkampf. „Ich habe bei den drei Wahlkämpfen zuvor schon gemerkt, dass es jedes Mal härter wurde. Wobei die Wahlkämpfe mit meinen Gegenkandidaten trotzdem immer fair waren. Ich habe auch bis heute einen guten Kontakt zu allen“, sagt Schneider.
Mittlerweile würde der Wahlkampf jedoch nicht nur im persönlichen Austausch, sondern auch in den sozialen Medien stattfinden. Auch er bediene Facebook, Instagram und TikTok. „Bei Facebook sind das Beziehungen, die gewachsen sind. Dort kenne ich die meisten persönlich. Instagram ist eine Blumenwiese. TikTok dagegen ist toxisch. Hier gibt es sofort blaue Herzen. Die Demokratie hat TikTok schon längst verloren“, meint Schneider, der den Schwerpunkt seines Wahlkampfes jedoch weiterhin im persönlichen Kontakt sieht. „Wenn ich mit jemandem ins Gespräch komme und der merkt, dass hinter dem Namen und dem Bild ein echter Mensch steckt, ist der Umgang auch online gleich ein ganz anderer“, hat Schneider beobachtet. Hassnachrichten kämen meist von anonymen Accounts, nicht aber von Menschen, denen er persönlich begegnet sei.
Die Landtagswahl 2027 in Nordrhein-Westfalen ist für Sonntag, 25. April 2027, angesetzt.
Sabrina PetersRené Schneider (l.) strebt im Frühjahr 2027 seine vierte Amtszeit als Landtagsabgeordneter an. NN-Foto: SP